„Niemand muss sich verstecken“, sagt Doris Last, Quartiersmanagerin in Wilhermsdorf. Doch gerade das ist oft der Fall, weiß sie aus Erfahrung. Menschen mit Demenz, aber auch ihre Angehörigen ziehen sich oft zurück, Erkrankte häufig aus Angst, negativ aufzufallen. Mit dem Demenz-Café will man beide Gruppen ansprechen.
Sie sollen bei dem von der Arbeitsgemeinschaft Demenz-Brücke initiierten Angebot in geselliger Runde bei Kaffee, Tee und Kuchen Erfahrungen austauschen, entspannen und einfach mal wieder herauskommen, etwas anderes sehen. Die Demenz-Brücke, im Juni 2023 gegründet, ist eine kommunenübergreifende Arbeitsgruppe. Sie möchte dazu beitragen, Barrieren, Vorurteile und Unsicherheiten abzubauen.
Damit verbunden ist das Ziel, soziales Miteinander zu ermöglichen und zu erhalten. Mit im Boot sind Haupt- und Ehrenamtliche aus Neuhof, Markt Erlbach, Wilhermsdorf und Langenzenn. Jeweils am ersten Donnerstag des Monats finden die Treffen abwechselnd in einer der vier Kommunen statt. Zuletzt war man in Neuhof, wo man sich in der Alten Schule traf.
Doris Last, Kerstin Müller (Quartiersmanagerin in Neuhof), Heidemarie Reuther (Demenzfreundliche Kommune Langenzenn), Gertrud Keimel ebenfalls aus Langenzenn, und Helmut Tichy, Vorsitzender des Seniorenbeirats Wilhermsdorf, freuten sich, dass wieder so viele Interessierte gekommen waren. Einige sind schon von Anfang an dabei. Weitere sind immer willkommen, sie müssen nicht zwangsweise aus einer der vier Gemeinden kommen, die zur Demenz-Brücke gehören. Dem Team ist daran gelegen, Vereinsamung vorzubeugen. Diese nimmt bei etlichen gerade dann zu, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist, ein eigenständiges Leben für Betroffene kaum oder gar nicht mehr möglich ist.
Beim Treffen soll es auch gar nicht nur um die Krankheit gehen, sagt Doris Last. „Es wird vielmehr über Gott und die Welt geredet. Wir geben kein Thema vor.“ Das Team der Demenz-Bücke mischt sich unter die Besucherinnen und Besucher, fungiert als Ansprechpartner, beantwortet bei Bedarf Fragen und hat immer Flyer im Gepäck. Als großes Plus bezeichnet es Helmut Tichy, Vorsitzender des Wilhermsdorfer Seniorenbeirats, dass das Angebot so niederschwellig ist und alle einen schönen Nachmittag verleben können – „ohne Angst, negativ aufzufallen.“ Wichtig ist ihnen allen, klar zu machen, dass jede und jeder an Demenz erkranken kann, stellte das Demenz-Brücken- Team fest.
Bei einem der Teilnehmer ist seine Mutter betroffen, die inzwischen in einem Seniorenheim lebt. Er selbst hatte einen Kurs für pflegende Angehörige besucht, der ihm viel brachte. Für ihn ist das Demenz-Café eine gute Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen, deren Angehörige ebenfalls an Demenz erkrankt sind. „Erfahrungen mit anderen zu teilen, macht es einfacher.“ Ihn überrascht es zu hören, dass sich manche nicht trauen, zu sagen, dass sie selbst oder Angehörige betroffen sind. „Man darf sich nicht daheim verkriechen“, rät er allen.
Vor rund fünf Jahren wurde bei seiner Frau Demenz festgestellt, erzählt ein anderer Besucher. Zu schaffen machte ihm die zunehmende Aggressivität seiner Gattin, die nun seit drei Jahre im Heim lebt, zuvor hatte ihr inzwischen 82-jähriger Gatte sie gepflegt. Der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus sorgte bei ihm für unzählige schlaflose Nächte. Er stellte fest, dass sich Nachbarn nach Bekanntwerden der Demenz zurückzogen.
Ganz anders erlebte es eine andere Teilnehmerin, die mit ihrem dementen Mann gekommen ist. Nachbarn bieten immer wieder ihre Hilfe an, mit ihrem Umfeld kann sie offen über die Krankheit ihres Mannes reden. Das erleichtert. Sie musste sich aber in ganz neue Aufgaben einfinden. Ihr Gatte hatte sich um alles gekümmert. „Nun stand ich auf einmal da und musste alles selbst machen.“ Gertrud Keimel vom Team kann sich noch gut an einen Demenzfall in der Familie erinnern – 20 Jahre ist das nun schon her. „Damals war es noch ein Tabu-Thema. Inzwischen hat sich hier viel getan,“ resümiert sie. Wenn man Kommunikationen pflege, entstehe viel Neues.
In der Regel kommen zwölf bis 16 Leute zu den Treffen. „Viel hängt vom Befinden der Betroffenen ab.“ Wer nicht selbst zur Veranstaltung zu fahren vermag, kann auf eine Mitfahrgelegenheit zurückgreifen Wie sich das Café weiterentwickelt, ob man etwa auch Vorträge oder Gedächtnistraining anbieten, wird sich zeigen. „Wir sind für alles offen.“