Geometrie trifft Landschaftsbild: Martin Meiswinkel stellt in Hilsbach aus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.10.2025 11:00

Geometrie trifft Landschaftsbild: Martin Meiswinkel stellt in Hilsbach aus

Mesata, Malerei und Objektkunst von Martin Meiswinkel, im Vordergrund das Objekt „Acker, winterlich” (Foto: Martina Kramer)
Mesata, Malerei und Objektkunst von Martin Meiswinkel, im Vordergrund das Objekt „Acker, winterlich” (Foto: Martina Kramer)
Mesata, Malerei und Objektkunst von Martin Meiswinkel, im Vordergrund das Objekt „Acker, winterlich” (Foto: Martina Kramer)

„Meseta“ nennt der Bonner Künstler Martin Meiswinkel seine jüngste Ausstellung, die er extra für die Hilsbacher Kunsthalle konzipiert hat. Malerei und Objektkunst stehen in beziehungsreicher Konstellation, die noch an den zwei kommenden Wochenenden zu sehen ist.

Das spanische Wort „Meseta“ bezeichnet eine Landschaftsform: die Hochebene. Die gibt es natürlich nicht nur in Spanien, sondern auch ganz in der Nähe, zum Beispiel im Osten der Schwäbischen Alb zwischen Aalen und Bopfingen: das Härtsfeld.

Das Härtsfeld wird Kunst

Diese Gegend hat es dem in Tübingen geborenen Künstler Martin Meiswinkel angetan. Als großformatige Winterlandschaft prangt dieses Gemälde im Zentrum des Ausstellungsraumes. Im Vordergrund eine Objekt-Installation. Beide Kunstwerke wirken so, als stünden sie in direktem Bezug zueinander.

Das von strengen, geometrischen Formen beherrschte Bild mit seiner zurückhaltenden, kühlen Kolorierung – ein Gemisch aus Öl und Acryl – erscheint wie die zweidimensionale Übersicht, aus der ein dreidimensionales Detail herausgenommen wurde, das sich vor dem Gemälde auf dem Boden ausbreitet. Es konstituiert sich als Anordnung dreiecksförmiger Quader, die in ihrer Formation an vom Pflug aufgeworfene Erdklumpen erinnert. „Acker, winterlich“ heißt dieses Objekt, womit sich die weiße Farbe erklärt. Unterschiedliche dunkle Einschlüsse erinnern an Erde, die unter dem Schneemantel hervorlugen.

Gegossen sind diese so unterschiedlich aussehenden Gipsstücke in einer einzigen flexiblen Form. Dass sie so heterogen aussehen, erklärt sich durch den Entnahmeprozess, dessen Zeitpunkt variabel ist. Dabei ist es Meiswinkel wichtig, dass aus einem perfekten, seriell gefertigten Objekt etwas durch seine leichten Beschädigungen Einzigartiges wird.

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Ungewöhnliche Landschaftsdarstellungen

Dem gleichen Prinzip folgt seine Malerei. Ungewöhnlich für Landschaftsdarstellungen ist zunächst die bildbeherrschende Geometrie. Bis auf ein paar Unebenheiten, die sich bei näherer Betrachtung zeigen. So hat Meiswinkel etwa die Grenzlinien seines dreiteiligen Bildes „Härtsfeld III“ nicht retuschiert, obwohl es sich dabei definitiv nicht um ein Triptychon handelt.

Arbeitsspuren im Kunstwerk zu hinterlassen, gehört zum Konzept der Sichtbarmachung des Entstehungsprozesses. Dies gilt auch für die Malerei an sich: Ein nicht ganz reines Weiß erinnert an natürlichen Schnee, zarte Nebelschleier überziehen den stilisierten Waldgürtel, dezente Lichteffekte verleihen der statischen wirkenden Landschaft einen Hauch von Lebendigkeit. Ähnlich wie die Jahreszeit es suggeriert, dass unter all der eingeschlafenen Starre das Leben dennoch weitergeht.

Die Ausstellung in Hilsbach überrascht durch eine großzügige Hängung, in der die wenigen Exponate ihre Wirkung umso effektvoller entfalten können. Gerade einmal vier Arbeiten sind es im großen Saal, davon drei Gemälde. Zwei davon sind zwar kleiner, folgen aber demselben Prinzip wie das große Zentralbild. Streng in der Konzeption mit zurückhaltender Farbgebung überraschen sie doch: Sie laden ein, ihr geometrisches Labyrinth zu erforschen und zu entschlüsseln.

Raumgreifend rote Plastik

Im Erdgeschoss harren drei weitere Gemälde der Entdeckung. Und eine überraschend raumgreifende, rote Plastik, die „Mariage souabe-japonais“. Diese japanisch-schwäbische Vermählung fächert sich fast explosiv vor dem Betrachter auf. Sie formuliert einen Gegensatz zur ruhig kontemplativen Malerei, wirkt kompakt und wuchtig, obwohl sie nur aus Kiefernholz und Japanpapier gefertigt ist. Durch ihre Bemalung mit Spann- und Öllack hat sie eine sehr kompakte Haut bekommen.

Martin Meiswinkel, der an der Kunstakademie in Münster und am Chelsea College in London studiert hat, ist ein Künstler, der sich gerne entdecken lässt und wie ein raffinierter Schriftsteller zwischen den Zeilen spricht.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Hilsbach 4 - 5 ist noch am 26. Oktober und 2. November von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung zu sehen.


Von MARTINA KRAMER
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