Für die gewerbliche Übergangsnutzung ansonsten leer stehender Läden steht der Begriff „Pop-up-Store”. In der Altstadt ploppten schon ein paar dieser Kurzzeit-Geschäfte auf und wieder zu. Auch das Haus Rödergasse 2-4 hat jetzt eine solche Funktion, wobei eines anders ist, denn gleich acht Unternehmungen zogen dort ein.
Von Schmuckdesign-Stücken und originell gestalteten Geschenkartikeln über Kunstberatung bis hin zum Vertrieb von Prosecco aus Norditalien reicht das Spektrum dessen, was ab sofort in dem Haus vor dem Markusturm angeboten wird. Wer sich dort umschauen und informieren möchte, hat nur bis Jahresende Zeit. Dann klappt, wie das eben so ist beim Thema Pop-up, das Ganze wieder zu.
Die Räume teilen sich mehrere Kleinunternehmerinnen und -unternehmer. Die meisten kommen aus dem Stadtgebiet, ein paar aber auch aus anderen Ecken des Landkreises Ansbach. Einige sind mit ihren Geschäftsideen schon auf dem Markt. Andere wollen ausprobieren, wie ihre Konzepte unter realen Bedingungen mit persönlichem Kundenkontakt funktionieren.
Das geht in dem Gebäude in der Rödergasse praktisch risikolos, weil keine der Parteien für die temporäre Einmietung dort zahlen muss. Ermöglicht wird das durch Fördermittel, die für das Projekt flossen, und zwar aus dem Programm „Starkes Stadtmarketing für lebendige Innenstädte”.
Der Stadtmarketingverein hatte sich dafür 2024 beim Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie beworben. Die Umsetzung erfolgte in Kooperation mit der Stadt, die Eigentümerin des Gebäudes ist, und dem am Campus angesiedelten Digital-Marketing-Bereich der Hochschule Ansbach. Viel fachliches Know-how steckte vor allem Master-Studentin Klara Popp in die Umsetzung. Ihr Engagement wurde bei der Eröffnungsfeier, an der sie nicht teilnehmen konnte, gewürdigt.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser äußerte sich erfreut über die innovative Nutzung dieser Räume im Herzen der Atstadt, die früher dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe als Domizil gedient hatten. Stadtmarketing-Geschäftsführerin Brigitte Orf dankte Stefanie Mälzer von der Wirtschaftsförderung des Rathauses und Fördermittelmanager Rainer Lederer für die Unterstützung. Natürlich sei das ein Experiment, so die Citymanagerin. Aber vielleicht sagten nach drei Monaten in diesem „Reallabor” ja einige, dass es gut gelaufen sei und die Testresultate für sie zur Dauerlösung in Sachen Erwerb taugten. Dann werde sich das vollauf gelohnt haben. Sie hoffe jedenfalls auf ein solches Ergebnis, meinte Brigitte Orf.
Professorin Dr. Carolin Durst vom Campus zeigte sich „überwältigt von dem, was hier innerhalb kurzer Zeit entstanden ist”. Sie dankte auch dem Hochschul-Förderverein, der bei der Feier mit Klaus Lenkner vertreten war, für die Hilfe. „Wir haben gesagt, wir wollen keinen Ideenwettbewerb, sondern stattdessen einfach mal machen”, so die Professorin. Dass dem Aufruf, sich an diesem Experiment zu beteiligen, gleich acht Unternehmungen gefolgt seien, finde sie toll. „Das Besondere ist, dass hier nicht nur ausgestellt und verkauft wird, sondern dass das auch ein Ort des Kennenlernens und der Inspiration sein kann.”
Was sich die Teilnehmenden selber erhoffen, verrieten sie im Gespräch mit der Redaktion. Mit dabei ist beispielsweise die Schillingsfürsterin Anja Alt, die sich auf die Produktion von Echtschmuck aus Altgold und anderen wiederverwendbaren Materialen spezialisiert hat. Sie vertrieb ihre Sachen bisher nur online und will nun ausprobieren, „ob das auch in einem echten Laden funktioniert”. Die Schopflocherin Kim Engelhardt, die Körbe, Karten und Dekoartikel kreiert, hat bereits Shop-Erfahrung, aber in einer anderen Stadt, und möchte herausfinden, ob es für sie auch in Rothenburg passen könnte.
Julia Lenkner, die in der Stadt heimisch ist, wird bis Jahresende in der Galerie des Gebäudes Schmuckdesign-Workshops anbieten. Ihre Werkstatt hat sie zu Hause. Diese Arbeit sei bislang reiner Nebenerwerb. Hauptberuflich sei sie im sozialen Bereich tätig, erklärte Julia Lenkner. Der Kunstwissenschaftler und Museumsfachmann Maximilian Lechler verdiente sein Geld bisher mit Dienstleistungen für Auftraggeber andernorts und will nun testen, ob es für ihn als Kunsthändler und Kunstberater in seiner Heimatstadt Rothenburg klappen könnte. Er stellt in den Räumen in der Rödergasse auch Bilder aus seiner Privatsammlung aus und verkauft sie bei Interesse.
Jacqueline Bratke fertigt Modeschmuck in Handarbeit, wobei das für sie vor allem Hobby ist, und sammelte in der Altstadt bereits Erfahrungen mit einem eigenen Pop-up-Store. Bei dem Projekt in der Rödergasse mitzuwirken, fand sie spannend. Thomas Müller bietet in den Räumen Schaumwein-Produkte eines Betriebes aus der norditalienischen Region Venetien an. Bisher laufe der Vertrieb an einen überschaubaren Kundenkreis über das Internet, berichtete er. Möglicherweise kämen über die Präsenz in der Rödergasse neue Kontakte dazu. Schön sei, das hier ohne Druck ausprobieren zu können.
Mit im Boot sind noch ein Grafikdesign-Kollektiv und ein Team, das Audio-Anwendungen für Themenführungen durch die Stadt entwickelt. Wenn die spezielle Übergangsnutzung der Räume in der Rödergasse ausläuft, will die Stadt, wie bei der Eröffnung mitgeteilt wurde, sie regulär zu marktüblichen Bedingungen an einen Gewerbetreibenden weitervermieten. Im Idealfall wäre das eine jener Unternehmungen, für die der nun gestartete mehrmonatige Testbetrieb entsprechend gut läuft.