Glücksschwein Peppa Wutz: So geht es dem geretteten Kult-Ferkel heute | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.01.2025 13:00

Glücksschwein Peppa Wutz: So geht es dem geretteten Kult-Ferkel heute

Die beiden SiHo-Rancher Simone Dietrich und Horst Büchs mit der noch sehr jungen Peppa Wutz. Erst wenige Tage zuvor hatte das Schweinchen ein neues Zuhause in Prühl gefunden. (Foto: Claudias Fotomomente)
Die beiden SiHo-Rancher Simone Dietrich und Horst Büchs mit der noch sehr jungen Peppa Wutz. Erst wenige Tage zuvor hatte das Schweinchen ein neues Zuhause in Prühl gefunden. (Foto: Claudias Fotomomente)
Die beiden SiHo-Rancher Simone Dietrich und Horst Büchs mit der noch sehr jungen Peppa Wutz. Erst wenige Tage zuvor hatte das Schweinchen ein neues Zuhause in Prühl gefunden. (Foto: Claudias Fotomomente)

Welches Schwein hat schon einen Fanclub? Peppa Wutz auf jeden Fall. Sie zählt zu jenen Tieren, die eine stabile Verehrer-Schar haben. Denn die Lebensgeschichte der Sechsjährigen ist keine aus dem Lehrbuch. Nur knapp ist sie dem frühen Tod entronnen und genießt seitdem auf der SiHo-Ranch in Prühl ihr Dasein. Ein Glücksschwein eben – und ein Schwein mit viel Glück.

7. Februar 2019: Ein Mann meldet ein kleines Schweinchen, das auf der A7 bei Gollhofen auf der Autobahn herumspaziert. Einsatz für Polizistin Jenny Steinhöfer. Peppa lag im Straßengraben, als die Streife eintraf. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Steinhöfer später dem Fernsehen. Das etwa sechsmonatige Ferkelchen wurde eingepackt und mit auf die Dienststelle nach Rothenburg genommen. Tatsächlich war es von einem Tiertransporter gefallen. „Wer so eine Reise hinter sich hat und diesen Unfall überlebt hat, war ich einfach der Meinung, der muss und der darf leben.“ Der ermittelte Besitzer sah es ähnlich. Schwein gehabt.

Aus dem Ferkelchen wurde ein Prachtweib

Die Polizistin hat sie mit nach Hause genommen und in einem Laufstall großgezogen. „Peppa Wutz“ sollte das Ferkelchen heißen, frei nach einem kleinen, quietschpinken Zeichentrick-Schweinchen aus einer Kinderserie. Doch irgendwann, das war klar, mussten sich die Wege trennen.

Doch wohin mit Peppa? Die Suche begann, und endete in Prühl. Simone Dietrich und Horst Büchs – die beiden betreiben im Oberscheinfelder Ortsteil die SiHo-Ranch, ein Gnadenhof für von ihren Besitzern nicht mehr gewollte Tiere – nahmen das Kultschwein mit auf in ihre Rasselbande.

Der Hype war riesig: Zeitungsvertreter und Fernsehsender schauten vorbei, wollten ihren Beitrag über Peppa und ihr Lebensglück haben. Immer wieder standen vor allem auch Kinder vor dem Tor der Ranch, erinnern sich Dietrich und Büchs. Schüchtern fragten die Kleinen: „Darf ich mal Peppa sehen?“ Büchs findet: „Das war zuckersüß.“ Peppa war als Kleinschwein zutraulich, schließlich ist sie von Menschenhand aufgezogen worden. Was erst einmal putzig klingen mag, wurde aber zum ernsten Problem.

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Peppa muss alleine leben

Denn eigentlich sind Hausschweine gesellige Tiere und brauchen dringend Artgenossen um sich. „Aber wir hatten zu der Zeit keine Schweine“, sagt Dietrich. Deshalb wollten die Prühler das Star-Ferkelchen auf einem befreundeten Hof in der Fränkischen Schweiz unterbringen. Aber das Zusammenleben funktionierte so gar nicht. „Peppa ist fehlgeprägt“, sagt Horst Büchs. „Sie weiß gar nicht, dass sie ein Schwein ist.“ Entsprechend kam sie mit ihren eigentlichen Freunden nicht zurecht – und die SiHo-Rancher nahmen sie wieder mit.

In Prühl treibt jetzt auch eine Rotte Minischweine ihr Unwesen. Peppa mag zwar die Geräusche und den Anblick, aber zusammen spielen? Unmöglich. „Sie muss alleine leben, Peppa ist nicht gesellschaftsfähig, leider“, betont Dietrich. Deshalb lebt sie in einer separaten Box, hört und sieht aber ihre Miniatur-Artgenossen. Das Rothenburger Polizeirevier hatte übrigens noch ein Jahr lang eine Patenschaft für den besonderen Autobahn-Fund übernommen.

Mittlerweile ist es mit der Putzigkeit aber ein wenig dahin: Denn Peppa ist vom kleinen Ferkel zum stämmigen Hausschwein geworden. „Die frühere Kuschel-Peppa ist sie nicht mehr“, sagt Büchs. Seitdem interessiert sich die breite Masse auch nicht mehr so sehr für das Kult-Schwein. „Aber sie hat schon noch ihre Fangemeinschaft“, sagt Büchs stolz. 260 Kilogramm bringt das Borstentier heute auf die Waage – und nun ja, Peppa ist eine echte Dame.

Für den SiHo-Rancher ist Peppa „mein Goldstück”

„Sie ist kein normales Schwein“, sagt Büchs. „Sie will alleine sein und ist vom Handling her nicht einfach.“ Ein wenig zickig. Aber der SiHo-Rancher möchte seine Peppa nicht mehr missen. Sie ist Teil seines Lebens geworden, „mein Goldstück“. Ansonsten verfolgt die sechsjährige Vierbeinerin vor allem zwei Hobbys: fressen und schlafen. Ihre Vorsätze, so mutmaßen ihre engen Vertrauten, lauten auch fürs neue Jahr weder mehr Sport machen noch abnehmen. „Peppa ist wie ein kleines Pony, ein echtes Fressmonster“, beschreibt Horst Büchs ihren besonderen Charakter. Und das wird auch so bleiben.

Sie hat jedoch auch so manches Zipperlein. Arthrose beispielsweise. „Aber sie macht das gut.“ Im Winter bei nasskaltem Wetter wird es zwar schlimmer, aber ein kleiner Globuli-Cocktail zum Futter wirkt Wunder. „Wir haben Peppa versprochen, sie darf so lange bei uns bleiben, wie es geht.“ Sollten ihre Schmerzen allerdings eines Tages zu groß sein, wird sie erlöst. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Denn Simone Dietrich und Horst Büchs hoffen, dass Peppas Lebensabend noch lange dauert. Und ein Blick in die Fachliteratur offenbart: So ein Hausschwein kann, wenn es nicht, wie häufig in der Fleisch-Industrie gepflegt, mit sechs Monaten geschlachtet wird, durchaus 15 bis 20 Jahre alt werden. So darf Peppa im Sommer ihre Schlamm-Suhle genießen, Ballspielen und vor allem ihrer Lieblingstätigkeit frönen: fressen. Nur noch Mineralfutter, kein Mastfutter mehr. Denn noch schwerer muss sie nicht unbedingt werden, finden ihre menschlichen Freunde. Und: „Vergessen kannst du sie nicht.“ Wenn sie am Abend kein Futter bekommt, dann wird sie zur Warnsirene – und brüllt herzzerreißend. Manchmal randaliert sie sogar. Aber böse sein kann ihr niemand – vor allem nicht ihr Horst.

„Ich hoffe, dass sie noch lange lebt“

„Peppa will auch leben, sie hat Spaß.“ Davon ist Horst Büchs überzeugt. „Wenn ich meine Peppa so sehe, dann bereue ich die Millionen Schnitzel, die ich als Fleischesser verspeist habe“, betont der 62-Jährige. „Und ich hab Schnitzel geliebt. Da habe ich manchmal schon ein schlechtes Gewissen.“ Seit acht Jahren lebt Büchs nun vegan.

„Peppa ist mein Goldstück. Ich hoffe, dass sie noch lange lebt.“ Schließlich ist sie gewissermaßen zum Grundpfeiler des Vereins hinter der SiHo-Ranch geworden. „Peppa war halt a weng berühmt. Aber das Interesse ist dann auch schnell wieder verflogen.“ So lebt der frühere Superstar sein ruhiges Leben in der Prühler Idylle. „Peppa gehört fest zum Hof“, sagt Büchs, „auch wennst mit ihr nicht Spazierengehen kannst.“ Mit dem Glücksschwein, das selbst so viel Glück hatte.

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