Der Tourismus ist für die Stadt ein „beträchtlicher, stabiler und resilienter Wirtschaftsfaktor“. Dieses Fazit zog Moritz Sporer im Kultur- und Tourismusausschuss der Stadt.
Der Geschäftsführer der Marktforschungsagentur dwif, die sich auf den Tourismussektor spezialisiert hat, stellte die Auswertung seines Instituts für das Jahr 2023 vor. Im Gepäck hatte er gute Nachrichten. 581.000 Gäste haben 2023 in Rothenburg übernachtet. Rund 1,8 Millionen Menschen kamen für eine Tagesreise in die Stadt – zum Beispiel für den Besuch von Freunden und Verwandten, für Veranstaltungen, einen Restaurantbesuch oder zum Shopping.
Zwar geben Sporer zufolge Tagesgäste deutlich weniger Geld aus als beispielsweise Übernachtungsgäste in gewerblichen Betrieben – nämlich durchschnittlich 36,50 Euro im Vergleich zu rund 160 Euro. Dennoch tragen sie durch ihre große Zahl fast 44 Prozent zum Gesamtumsatz von 150 Millionen Euro bei.
Direkt davon profitieren das Gastgewerbe (77,6 Millionen Euro), der Einzelhandel (47,9 Millionen Euro) und der Dienstleistungssektor (24,5 Millionen Euro), erläuterte Sporer. Doch damit sei die Wertschöpfung noch nicht beendet.
Denn neben den direkten Ausgaben der Gäste für Übernachtungen, Eintritt, Gastronomie oder Stadtführungen würden in einer zweiten Stufe weitere Sparten profitieren, Bäckereien oder Brauereien zum Beispiel, die die Gastronomiebetriebe belieferten, auch der Groß- und Einzelhandel und sogar Steuerberater, die Kunden aus der Tourismusbranche betreuten.
Rechne man dies alles zusammen, komme man auf einen Beitrag von 69,4 Millionen Euro, die der Tourismus zum Primäreinkommen – dem Geld, das Privathaushalte aus Erwerbstätigkeit und Vermögen zur Verfügung haben – beitrage. Das seien rund 20 Prozent des gesamten Primäreinkommens. Und was laut Sporer besonders wichtig ist: Der Tourismus sichere Arbeitsplätze vor Ort, die nicht ausgelagert werden könnten. Nicht zu unterschätzen sei außerdem die Steuerkraft des Tourismus, die zur Finanzierung der kommunalen Haushalte beitrage.
Sporer sortierte die Zahlen dann noch etwas ein. Im Vergleich zum gesamten fränkischen Gebiet stehe Rothenburg ausgezeichnet da. Auf einen Einwohner kämen fast 51 Übernachtungen, der fränkische Durchschnitt liegt bei etwa sieben Übernachtungen. 158 Tagesreisen nach Rothenburg stünden 43 in Gesamtfranken gegenüber. Und der Beitrag zum Primäreinkommen liege im fränkischen Durchschnitt bei 3,5 Prozent.
Sporer warf auch einen Blick in die Zukunft. Grundsätzlich sei die Reiselust zwar groß. Die weltweiten Konflikte, Inflation, Arbeitskräftemangel und zurückhaltender Konsum seien jedoch problematisch für den Tourismus. Preiserhöhungen seien notwendig, um die gestiegenen Kosten für Hotellerie und Gastronomie auszugleichen.
Ist die Zahlungsbereitschaft der Gäste bereits ausgeschöpft? Hier konnte er Entwarnung geben: „Nein, es gibt Handlungsspielraum.“ So seien die Gäste bereit, mehr zu bezahlen, insbesondere wenn auch die Qualität steige oder besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werde. Wichtige Faktoren seien zudem Freundlichkeit und Weltoffenheit. Damit ließen sich sowohl Gäste als auch Arbeitskräfte gewinnen und binden.
Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler ergänzte einige aktuelle Zahlen von 2024. Von Januar bis September liege die Zahl der Übernachtungen mit rund 418.000 um 3,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Zahl der Gäste aus Deutschland sei dabei leicht (um ein Prozent), die der Gäste aus dem Ausland deutlicher (um sieben Prozent) gestiegen. Besonders hob er die steigende Nachfrage aus Großbritannien und der Schweiz sowie Dänemark und Taiwan hervor.
„Man muss sich die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen“, kommentierte Peter Schaumann (CSU) zufrieden die Zahlen. Dennoch lasse eine Bettenauslastung von 60 bis 70 Prozent Luft nach oben. Könne man durch eine größere Bettenzahl die Anzahl der Übernachtungen erhöhen? „Die Auslastung ist im Vergleich bereits hoch“, antwortete Sporer. Es gelte, den Spagat zwischen Auslastungsspitzen und der Nebensaison zu schaffen.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser wollte wissen, ob sich eine Übernachtungssteuer, die derzeit in Bayern nicht erlaubt ist, negativ auf die Übernachtungszahlen auswirken würde. Er kenne kein Beispiel aus anderen Bundesländern, wo dies zu einem wesentlichen Rückgang geführt habe, so Sporer. Allerdings merkte er an: „Die Frage ist, ob dies das geeignete Instrument ist.“ Stattdessen könne er sich eher eine allgemeine Tourismusabgabe vorstellen. „Eine Art City-Tax, wie in Amerika üblich“, stimmte Naser zu.