Gemeinsamkeiten entdecken beim christlich-muslimischen Dialog in Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.11.2025 11:00

Gemeinsamkeiten entdecken beim christlich-muslimischen Dialog in Rothenburg

In St. Jakob erklärt Dr. Oliver Gußmann (mit grünem Schal) nicht nur die christlichen Glaubensgrundsätze, sondern erzählt auch über die Entstehungsgeschichte der Kirche. (Foto: Simone Hedler)
In St. Jakob erklärt Dr. Oliver Gußmann (mit grünem Schal) nicht nur die christlichen Glaubensgrundsätze, sondern erzählt auch über die Entstehungsgeschichte der Kirche. (Foto: Simone Hedler)
In St. Jakob erklärt Dr. Oliver Gußmann (mit grünem Schal) nicht nur die christlichen Glaubensgrundsätze, sondern erzählt auch über die Entstehungsgeschichte der Kirche. (Foto: Simone Hedler)

Ein Buch im Zentrum des Glaubens, die jungfräuliche Empfängnis Jesu oder auch festgelegte Fastenzeiten: Zwischen dem muslimischen und dem christlichen Glauben gibt es bei allen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten. Diese zu entdecken war Ziel eines christlich-muslimischen Dialogs.

Die Touristenseelsorge St. Jakob hat ihn in Kooperation mit dem Migrationsbeirat der Stadt initiiert und organisiert. Warum er so wichtig ist? „Wir müssen Orte finden, um ins Gespräch zu kommen und uns dabei ein wenig kennenzulernen”, sagt Pfarrer Dr. Oliver Gußmann. Dass der Veranstaltungstag mit dem „Internationalen Tag der Toleranz” zusammenfällt, findet Seçil Herrscher, Vorsitzende des Migrationsbeirates, sehr passend. Denn keiner solle wegen Unterschiede verurteilt werden.

Information statt Missionierung

Kein missionarischer Charakter steht hinter dem Zusammentreffen, sondern Information für Menschen, die für die Vielfalt der Religionen offen sind und sie schätzen. Rund 60 Angehörige unterschiedlicher Glaubensrichtungen sind der Einladung gefolgt und stehen nun vor der ersten Station des Treffens: der St.-Jakobs-Kirche.

Dort erklärt Gußmann die Grundlagen des christlichen Glaubens – oft mit dem direkten Vergleich zum Islam. Wann betet man? Nicht fünfmal am Tag, wie die Muslime, sondern individuell, oft auch nur für sich. Am Zwölf-Boten-Altar weist er auf zwei Gemälde von Friedrich Herlin hin: die Geburt und die Beschneidung von Jesus. „Bei beiden Religionen ist Jesus von Gott gesandt”, so Gußmann. „Das ist die Gemeinsamkeit, die Unterschiede liegen dann im Detail.”

Viele Fragen kommen von den Zuhörerinnen und Zuhörern, so dass sich schnell ein Dialog entspinnt: Wie steht es in den Religionen um die Beschneidung? Wann erhält ein Kind seinen Namen? Wie streng wird die Jungfrauengeburt gesehen?

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Eine kleine Pilgerreise

Danach geht es weiter zur Moschee in der Johannitergasse – eine kleine Pilgerreise soll es Gußmann zufolge sein. Dafür schlägt er vor: Immer zwei Teilnehmende unterschiedlicher Religionszugehörigkeit tauschen sich unterwegs über ein wichtiges Fest aus – das Opferfest im Islam und das Weihnachtsfest im Christentum beispielsweise. „Wichtig ist dabei: Wie feiert man ganz persönlich dieses Fest.”

Und so führt sich der Dialog auf dem Weg quer durch die Altstadt fort. Ein muslimischer Besucher erzählt, dass beim Opferfest ein Tier geschlachtet, und das Fleisch in drei Teile geteilt wird: eines für die Familie, eines für Verwandte und ein Teil wird an Arme und Bedürftige verschenkt. Die Feierlichkeiten dauern mehrere Tage, man trifft sich mit der Familie und isst gemeinsam – ein bisschen wie die Christen an Weihnachten, stellt er fest.

An der Moschee angekommen, wird die Gruppe vom Imam der Gemeinde empfangen: Mohammed Emin. Vor einem Jahr ist er aus der Türkei nach Rothenburg gekommen, vier weitere Jahre wird er hier noch bleiben. Ensar-Berkay Taner übersetzt seine Worte.

Er lädt die Gäste ein, am Nachmittagsgebet teilzunehmen, um dessen Ablauf kennenzulernen. Ziel sei aber nicht nur zu sehen, wie die Moschee aussieht, sondern vor allem ein Diskurs, um sich gegenseitig besser zu verstehen. „Wir wollen eine Brücke zwischen den Herzen bauen.”

Was bedeuten die Gesten im Gebet?

100 Mitglieder hat die türkisch-islamische Gemeinde in Rothenburg, sie haben die Moschee mit viel ehrenamtlicher Arbeit renoviert. Alle Gäste – auch die Frauen dürfen dabei sein – ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie den Gebetsraum betreten. Im Anschluss an das Gebet beantwortet der Imam – so wie Gußmann in St. Jakob – Fragen. Zum Beispiel geht es um verschiedene Gesten im Gebet, etwa dass die Handflächen nach oben gebracht werden. „Dadurch befreien wir uns vom Weltlichen.” Und er betont: „Was Allah befiehlt, machen wir.”

Am Ende sind alle eingeladen zu einem kleinen Imbiss und schwarzem Tee. Manches wird im Gespräch noch erklärt und verglichen. So sind am Ende viele Fragen beantwortet – und immer noch viele offen. Grund genug, die Begegnungsreihe fortzusetzen.

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