„Habt Mut, eure Träume zu verfolgen“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.02.2025 19:54

„Habt Mut, eure Träume zu verfolgen“

Zum Abschied hat Evelyn Beck-Pieler (rechts) ihrer Mentorin, Pfarrerin Christine Stradtner, ein Buch voller Erinnerungen gestaltet. (Foto: Anna Franck)
Zum Abschied hat Evelyn Beck-Pieler (rechts) ihrer Mentorin, Pfarrerin Christine Stradtner, ein Buch voller Erinnerungen gestaltet. (Foto: Anna Franck)
Zum Abschied hat Evelyn Beck-Pieler (rechts) ihrer Mentorin, Pfarrerin Christine Stradtner, ein Buch voller Erinnerungen gestaltet. (Foto: Anna Franck)

Eigentlich wollte Evelyn Beck-Pieler, die vor 2,5 Jahren ihr Vikariat in Illesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) startete, immer Pfarrerin werden. Nach dem Abitur entschied sich die 43-Jährige trotzdem für das Grundschullehramt. Doch der Wunsch ließ sie nicht los – und letztlich wagte sie den Schritt, ihren Traum zu verfolgen.

„Lehramt war damals irgendwie abschätzbarer. Da weiß man eher, was auf einen zu kommt“, sagt Evelyn Beck-Pieler, die ursprünglich aus Diespeck kommt und sich dort schon früh im kirchlichen Bereich engagiert hatte – vom Kirchenvorstand bis zur Konfirmandenarbeit. Nach dem Studium ging sie mit Mitte 20 ins Referendariat. Der Gedanke, sich doch noch voll der Theologie zu widmen, war stets präsent. „Ich habe gern in der Schule gearbeitet, aber ein Puzzlestück hat gefehlt.“

Evelyn Beck-Pieler stieß auf den Pfarrverwalter-Studiengang an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau. „Das ist das Quereinsteiger-Modell unserer Landeskirche.“ Vier Jahre dauerte das Studium, anschließend ging es ins Vikariat. „Es war ein anderer Zugang, führt aber zum gleichen Beruf.“

Die meisten Kommilitonen waren deutlich jünger

Das Modell der Landeskirche, das Evelyn Beck-Pieler absolviert hat, gibt es heute so nicht mehr. Mittlerweile wird modularisiert studiert. Manche Einheiten finden auch online statt. Evelyn Beck-Pieler studierte dagegen ausschließlich in Präsenz. „Das ist schon interessant, wenn man mit Mitte 30 noch mal aus seinem Beruf rausgeht und ins Studentenwohnheim zieht.“ Im November 2018 kam sie dort an und merkte direkt: „Hier bist du richtig.“ Die meisten Kommilitonen waren zehn, 15 Jahre jünger, „aber es war ein gutes Miteinander“. Und: „Es war richtig toll, sich mit Mitte 30 in die Theologie reinzuwerfen. Ich hab das total genossen.“ Nicht zu unterschätzen ist die Finanzierung des Studiums, betont Beck-Pieler. Sie setzte ihr Erspartes ein, zudem unterstützte sie ihr Mann.

Den Moment des Angekommen-Fühlens gab es noch ein zweites Mal. Nämlich als sie ihr zweieinhalbjähriges Vikariat in Illesheim startete. Ihre Mentoren dort waren das Pfarrerehepaar Uwe und Christine Stradtner.

Die Rolle als Fachlehrerin

Letztere erlebte schon verschiedene Vikare und Vikarinnen. Dass sich jemand mit 40 Jahren auf das Abenteuer einlässt, war auch für sie spannend. Stradtner und Beck-Pieler sehen klare Vorteile im Quereinstieg. „Es ist etwas anderes mit Lebens- und Berufserfahrung und einem gewissen Standing eine solche Herausforderung anzugehen“, sagt die Vikarin. Pfarrerinnen und Pfarrer unterrichten regelmäßig Religion an Schulen. Das musste die Quereinsteigerin aufgrund ihrer Vorbildung nicht mehr lernen. „Ich musste eher meine Rolle als Fachlehrerin finden.“ Das Thema Schule war deshalb kein Schwerpunkt in ihrem Vikariat. Dieses ist mittlerweile auch neu aufgelegt. Im „Vikariat 2026“ sind Mentoren für verschiedene Bereiche vorgesehen.

Mit verschiedenen Typen von Menschen umgehen – auch das lernte sie im Schuldienst. Denn freilich sei da anfangs eine gewisse Scheu, wenn man an fremden Türen klingelt, um zum Geburtstag zu gratulieren oder ein Trauergespräch führt. „Da hat mich die Lebenserfahrung schon gut getragen.“ Ebenfalls zu Gute kam Evelyn Beck-Pieler ihr Engagement im kirchlichen Ehrenamt.

Ihr Alter spielte für die Vikarin bei ihrer Entscheidung für den Pfarrberuf übrigens nur eine untergeordnete Rolle. „Wenn ich es jetzt nicht mache, wann mach’ ich es dann? Dieses Gefühl war viel mehr präsent. Ich wusste, ich bereue es mit 60 Jahren, wenn ich es nicht wenigstens probieren würde.“ Deshalb lautet ihr Appell auch: „Habt Mut, eure Träume zu verfolgen. Wagt den Schritt. Was soll denn schon passieren?“

Viele „Glitzermomente“ zusammen gesammelt

Zusammen erlebten Stradtner und Beck-Pieler viele Hochs und Tiefs, waren ein gutes Team, wuchsen zusammen. Besonders gern denkt die 43-Jährige an ihre „Glitzermomente“ zurück, beispielsweise ihre Einführungsgottesdienste in den Gemeinden Illesheim, Westheim, Urfersheim und Schwebheim zurück. Christine Stradtner nennt diese „Goldrandmomente“, zählt dazu den inspirierenden Austausch.

Viele Ideen entwickelten sie immer weiter, hielten sie in mehreren Notizbüchern fest. Gemeinsam starteten Stradtner und Beck-Pieler einen Instagram-Account für die Pfarrei Illesheim, um ihre Aktivität in die Welt zu tragen. Ein trauriger Moment, und zugleich einschneidend war es, als Uwe Stradtner im Jahr 2023 plötzlich verstarb. „Er war für mich genauso ein Mentor.“

Am Samstag, 1. März, startet Evelyn Beck-Pieler nun ein neues Kapitel. Sie übernimmt ihre erste eigene Pfarrstelle – und zwar in Kleinlangheim im Landkreis Kitzingen. Auf den Abschied blickt sie mit gemischten Gefühlen. „Auf diesen Moment habe ich zugearbeitet“, sagt die 43-Jährige, der das Loslassen dennoch schwer fällt. Für ihre Mentorin hat sie wichtige Momente gesammelt und bildlich festgehalten – in einem Fotobuch, das den Titel „Abenteuer Vikariat“ trägt.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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