Vom Basteln zum Backen: Größere zeigen den Kleineren, wie sie eine Idee umsetzen können. Am Ende haben beide Seiten etwas davon. So zumindest sieht das Konzept eines Projekts in Ansbach aus. Schon seit zehn Jahren arbeiten die Friedrich-Güll-Schule und das Staatliche Berufliche Schulzentrum (BSZ) Ansbach-Triesdorf zusammen.
Sie laufen aufgeregt hin und her und schnattern fröhlich vor sich hin. Vom Alter her scheinen die Kinder so gar nicht ins BSZ zu passen. Doch junge Menschen in der elften und zwölften Klasse des Schulzentrums begleiten die Jüngeren. Die Älteren lassen sich in der Bildungsstätte in der Brauhausstraße derzeit in Ernährung und Versorgung ausbilden.
„Sie haben ein Wahlpflichtfach”, erläutert Fachoberlehrerin Beate Eckstein, die in dem Projekt federführend ist. „Dieses Wahlpflichtfach, das sie hier bei mir gewählt haben, ist die Kindertagespflege.” Deshalb biete es sich an, „in echt” Kinder dazuhaben, mit denen die jungen Leute etwas unternehmen könnten.
Außerhalb des Projekts geht es im Unterricht laut ihren Worten um Entwicklung, Sprache und alles, was bei Kindern wichtig ist. Aber im Projekt „ist es einfach etwas anderes, wenn es dann wirklich wuselt”. Seit 2016 läuft die Kooperation der zwei Bildungsstätten.
Eigentlich ist das Vorhaben sogar noch älter. Im Jahr 2009 riefen es Karin Promm als damalige Leiterin der Grundschule Ansbach-Schalkhausen sowie eine Vertreterin und zwei Vertreter des BSZ noch an der Grundschule in dem Ortsteil ins Leben. Da schon mit dabei war vom BSZ Dietmar Gaffron.
Zu Beginn war er Fachbetreuer Kinderpflege, 2016 dann stellvertretender BSZ-Leiter. Heute leitet er das Schulzentrum. Wie kam es zu dem Projekt? „Einige Schüler vom BSZ werden ja eventuell mal Fachlehrer für Ernährung und Gestaltung”, stellt Karin Promm fest. Sie ist seit 2016 Rektorin der Friedrich-Güll-Schule.
Nachdem sie sich am BSZ haben ausbilden lassen, können die jungen Menschen ans Staatsinstitut III (Fachlehrerausbildung für allgemeinbildende Schulen) in Ansbach gehen, um Fachlehrerin oder Fachlehrer zu werden. Darüber informiert die Fachbetreuerin für Ernährung und Versorgung, Katharina Junger. Nach dem BSZ sei es ihnen alternativ möglich, an die Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement zu wechseln.
Anschließend „können sie ans Staatsinstitut IV gehen – für die beruflichen Schulen”. Da sich die einen oder anderen also dafür entscheiden, den Lehrberuf zu ergreifen, sollten sie laut Karin Promms Idee wissen, ob sie richtig liegen. Dafür sei es wichtig, einmal am Kind zu arbeiten.
Die Grundzüge des Konzepts sind einfach: „Die Großen müssen die Inhalte vorbereiten und dann mit den Kleinen arbeiten”, legt die Pädagogin dar. Für die Grundschülerinnen und Grundschüler sei das Projekt total gewinnbringend. Sie könnten in Kleingruppen und mit anderen Personen arbeiten und bekämen einen ganz anderen Input. „Sie lernen zum Beispiel nicht nur das Kochen, sondern auch Theorie.”
Das BSZ hat ebenfalls etwas davon: „Unsere Schülerinnen und Schüler sind da in einer Situation, in der sie sonst nicht sind“, findet BSZ-Chef Dietmar Gaffron. Sie dürften lehren und hätten in einem Ernstfall echte Menschen vor sich, denen sie etwas beibringen könnten. Dies sei unbezahlbar. „Dabei lernt man am allermeisten.“
Die Schülerinnen und Schüler vom BSZ überlegen sich selbst, was sie im Unterricht unternehmen, wie Beate Eckstein vom Beruflichen Schulzentrum deutlich macht. Natürlich gebe es einen Probelauf, bevor alle in Aktion treten.
Von der Friedrich-Güll-Schule waren die zwei dritten Klassen jeweils einen Tag lang im BSZ. Groß und Klein backten zum Beispiel rund um Ostern salzig und süß, bastelten für die Feiertage, wandten sich einem Quiz zu, färbte Eier – und aßen natürlich noch gemeinsam.