Mit der offiziellen Einweihung des neuen Gesundheitszentrums hat die kleine Gemeinde einen großen Schritt in die Zukunft gemacht. Allgemein- und Kindermediziner sowie ein Zahnarzt haben in dem Gebäude am Gewerbering 14 ihre Praxen eröffnet. Was daran besonders ist? Eine Menge.
Die Berichte über den allgemeinen Ärztemangel in Deutschland und die entsprechende Unterversorgung der Bevölkerung am Land kann Bürgermeister Gerhard Kraft nun deutlich entspannter verfolgen – in „seiner“ Gemeinde stellt sich die Situation künftig wesentlich besser dar als in vielen anderen Kommunen. Mit dem Bau des aus der Gemeindekasse finanzierten Gesundheitszentrums haben sie in Weihenzell eine Art Win-win-Situation geschaffen. Aber der Reihe nach.
Rund 2,5 Millionen Euro hat der Bau am Gewerbering 14 gekostet. Finanziert wurde das aus den angesparten Rücklagen der Gemeinde, die damit quasi in Vorleistung gegangen ist. Denn die Räumlichkeiten im dreistöckigen Gesundheitszentrum sind – bis auf einen Bereich, in dem noch eine Apotheke Platz finden könnte – allesamt langfristig an die jeweiligen Mediziner vermietet.
„In 25 Jahren“, so laut Kraft der Plan der Verantwortlichen der Gemeinde, „ist die Immobilie dann über die Mieteinnahmen abbezahlt.“ Und zumindest solange sollte die medizinische Grundversorgung der Weihenzeller und der Bevölkerung aus den umliegenden Gemeinden damit sichergestellt sein. „Wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen“, beschreibt Kraft das Zusammenspiel zwischen Gemeinde und Medizinern. Den Innenausbau haben die Ärzte auch über verschiedene Fördertöpfe jeweils selbst übernommen.
Ob Weihenzell damit eine Vorreiterrolle inne hat und andere Gemeinden sich ein Beispiel nehmen? Das liegt wohl zur Hauptsache an den finanziellen Rücklagen, lässt der Bürgermeister durchblicken. In Weihenzell funktionierte das – auch mit dem Blick für die Zukunft und die Ansiedlung weiterer Menschen, meint Gerhard Kraft: „Dieser Standortfaktor ist sehr positiv für unsere Gemeinde. Ich habe auch nur positive Rückmeldungen bekommen.“
Viele Freunde, Kollegen, aber auch etliche neugierige Weihenzeller sind zur Eröffnungsfeier am Wochenende gekommen. Die Stimmung ist ausgelassen, viele Kinder huschen durch die hell gestalteten Räume, in denen die Allgemein- und Kindermediziner Gertrude Abayie und ihr Mann Akwasi ab sofort Patienten betreuen. „Wir fühlen uns von der ganzen Gemeinde toll unterstützt und wurden mit offenen Armen empfangen“, schildert Gertrude Abayie ihre ersten Eindrücke.
Sie verweist darauf, dass sich bei der Entstehung des Hauses „viele Nachbarn einbringen“ konnten: Architekt, Handwerker, Baufirmen, allesamt aus dem Ort oder der Gemeinde, auch der Bauhof werkelte bei der Gestaltung der Außenanlagen mit. So etwas fördert Akzeptanz. Auch in der Bevölkerung. Wobei die politische Dimension des Projektes an dem Tag kein Thema ist.
Derweil generiert eine PV-Anlage am Dach Strom, eine Zisterne im Untergrund sammelt Regenwasser. Für die Zahnarztpraxis wurde eine Entkalkungsanlage installiert. Parken können Patienten direkt vor der Tür. Der Bürgermeister strahlt – was er nicht sagt, aber sagen könnte: Es wurde an alles gedacht im Ärztehaus. Zudem gibt es wohl nicht viele Wartezimmer in Deutschland, von denen man auf Wälder und Wiesen in einer leicht hügelige Landschaft blickt. „Das ist fast wie im Urlaub hier“, sagt das aus Ghana stammende Ehepaar Abayie, das im Erdgeschoss die Praxisgemeinschaft „Life Time-Medics“ führt.
Auch den Kollegen ein Stockwerk höher sagt das zu. Manuela und David Müller haben sich in ihrem Wohnort mit einem Ableger ihrer Ansbacher Praxis vergrößert: In Weihenzell bieten sie seit 2. Januar Kinder- und Jugendzahnmedizin mit Kieferorthopädie an. Vom Konzept des Ärztehauses sind auch sie überzeugt: „So etwas hat Zukunft.“