Gibt es für den Rothenburger Stadtwald noch Hoffnung? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.01.2024 07:00

Gibt es für den Rothenburger Stadtwald noch Hoffnung?

Hier standen vor zwei Jahren noch Fichten: Stadtförster Daniel Gros steht vor einem Gebiet, das wegen des Befalls durch Borkenkäfer komplett gerodet werden musste. Im Hintergrund die Überbleibsel des Bestands. (Foto: Irmeli Pohl)
Hier standen vor zwei Jahren noch Fichten: Stadtförster Daniel Gros steht vor einem Gebiet, das wegen des Befalls durch Borkenkäfer komplett gerodet werden musste. Im Hintergrund die Überbleibsel des Bestands. (Foto: Irmeli Pohl)
Hier standen vor zwei Jahren noch Fichten: Stadtförster Daniel Gros steht vor einem Gebiet, das wegen des Befalls durch Borkenkäfer komplett gerodet werden musste. Im Hintergrund die Überbleibsel des Bestands. (Foto: Irmeli Pohl)

Es regnet. Stadtförster Daniel Gros stapft mit Hündin Bailey durch den Wald, der zu seinem Arbeitsplatz geworden ist. Seit 2007 ist er dafür zuständig, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht – und seitdem hat sich einiges verändert: Der Klimawandel hat große Auswirkungen auf das aktuelle Waldbild.

„Das stimmt einen nicht zuversichtlich, wenn man sieht, wie viele Bäume tatsächlich leiden.“ Daniel Gros steht im Wald an der Engelsburg, einem Teil des Stadtwaldes, und betrachtet kritisch die Bäume. Auf den ersten Blick scheint der Wald gesund – ein typischer Wald mit idyllischen Spazierwegen. Doch er gehört zu den Waldgebieten, in denen es für den nachkommenden Bestand und besonders für die Buche nicht gut aussieht, so Gros.

Bei näherem Hinsehen fällt auf: Einige Baumkronen sind komplett kahl, die Rinde an den gen Himmel ragenden Riesen platzt ab. Typische Zeichen für einen kranken Baum, weiß der Stadtförster. „Je weniger feine Verzweigungen in der Krone, desto schlechter ist der Gesundheitszustand des Baums.“

Baumschäden durch Trockenphasen

Grund für das Buchensterben sei vor allem die Trockenheit der vergangenen Jahre. „Das ausgedörrte Erdreich reißt auf und beschädigt dabei die feinen Wurzeln der Bäume“, erklärt Gros. Davon können sich die Buchen oft nicht mehr erholen. Obwohl es im vergangenen Jahr laut Gros mehr Niederschlag gab, seien die bereits entstandenen Schäden an den Gewächsen irreparabel. „Ein Ast, der einmal abgestorben ist, wird nie wieder grün.“

Das Wildenhöfer Waldgebiet bereitet Stadtförster Daniel Gros noch mehr Sorge: Eingezäunte, kahle Flächen zeugen von dem Befall mit einer Schädlingsart, die besonders einer Baumgattung sehr zusetzt.

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Der Borkenkäfer hat es auf die Fichten abgesehen. Daniel Gros gibt keine gute Prognose: „Für die Fichte besteht hier bei uns keine Hoffnung“, bedauert er. Auch sie leidet unter dem Klimawandel. Denn: Sobald Niederschläge fehlen und die Fichte zu wenig Wasser bekommt, gerät sie in Trockenstress. Der Borkenkäfer hingegen liebt die Wärme. „Da hat er natürlich leichtes Spiel“, so Gros. Bei schwachem Befall könne sich die Fichte wehren, weiß er. „Wenn aber statt zwei Käfern 100 Käfer einen Baum anfliegen, tut der sich sehr schwer.“

Die Förster versuchen, den Befall zu dezimieren, indem sie kontaminierte Bäume sofort fällen. Dazu sei es wichtig, den Käferbefall frühzeitig zu erkennen. Das Bohrmehl, das entsteht, sobald sich die Käfer in den Baum einbohren, ist ein erstes Indiz. „Das sieht aus wie Kaffeepulver“, erklärt Gros. Zu sehen ist es am Fuß der Fichten. Ist der Befall festgestellt, handeln die Förster schnell, denn es gilt, die betroffenen Bäume zu entfernen, bevor der Käfer wieder ausfliegt. „Da haben wir nur ein sehr knappes Zeitfenster, in dem wir schnell handeln müssen.“ Übrig bleiben dann die großen, eingezäunten Flächen – davon gebe es mittlerweile über den gesamten Stadtwald verteilt an die 20 Stück, so der Förster.

Trotz schlechter Prognose gibt es Hoffnung: „Der Zaun symbolisiert für mich den Wandel, dass wir diese Fichten nicht mehr haben, aber auch gleichzeitig den Blick in die Zukunft, dass wir alles dafür tun, dass auch hier wieder ein Wald stehen wird“, fasst Gros zusammen.

Der Wald als Zukunftsprojekt

Auf der kahl wirkenden Fläche hinter dem Zaun fallen lange, dünne Holzstöcke auf, die im Boden stecken. Diese markieren die Stellen, an denen Eichen, Ahorn oder Elsbeeren angesät wurden. „Mit manchen Baumarten experimentieren wir hier ein bisschen“, lacht Gros. Dafür bekommt das Forstamt Empfehlungen von der Bayerischen Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, die hinsichtlich der klimatischen Veränderungen Feldversuche mit unterschiedlichen Baumarten durchführt.

„Wir müssen mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie“, betont der Förster. Deshalb werden eben keine Fichten mehr gepflanzt, sondern Baumarten, die mit den Klimaveränderungen gut klar kommen. „Das ist unsere Herausforderung für die Zukunft“, ahnt er. „Wir forsten die Flächen auf, aber das kostet Geld.“ Zudem bringen die Pflanzen in den ersten zehn bis 20 Jahren keinen Ertrag und sind dabei noch pflegeintensiv. Doch das sei es wert. „Unser Wald hat eine Zukunft. Aber er wird anders aussehen.“


„Wir müssen mit der Natur arbeiten“

Daniel Gros

Die gefällten Bäume versucht das Forstamt zu verkaufen. Es gebe bestimmte Klassifizierungen, für welche Zwecke das Holz noch verwendet werden könne. Sterbende Buchen werden frühzeitig gefällt, um ein gutes Stammholz zu erhalten. Bäume mit kahlen Kronen lasse man stehen – das Totholz ist Lebensraum für Käfer, Vögel und andere Tiere, die sich im Holz ihre Bruthöhlen bauen.

„Wir geben als Förster die Hoffnung nicht auf“, schließt Gros. In Rothenburg wird die Fichte nur noch ganz selten anzutreffen sein, sagt er. Stattdessen werde vor allem die Eiche eine große Rolle im Wald von morgen spielen, diese komme mit dem zukünftigen Klima gut klar. „Wir wollen einen klimastabilen Wald“, betont der Stadtförster. „Damit Leute sich auch in 100 Jahren noch daran erfreuen können.“


Von Irmeli Pohl
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