Naturwissenschaftlich interessiert ist Rainer Weiskirchen aus Hagenbüchach schon immer. Die Astronomie hat es dem begeisterten Radfahrer zudem angetan. Schließlich reifte in ihm die Idee, alles zu verbinden – und ein Konzept für einen Planeten-Radweg zu erstellen. Eine ausführliche Variante stellte er im Gemeinderat Hagenbüchach vor.
Bereits in einer der vorangegangenen Sitzungen hatte er dem Gremium seine Idee in groben Zügen präsentiert. Damals (wie auch jetzt) kam die Idee sehr gut an. Nicht nur seine Heimatgemeinde soll von diesem Radweg profitieren, sondern auch die Nachbarkommunen Emskirchen und Wilhelmsdorf. Durch deren Gebiet soll die 26 Kilometer lange Strecke ebenfalls führen. „Der Weg hat keinen Anfang und kein Ende, wie unser Sonnensystem auch”, sagt Weiskirchen.
Von seiner Idee angetan war auch Landrat Dr. Christian von Dobschütz, dem er bei einer Promi-Radtour durch den Landkreis von seiner Vision erzählte. Da man das hiesige Radwegenetz weiter ausbauen und attraktiv gestalten will, kommen solche Vorschläge wie ein Planeten-Radweg gerade recht.
Weiskirchen machte sich ans Werk. Sein Ziel ist es, unser Sonnensystem in einem Maßstab von 1:550 Millionen darzustellen – und zwar maßstabsgetreu zur Größe der Planeten als auch zu deren Abstand zur Sonne. Die Werte wurden aus einem Rechenprogramm aus dem Internet entnommen, die Standorte beziehen sich jeweils auf die Entfernung zur Sonne. Als definierten Ausgangspunkt dafür wählte Weiskirchen den Parkplatz an der Hochstraße Ecke Schulstraße in Hagenbüchach.
„Wie bekomme ich nun Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn an interessante Punkte?” Diese kniffelige Aufgabe galt es zu lösen – und gelang. Schnell wurde aber klar, dass nicht alle Planeten in Hagenbüchach stationiert werden können. Möglich ist dies mit Merkur an der Sitzgruppe gegenüber dem Rathaus, und Venus, für diesen Planeten bietet sich die Streuobstwiese nördlich des Fußballplatzes an. Für die Erde berechnete Weiskirchen Hochstraße/Ecke Hardtstraße als ideale Position und für den Mars den Bereich Neue Mitte am Verkaufsautomaten. Durch diese Standorte ist es möglich, vom Standort der Sonne aus drei Planeten zu betrachten.
Jupiter könnte am Feuerwehrhaus Pirkach positioniert werden, Saturn in der Ortsmitte von Gunzendorf, Uranus am Gemeinschaftshaus Oberalbach und Neptun am Ortseingang von Rennhofen, beim örtlichen Biergarten. Würde man noch einen Standort für Pluto suchen, würde sich der vor dem Neustädter Gymnasium oder dem Landratsamt finden.
Bei der Wahl des Maßstabs und der „Planeten-Standorte“ bezog Weiskirchen einige Überlegungen ein. Ihm war es wichtig, dass diese an gut frequentierten oder leicht zu erreichenden Punkten liegen, die an bestehende Radwege angebunden sind. „Auch gastronomische Angebote oder Spielplätze sollten in der Nähe sein”, führte er in einem Gespräch mit unserer Redaktion aus. Wie soll nun die Umsetzung erfolgen? Auch diese präsentierte er dem Gemeinderat.
An den einzelnen Stationen soll der entsprechende Planet auf einer rund 20 mal 20 Zentimeter großen Metallplatte dargestellt werden. Auf dieser gibt es eine kurze Erklärung nebst QR-Code, der auf eine entsprechende Homepage weiterleitet. Auf dieser gibt es nicht nur Infos über den jeweiligen Planeten, sondern auch über den Weg und dessen weiteren Verlauf.
„Die Metallplatte wird auf einer mindestens 1,1 Meter hohen Granit-Stele angebracht. Die Gestaltung der Metallplatte könnte einzelnen Künstlern überlassen werden beziehungsweise über Projekte in den Gemeinden laufen”, erklärt Weiskirchen. Hierfür werden noch Ausführende gesucht. Die Planeten könnten als Kugeln auf den Metallplatten dargestellt werden. Durch die Größe der Sonne (2,5 Meter im Durchmesser) wäre es möglich, den Umfang des Himmelskörpers über ein Ringsystem zu visualisieren. Gerade um die großen Planeten zu schaffen, sucht Weiskirchen jemanden, der schweißen kann.
Seine Idee präsentierte er auch schon Pierre Leich von der Astronomischen Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg (AGN). Diese fördert die Zusammenarbeit von Personen und Organisationen, die Interesse an der Astronomie haben. Weiskirchen war diese Kooperation wichtig für ein Feedback, aber auch, damit regionale Aspekte nicht zu kurz kommen. So will er etwa auch den deutschen Mathematiker, Astronom und Arzt Simon Marius (1573–1624) würdigen, der in Ansbach starb. Gleichzeitig mit Galileo Galilei entdeckte er die vier größten Monde des Planeten Jupiter.
Gespräche wurden inzwischen, mit Blick auf mögliche Förderungen und die Finanzierung, mit dem Regionalmanagement, der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, der LAG Rangau, mit Vertretern der Gemeinde und einem Steinmetzbetrieb (für die Umsetzung) geführt. Im Gespräch mit unserer Redaktion und gegenüber dem Gemeinderat sprach Weiskirchen noch Dinge an, die es zu klären beziehungsweise anzugehen gilt.
Wichtig sei es, einen Verein zu gründen, der die Trägerschaft übernimmt. Dies ist hinsichtlich der Umsetzung sowie für Spenden und Förderungen von Bedeutung. Die Kommunen müssten ins Boot geholt werden, um den Erhalt der Stelen und die Verkehrssicherheit zu übernehmen. Abzuklären gilt es ferner, ob man auf die Landkreishomepage zurückgreifen kann, etwa mit Blick auf die Verlinkung der QR-Codes.
Auch wenn noch viel zu tun ist und die grob geschätzten Kosten von rund 50.000 Euro gestemmt werden müssen, so zeigt sich Weiskirchen trotzdem optimistisch, dass die Umsetzung gelingen kann. Der Planetenradweg könnte zum beliebten Ausflugsziel für Kitas und Schulen, Wanderfreunde und Radler werden. Und weshalb sollte man dort nicht auch jährliche Events anbieten, zu einzelnen Planeten. Vieles ist möglich.