Es sollte ein unbeschwertes Musik-Festival im Kleinformat werden. Das Comeback des Ansbach Open nach vierjähriger Pause geriet dann aber aus Sicht der veranstaltenden Kammerspiele zu einem Wechselbad der Gefühle. Zudem droht dem rührigen Verein nicht nur wegen der kurzfristigen Absage von Lena ein finanzielles Nachspiel.
2019 hatten die Ansbach Open letztmals stattgefunden, damals noch unter der Regie der Stadt. Bei der Neuauflage waren nun die Kammerspiele federführend in der Organisation, mit ihren ehrenamtlichen Helfern stemmten sie die Umsetzung bei dem ersten Gastspiel auf dem Campusgelände der Hochschule tatsächlich bravourös.
So war beispielsweise die Bestuhlung für den Auftritt von Kabarettistin Martina Schwarzmann in der Nacht zum Freitag bis in die Morgenstunden umgesetzt worden. Involviert war von musikalischer Seite auch das Concertbüro Franken. Die Bilanz der Zusammenarbeit fiel positiv aus, alle Seiten beteuerten, wie gut und reibungslos doch die Abläufe funktioniert hätten.
„Wir können nicht jedes Jahr draufzahlen.”
Tatsächlich funktionierte die Logistik mit dem Aufbau der Bühne, den Essensständen und der Getränkeausgabe. Auch die Besucherführung gelang, lediglich am Freitagabend gab es längere Schlangen an der einzigen Getränkeverkaufsstelle. „Es war sehr gelungen, wir sind sehr zufrieden“, bilanzierte Anna Schuster von den Kammerspielen.
Allerdings stellte die Organisation den emsigen Kulturverein schon vor größere Herausforderungen, zumal der zeitliche Vorlauf nicht gerade üppig war, wie der langjährige Vorsitzende Wolfgang Bartusch schon zu Beginn des dreitägigen Festivals am Freitagabend offen zugab. „Das war ein Kraftakt, wir sind an unsere Grenzen gestoßen.“
Diese Einschätzung bezog sich zu dem Zeitpunkt durchaus auch auf die finanziellen Aspekte des überregional wahrgenommenen Events. „Wir können nicht jedes Jahr draufzahlen“, sagte Bartusch klar und deutlich. Der Auftakt mit 2050 Zuschauern war zwar restlos ausverkauft, doch der Ticketabsatz für Clueso am Samstag geriet schleppend.
„Das ist der mit Abstand teuerste Act“, erklärte Bartusch. Zudem ließen sich Künstler derartiger Kategorie nur zu einem Festpreis engagieren. Das Risiko trügen in dem Fall die Kammerspiele, sah sich Bartusch zunächst einem satten sechsstelligen Defizit gegenüber.
Ein Horror, auch wenn die Stadt zugesichert hatte, ein Minus von bis zu 100.000 Euro in einem Zeitraum von zwei Jahren auszugleichen, sollte das Musikfest ein Defizit erwirtschaften. Immerhin wurden noch ein paar hundert Karten für Clueso an der Abendkasse verkauft, sodass sich das Minus mit rund 2000 Fans am Samstag nicht ganz so erheblich wie ursprünglich befürchtet ausnehmen dürfte.
Genaue Zahlen stehen noch aus, die Nachkalkulation konnte noch nicht erfolgen, wie Schuster bestätigte – zumal sich durch die kurzfristige Absage von ESC-Gewinnerin Lena nur wenige Stunden vor Konzertbeginn am Sonntagnachmittag plötzlich eine weitere Baustelle auftat.
Bereits angereiste Besucher wurden zwar über einen Post auf Facebook und von Helfern der Kammer vor Ort in der Warteschlange informiert – unklar ist, ob und wie viele Nachforderungen von enttäuschten Lena-Fans nun bei den Kammerspielen als Veranstalter eintrudeln. Statt des geplanten Doppelkonzerts sorgte Leony am Sonntag im Alleingang für Stimmung.
Entsprechend ist zu klären, inwieweit eine Versicherung in diesem Fall einspringt. „Das kann auch erst in drei, vier Monaten klar sein“, stellte Schuster fest. Ein Minus im mittleren fünfstelligen Bereich ist – Stand heute – allemal zu befürchten.
Klar ist aus Sicht des Kammerspiele-Vorsitzenden aber schon, dass die Ansbach Open erst wieder 2026 stattfinden werden. „Alle zwei Jahre reicht“, findet Bartusch. Selbst wenn die „erheblichen Kosten“ für eine Machbarkeitsstudie und das Sicherheitskonzept am neuen Spielort dann nicht mehr anfallen, sei so ein Kraftakt nicht jedes Jahr wiederholbar. „Warten wir ab, was die genaue Abrechnung erbringt“, meinte Oberbürgermeister Thomas Deffner: „Ich kann mir einen Zwei-Jahres-Rhythmus gut vorstellen.“
Negatives kann Michael Lang, Pressesprecher der Hochschule Ansbach, auf Nachfrage nicht berichten. Die Premiere des Ansbach Open auf dem Campus war nach seinen Worten sehr positiv. Mit dem Kammerspiele-Verein habe man einen sehr angenehmen Partner gehabt, „mit dem es eine schöne Zusammenarbeit gegeben hat“. Das ist Lang zufolge nicht selbstverständlich. „Wir mussten uns erst kennenlernen.“
Sein Eindruck ist, dass der Campus, den er als sehr schöne Veranstaltungsfläche bezeichnet, „bei den Besuchern des Festivals sehr gut angekommen ist“. Der Pressesprecher war Freitag und Samstag vor Ort, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. „Es lief alles ganz angenehm ab.“ Ohne den Entscheidungsträgern der Hochschule vorweggreifen zu wollen, kann sich Lang eine Wiederholung des Festivals auf dem Campus gut vorstellen.
Unerwartet kommt die Aussage des Pressesprechers nicht. Denn Ausgangspunkt, dass die Hochschule sich für das Ansbach Open öffnet, war die Intention, dass man die Kultur unterstützen sollte, wie Lang zurückblickt. Andererseits profitiert die Bildungseinrichtung auch von einer solchen Veranstaltung, wie er darlegt. „Es ist eine schöne Möglichkeit, den Menschen die Hochschule zu zeigen.“
Ob sich die Hochschule in Zukunft weiter für andere Veranstaltungen dieser Art öffnet? Kategorisch ausschließen will das Lang nicht. Aber „jeder Einzelfall müsste geprüft werden“, betont der Pressesprecher. Er macht aber auch deutlich, dass die Kernkompetenz der Ansbacher Hochschule das Ausbilden von Menschen ist, nicht das Zurverfügungstellen von Veranstaltungsflächen.
Die Ansbacher Polizei ist vollends zufrieden mit dem Ablauf des Festivals. Für die Ordnungshüter sei die dreitägige Veranstaltung „absolut komplikationslos und störungsfrei“ gewesen, hieß es gestern auf Nachfrage. Die Polizei sprach von einer entspannten und friedlichen Atmosphäre auf dem Campus der Hochschule. „Es war eine schöne Veranstaltung.“ Auch der An- und Abreiseverkehr der Ansbach-Open-Besucher lief laut Polizei-Angaben problemlos ab.