Er ist, so bekannte Karl von Schwarzenberg, inzwischen nur noch selten an seinem Stammsitz. Umso herzlicher wurde der Fürst, der mit seinen 85 Jahren inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen ist, von der Schülerschaft mit Applaus beim freitäglichen Hofsingen willkommen geheißen.
„Es freut mich, dass die Schule so gedeiht“, sagte Schwarzenberg und fasste sich ansonsten kurz. Denn er wolle nicht schuld sein, wenn sich die Schüler verkühlen, sagte er ein wenig augenzwinkernd zur Erheiterung aller. Der Anlass für den Besuch des Hausherrn war hingegen ein ernsthafter: ein Treffen des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums.
Dieses Forum, dass sich 1997 – ein paar Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – gegründet hat, widmet sich dem Dialog zwischen Deutschen und Tschechen. Die aktuellen Vorsitzenden sind der deutsche CSU-Politiker Christian Schmidt und der tschechische Sozialdemokrat Libor Rouček. Schmidt war unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister und ist seit über anderthalb Jahren Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina. Rouček ist Europaabgeordneter und war eine Zeitlang Vizepräsident des Europäischen Parlaments.
Etwa alle halbe Jahre kommt das Forum, dem laut Schmidt je 14 Personen von beiden Seiten angehören, an wechselnden Orten zusammen. Anfänglich ging es dabei viel um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in dem von Deutschland überfallenen Land beziehungsweise um die dafür geforderten Entschädigungen. Ein Themenbereich, der aber inzwischen aufgearbeitet ist, wie Schmidt unserer Redaktion erläuterte.
An Gesprächsstoff mangle es allerdings nicht. Das reicht laut Schmidt von den chinesischen Interessen in der Weltpolitik bis hin zur Frage, warum in Schwandorf der Zug für die eigentlich nicht mehr üblichen Grenzkontrollen so lange halten muss.
In Schloss Schwarzenberg wurde in zweitägigen Beratungen die Jahrestagung des Forums vorbereitet, die in Prag stattfinden wird. Besprochen wurde unter anderem, wie es von tschechischer Seite hieß, die drohende Abschaffung einer zweiten Fremdsprache im tschechischen Schulunterricht (die erste Fremdsprache ist in Tschechien Englisch, die zweite für viele Deutsch). Das Gesprächsforum sieht durch die Regierungsüberlegungen eine Gefahr für den europäischen Gedanken und für die deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen. Das Wort des Forums werde bei den beiden Regierungen gehört, versicherte Schmidt auf Nachfrage unserer Redaktion.
Es „geht in Europa darum, dass die Menschen miteinander auskommen“, legte Schmidt den Schülerinnen und Schülern ans Herz, und dass man sich der gemeinsamen mitteleuropäischen Kultur bewusst sei. Und Rouček appellierte, man möge „nicht nur in Frieden, sondern zusammen leben“.
Die Schülerschaft dankte es mit der beim Hofsingen der Schlossschulen üblichen Schwarzenberg-Hymne.