„Geht um Leben und Tod”: Volkher Jacobsen war als Pilot am anderen Ende der Welt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.02.2026 07:00

„Geht um Leben und Tod”: Volkher Jacobsen war als Pilot am anderen Ende der Welt

„Die Arbeit als Missionspilot ist etwas ganz Besonderes”, sagt Volkher Jacobsen. (Foto: Selfie)
„Die Arbeit als Missionspilot ist etwas ganz Besonderes”, sagt Volkher Jacobsen. (Foto: Selfie)
„Die Arbeit als Missionspilot ist etwas ganz Besonderes”, sagt Volkher Jacobsen. (Foto: Selfie)

Als Pilot beim christlichen Flugdienst MAF gehört für Volkher Jacobsen das Abenteuer zum Alltag. Der 57-Jährige ging in Neuendettelsau zur Schule und lebt heute in Australien. Am Donnerstag kehrt er zurück in den Landkreis Ansbach und hält einen Vortrag über seine Arbeit.

Wenn in Papua-Neuguinea, Ost-Timor oder im Südsudan ein Flugzeug auf einer kurzen, steilen Piste landet, hängt daran oft mehr als nur ein Transport. Für viele Menschen geht es um medizinische Versorgung, um Bildung – manchmal um Leben und Tod. Jacobsen hat diese Verantwortung jahrzehntelang getragen. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die christliche Missions-Fluggesellschaft Mission Aviation Fellowship (MAF) – erst 14 Jahre lang als Pilot, dann als Ausbilder.

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Jacobsen in Papua-Neuguinea. Dorthin war sein Vater als Pfarrer und Diakon vom Neuendettelsauer Missionswerk ausgesandt worden. Schon als Kind begegnete Jacobsen damit der Missionsfliegerei, die sofort seinen Berufswunsch weckte.


Mein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen

Volkher Jacobsen

Als die Familie nach Neuendettelsau zurückkehrte, kam der designierte Pilot in die Schule. Nach seinem Wehrdienst bei der Luftwaffe absolvierte er die fünfjährige Pilotenausbildung in den USA. Anschließend wurde er von Mission EineWelt übernommen und nach Papua-Neuguinea entsandt. „Mein Kindheitstraum ist also in Erfüllung gegangen”, sagt der heute 57-Jährige gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.

Vielfältiger und verantwortungsvoller Beruf

MAF fliegt nach eigenen Angaben mit 123 Kleinflugzeugen in 27 Ländern zu Menschen, die an isolierten Orten leben. Die Missionspiloten springen als ambulanter Rettungsdienst ein und bringen Verletzte in Krankenhäuser, kirchliche Mitarbeitende zu ihren Einsatzorten oder Lehrkräfte zu Schulen. Wie vielfältig und verantwortungsvoll der Beruf ist, erzählt Jacobsen: „Jeder Tag, jeder Flug ist anders. Mal bin ich Schulbusfahrer, mal Lastwagenfahrer, mal Ambulanzfahrer.”

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An einem Tag transportiert der Pilot Dieselfässer zu einer Missionsstation, an einem anderen 400 Kilo Bienen, weil jemand eine Honigkultur aufbauen wollte, berichtet er. Alle Flüge haben für ihn aber eines gemeinsam: „Wenn wir sie nicht machen würden, würde sie niemand machen. Dann würden Missionsstationen schließen, Schulen, Kakao- und Kaffeeplantagen zumachen”


Das sind sehr intensive Momente, wenn man merkt, es geht jetzt um Leben und Tod.

Volkher Jacobsen

Besonders eindrücklich blieben ihm die medizinischen Einsätze, die rund die Hälfte aller Flüge ausmachen. „Im Zweifel schmeißen wir das ganze Flugprogramm über den Haufen, um ein Leben zu retten. Leider passiert es auch, dass der Patient auf dem Flug stirbt. Aber es sind im Flugzeug auch schon Kinder auf die Welt gekommen. Das sind sehr intensive Momente, wenn man merkt, es geht jetzt um Leben und Tod. Und ich darf die Person sein, die hoffentlich den Unterschied macht, ob jemand sein Leben weiterleben kann.”

Die Arbeit ist nicht ohne Risiko. Kurze Pisten an Berghängen, plötzlich umschlagendes Wetter und das Fliegen ohne Co-Pilot oder Fluglotsen verlangen höchste Konzentration. „Du bist der Chef in der Maschine, du musst alles selber können“, sagt Jacobsen, der auch schwere Erlebnisse mitmachen musste: „Um mich herum sind ein paar Sachen passiert, die mir den Wind aus den Segeln genommen haben, tödliche Abstürze von Kollegen etwa. Das war nicht so leicht, das zu verarbeiten. Aber es war eine notwendige Phase.”

Ausbilder für 120 Pilotinnen und Piloten

Heute fliegt Jacobsen nicht mehr selbst als Pilot. Er ist 2009 mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Australien gezogen und organisiert Fortbildungen für die weltweit etwa 120 MAF-Pilotinnen und -Piloten. Dafür ist er viel in Papua-Neuguinea, aber auch in Ost-Timor, Uganda, Kenia oder im Südsudan.

Bei seinen Vortragsreisen wirbt der 57-Jährige um Gelder, aber auch um potenzielle Pilotinnen und Piloten. Er versucht, die Begeisterung für den Beruf zu vermitteln und zugleich auf die Herausforderungen und Risiken hinzuweisen. Aber er weiß: „Die Arbeit als Missionspilot ist etwas ganz Besonderes.”

Volkher Jacobsen berichtet am Donnerstag, 5. Februar, um 18 Uhr bei Mission EineWelt in Neuendettelsau, Hauptstraße 2, über seine Arbeit. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Infos finden sich im Internet unter www.mission-einewelt.de/veranstaltungen/fliegen-fuer-das-leben


Von Imke Plesch (epd)
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