Entsteht auf dem Playmobil-Areal bald schon etwas Neues? Im Rathaus ist eine Anfrage für ein Projekt eingegangen, welches nach den Worten von Bürgermeister Rainer Erdel „alles sprengt, was es in den vergangenen 50 bis 60 Jahren hier gegeben hat”.
Begonnen wird das Plan- und Genehmigungsverfahren für die Errichtung eines Rechenzentrums östlich der Neustädter Straße. Der Vorhabenträger plant, dafür das Playmobil-Hochregallager, die Photovoltaikanlage und weitere Bestandteile des Firmenkomplexes zurückzubauen.
„Die nötigen Investitionen liegen im dreistelligen Millionen-Bereich. Deswegen sollten wir die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen“, so Erdel weiter. Die Dimensionen der Anlage bezeichnete er als „gewaltig”. Zu den genauen Maßen konnte er zwar noch nichts sagen. Nach seinen Angaben solle im ersten Schritt jedoch die Fläche der jetzigen Photovoltaikanlage fast komplett überbaut werden. Weitere Elemente sollen folgen.
Insgesamt geht es um drei separate Gebäudekörper und technische Nebenanlagen wie Notstromaggregate und Schornsteine. Außerdem sind Batteriespeicher vorgesehen. Stehen bleiben würde demnach nur der bisherige Playmobil-Industriebereich im Nordosten, angrenzend an den Meisterweg.
Aktuell sei das Verfahren noch ganz am Anfang. Erdel: „Im weiteren Verlauf werden noch vertiefte Untersuchungen zur Genehmigungsfähigkeit erfolgen. Unter anderem werden Immissionsschutz- und Umweltgutachten erstellt werden müssen.“ Es könnten also noch viele Einschränkungen auftauchen, um das Projekt möglicherweise noch zu verhindern.
Hier und jetzt müsse der Marktgemeinderat erst einmal nur darüber befinden, ob er sich das Ganze grundsätzlich vorstellen könne. Zentral sei aus Erdels Sicht die Betrachtung, ob es im Sinne der Gemeinde sei, alternativ jahrelang leere, riesige Fabrikhallen zu riskieren, oder ob es nicht viel sinnvoller sei, eine schnelle Nachnutzung zu finden.
„Ich glaube nicht, dass wir in der Situation sind, das Vorhaben in Frage zu stellen. Die Zeiten, in denen wir uns in Dietenhofen oder sonst irgendwo in Deutschland die Rosinen rauspicken können, sind vorbei.“ Wenn Bauherr und Grundstückseigentümer sich einig seien, sollte die Gemeinde dem nichts in den Weg legen.
Gespräche über die mögliche Realisierung habe die Verwaltung bereits seit einem halben Jahr geführt, so Erdel weiter. „Ausschlaggebend für das Interesse der Firma waren zum einen das Bestehen eines Bebauungsplans und der PV-Anlage sowie die Tatsache, dass Playmobil den Standort bereits vor 30 Jahren auf eigene Rechnung ans weltweite Glasfasernetz angeschlossen hat.“ Auch die nahen 110- und 220-kV-Hochspannungstrassen hätten dafür gesprochen.
Beinahe zeitgleich mit der Verlautbarung der Playmobil-Firmenführung, das Werk im Ort zu schließen, sei der Antrag auf Vorbescheid für das Rechenzentrum eingegangen. Dieser enthält bereits verschiedene Abweichungen vom geltenden Bebauungsplan – unter anderem bei den Baugrenzen und Gebäudehöhen. Das, was die Anwohnerinnen und Anwohner bis jetzt gewohnt seien, werde jedoch nicht überschritten, teilweise eher das Gegenteil. „Das jetzige Hochregallager ist höher“, sagte Erdel.
Das Gremium erteilte sein Einvernehmen mit einer Gegenstimme, allerdings nicht ohne eine zwar kurze, aber engagierte Diskussion. Für sofortigen Widerspruch von allen Seiten sorgte vor allem die Wortmeldung von Hans Pfeiffer (Parteilose Wählergemeinschaft/PWG). „Es gibt viele Leute, die der Meinung sind, dass man ein solches Rechenzentrum nicht in der Nähe von Wohnbebauung errichten sollte“, bezog Pfeiffer Position. Auch der hohe Verbrauch von Kühlwasser sei für ihn ein Aspekt, der dagegenspreche. „Wenngleich damit wahrscheinlich Gewerbesteuereinnahmen verbunden sind, kann ich dem daher nicht zustimmen.“
Diese Ansicht stellte sich allerdings sogleich als Einzelmeinung heraus. „Ich finde auch, wir sollten die Chance nutzen“, sagte Wolfgang Burgis (ebenfalls PWG). Es sei schlimm genug, dass das Kapitel Playmobil ende. Große Rechenzentren würden immer mehr benötigt, die Technologie sei zukunftsweisend. „Mögliche negative Auswirkungen einer solchen Anlage werden im folgenden Bauantragsverfahren gründlich geprüft.“
Groß dimensioniertes Gewerbe sei man außerdem gewöhnt in Dietenhofen, so auch Martin Zwingel (PWG): „Es ist jetzt ein Industriegebiet und es bleibt ein Industriegebiet.“ „Die Alternative ist, es steht ewig leer“, sagte Jürgen Rudolph (Wählergruppe Ortsteile/WGO) und schob hinterher, dass man sicherlich nicht gerade viele bessere Angebote erhalten werde.
Das Einvernehmen zum Antrag auf Vorbescheid wurde daraufhin bei einer Gegenstimme erteilt. Tiefergehende Prüfungen durch das Landratsamt folgen.