Die Zahl der Menschen, die weder der evangelischen noch der katholischen Kirche angehören, steigt. Immer weniger Kinder werden getauft. Im Religionsunterricht wird dieser Trend sichtbar. Nicht in jeder Jahrgangsstufe kann eine eigene konfessionelle Religionsgruppe entstehen. Schon seit einigen Jahren gibt es im Landkreis die Modell-Projekte „Rumek“ und „Koruk“.
Die Abkürzungen stehen für Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation (Rumek) und konfessioneller Religionsunterricht kooperativ (Koruk). Beides sei zwischen der katholischen und der evangelische Kirche sowie dem Kultusministerium vereinbart worden, erklärt Thomas Ermann, Leiter des evangelischen Schulreferats der Dekanate Bad Windsheim, Markt Einersheim, Neustadt und Uffenheim.
Auch Schulrätin Brigitte Limbacher kennt die Tendenz, dass immer mehr Kinder Ethik statt Religion besuchen, darunter sind viele muslimische Mädchen und Jungen. „Es gibt auch bei uns schon Schulen, in denen mehr Ethik als Religion unterrichtet wird.
Hinzu komme, dass die Zahl der Lehrkräfte, die Reli geben, sowohl von staatlicher als von kirchlicher Seite abnimmt. Rumek bildet in Bayern eher noch eine Ausnahme. Wenn eine Konfession in einer Klasse so schwach vertreten war, dass es unmöglich war, sie allein zu unterrichten, wurden die Kinder in jahrgangsübergreifenden Gruppen von der Jahrgangsstufe eins bis vier unterrichtet, so Ermann.
An manchen Schulen ist jedoch selbst dies kaum zu realisieren. Sind alle Optionen, konfessionellen Unterricht anzubieten, ausgeschöpft, ist Rumek möglich – allerdings müssen, so Ermann und Limbacher, alle Beteiligten wie Eltern, Lehrkräfte, Schulleitung und Kirchen zustimmen. Hinzu kommt, dass es jedes Jahr neu beantragt werden muss. Koruk ist ab dem Schuljahr 2024/25 ebenfalls möglich.
Was ist der Unterschied zwischen beiden Modellen? Rumek bezieht sich auf die Grund- und Mittelschulen. Dort unterrichtet die Lehrkraft der Mehrheitskonfession die Schüler der Minderheitenkonfession in, wie es heißt, konfessionssensibler Weise. Koruk bezieht sich laut Ermann nur auf die Jahrgangsstufen eins und zwei. Dort kann jedoch die Lehrkraft der Minderheitenkonfession die Klasse ebenfalls unterrichten.
Vorteil bei beiden Modellen: Die Klassengemeinschaften bleiben und die Kinder können gemeinsam unterrichtet werden. Da der Unterricht so auch schulorganisatorisch leichter zu planen ist, seien viele Schulleitungen von dieser Option angetan, sagt Ermann. „Die evangelischen Lehrkräfte sehen es überwiegend positiv, auch wenn auf sie manches Mal durch die größeren Klassen Mehrarbeit zukommt.“
Die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche wertet Ermann als sehr gut, „auch wenn ich bedauere, dass die katholische Kirche in unserem Raum keine Expertin stellen kann, die den Unterricht zeitweise übernehmen würde“. Das sei der ursprüngliche Plan von Rumek gewesen, aber in der Realität lasse sich dies nicht umsetzen.
Eva Stengl betont, dass sie als Fachreferentin für katholische Religion für mögliche Fragen und Thematiken, wenn diese auftauchen, zur Verfügung steht. Dazu hat sie bereits Fort- und Weiterbildungen initiiert.
Eine der Schulen, in der nach dem Rumek-Modell unterrichtet wird, ist die Neustädter Comeniusgrundschule. Dort sind Pfarrerin Christine Schäfer und die evangelische Religionspädagogin Carolina Krug in das Projekt eingebunden.
An dieser Lehreinrichtung hätte man die Jahrgangsstufen eins bis vier im Fach katholische Religion zusammenfassen müssen, was logistisch kaum zu bewältigen gewesen wäre. „Alle hätten zur selben Zeit das Fach haben müssen.“ Dies ergebe, so Stengl, wenig Sinn – auch aus pädagogischer Sicht. In den jeweils zwei dritten und vierten Klassen hätte man, so erläutert Schulleiterin Marion Leupold, insgesamt nur zehn Kinder gehabt.
In der ersten und zweiten Jahrgangsstufe sind der evangelische und katholische Lehrplan nahezu gleich, erklären Schäfer und Krug. Es wird konfessionsübergreifend unterrichtet. Die Lehrkraft versuche, beide Seiten zu berücksichtigen. Sie unterrichte von ihrer Prägung (evangelisch oder katholisch) her, aber in konfessionssensibler Weise, um der Heterogenität der Schülerschaft gerecht zu werden und alle im Blick zu haben, unterstreicht Stengl.
Man arbeite die Unterschiede heraus – ohne zu werten. „Wir pflegen die Ökumene, haben christliche Werte“, resümieren die evangelischen Theologinnen. Als großes Plus dieses Faches wertet Stengl die große Methodenvielfalt – musisch, kreativ und gestalterisch habe man viel Freiraum. Nachdem sich das Ganze für die Jahrgangsstufen eins/zwei bewährt habe, denke man auch für drei/vier daran. „Das Ganze ist kein Sparmodell“, unterstreichen Schäfer und Krug.
Reli-Unterricht sei ein Ort, wo man Religion neu entdecken könne und viele Fragen des Lebens besprochen werden. „Das ist für die Kinder spannend.“ Dort würde etwa auch erörtert, wie man mit Fragen der Schuld oder dem Thema Tod umgeht, wo sich die Religionen unterscheiden, wie Leben in einer Gemeinschaft stattfindet. Es würden, so Stengl, viele existenzielle Erfahrungen gemacht, geschehe Persönlichkeitsbildung.
Im Gespräch mit unserer Zeitung hebt sie hervor, dass man in der Schule alle vier Modi – Naturwissenschaften, Recht/Politik, Kunst/Kultur und Religion/Philosophie brauche, um Kinder fit zu machen, in der Welt zurechtzukommen.
Wichtig sei der Austausch der Kollegen untereinander, im Gespräch zu bleiben und Weiterbildungen zu machen. In der Ausbildung ändert sich langsam etwas, betont Stengl, gerade mit Blick auf das gemeinsame Unterrichten. Beim Fach Religion schaffe der Staat den rechtlichen Rahmen und die Kirche die Inhalte. „Religion ist ein ordentliches Lehrfach, Ethik ein Ersatzfach, eine Alternative, wenn ich nicht an Religion teilnehme.“
Und wie sehen die Eltern etwa Rumek? Ab und zu gebe es schon mal Vorbehalte, die man jedoch im Gespräch ausräumen könne. Die Mehrheit ist dafür. Beim Religionsunterricht – egal in welcher Form – stehe die christliche Werteerziehung immer im Vordergrund, die eigene konfessionelle Prägung findet dabei immer Beachtung.