Die Kreisvorsitzende des Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), Margareta Loscher, ist sichtlich geschockt. Gerade kam das Labor-Ergebnis: Ein im Sommer tot aufgefundener Uhu wurde vergiftet. Es ist mittlerweile der fünfte nachgewiesene Fall aus Schauerheim und Umgebung.
Loscher vermutet eine sehr hohe Dunkelziffer, denn viele verendete Vögel werden nie entdeckt. Bei anderen kommt niemand darauf, die Leber ins Labor zu schicken.
„Schauerheim hat mittlerweile traurige Berühmtheit in ganz Bayern“, äußert sich die Vogelschützerin betrübt. Das nachgewiesene Gift, Carbofuran, ist seit 2007 in Deutschland verboten. Wer Köder mit der hochtoxischen Substanz ausbringt, tötet damit nicht nur streng geschützte Tiere, sondern gefährdet auch Kinder und andere Menschen, die damit in Kontakt kommen könnten.
Schon in früheren Jahren war Schauerheim weit oben auf der Liste auffälliger Funde in Bayern gelandet. Die Plattform „Tatort Natur“, ein Gemeinschaftsprojekt von LBV und der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, hat es sich nach eigenen Worten zur Aufgabe gemacht, dass Naturschutzkriminalität nicht so oft ungeklärt und für die Täter folgenlos bleiben dürfe. Bisher soll demnach in 99 von 100 Fällen nichts passieren.
Dabei ist die Tötung geschützter Tiere ein Verstoß gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen. Auf ein solches Vergehen stehen bis zu fünf Jahre Freiheits- und bis zu 50.000 Euro Geldstrafe.
Zwar waren unter den toten Tieren eine Katze und ein Fuchs, doch zum Großteil handelte es sich um Raubvögel. Loscher nimmt deshalb an, dass jemand es gezielt auf diese Tiere abgesehen hat.
Der jüngste Fund, ein Uhu, wurde der Tierschützerin am 30. Juli aus Schauerheim gemeldet. Der Uhu wurde zum Tierarzt gebracht und starb am folgenden Tag. Das Ergebnis der Leberuntersuchung meldete das Landesamt für Umwelt aber erst vor wenigen Tagen: eine Vergiftung mit Carbofuran.
Auffällig oft ist nach wie vor Schauerheim oder die unmittelbare Umgebung der Fundort solcher Tiere. Für dieses Jahr verzeichnet „Tatort Natur“ bisher so erst zwei Fälle im Landkreis: Neben Schauerheim wurde in Bad Windsheim im April eine Eule mit Verdacht auf Vergiftung entdeckt. Im Vorjahr hatten sich beide gemeldeten Fälle in dem Neustädter Ortsteil ereignet: ein Mäusebussard im Februar, ein Uhu im November. Das eine Mal wird eine Vergiftung, das andere Mal ein Verdacht auf eine Vergiftung angegeben.
2021 hatte eine Spaziergängerin beobachtet, wie ein Rotmilan urplötzlich tot vom Himmel fiel. Wo? In Hasenlohe, ganz in der Nähe von Schauerheim. 2020 war es gleich zu einer ganzen Reihe von verdächtigen Funden in Schauerheim gekommen: Zwei Rotmilane, zwei Mäusebussarde und ein Fuchs verendeten dort im Frühjahr, wurden allerdings nicht untersucht. Das geschah dann erst auf Loschers Initiative, als noch eine Katze starb und ein auffällig platziertes Hühnerei gefunden worden war. Nachdem dort das Gift nachgewiesen wurde, sah sie auch die früheren Todesfälle in anderem Licht.
Die Untere Naturschutzbehörde hat laut Margareta Loscher angekündigt, Anzeige zu erstatten. Für die Aufklärung der Taten wurde inzwischen eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt.