Alkohol, Nikotin, Cannabis und andere Drogen: Die Verführungen für junge Menschen sind groß. Das Blaue Kreuz Ansbach will Kindern und Jugendlichen helfen, aus der Sucht zu kommen oder gar nicht hineinzurutschen. Dafür wurde ein Präventionsprojekt in Schulen ins Leben gerufen. Unterstützung gibt es jetzt vom Lions Club.
Das Präventionsprojekt des Blauen Kreuzes richtet sich an Kinder und Jugendliche von der fünften bis zur zehnten Klasse in Schulen in Stadt und Landkreis Ansbach. Ziel ist es, die Jugendlichen über Suchtverhalten aufzuklären und sie davor zu schützen. Das alles soll über ganzheitliche Programme geschehen, die Wissen vermitteln, die Selbstreflexion, das Selbstbewusstsein und den Selbstwert fördern sowie Schutzfaktoren stärken.
Doch es geht um mehr, wie Timotheus Hübner vom Blauen Kreuz erklärt. „Es geht um Personen, an die man sich wendet.“ Soll bedeuten: Die Kinder und Jugendlichen sollen von dem Angebot einerseits erfahren, andererseits merken, dass die Menschen, die beim Blauen Kreuz arbeiten, „ganz cool sind und man mit ihnen reden kann“. Wenn die Kinder „zu uns kommen, ist das Vertrauen schon so groß, dass das Gespräch ein ganz anderes wird“, so Hübner.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Blaue Kreuz mit diesem Angebot einen Nerv getroffen hat. Wurden 2017/18 noch 92 Klassen in 23 Schulen in Stadt und Landkreis erreicht, waren es 2024, nach einer Delle während der Corona-Zeit, 101 Klassen. Für 2025 sind im ersten Halbjahr auch schon wieder 33 Präventionseinheiten angefragt.
„Unsere wachsenden Zahlen sind vermutlich nicht darauf zurückzuführen, dass der Bedarf so rasant steigt“, sagt Hübner. „Es liegt eher daran, dass wir bekannt werden.“ Gleichwohl ist der Drogenkonsum ein Thema. Gemäß einer Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2019 trinken neun Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen regelmäßig, also einmal in der Woche, Alkohol. Laut Hübner geht es dabei um einen Rausch. 10,6 Prozent gaben an, schon einmal illegale Drogen konsumiert zu haben.
Das dominierende Thema bei der Suchtprävention ist Hübner zufolge nach wie vor der Alkohol. Auch die Legalisierung von Cannabis könne zu einer Explosion führen. „Vielleicht entsteht dadurch eine Dynamik, die dazu führt, dass das Bewusstsein für das Thema Prävention wächst.“ Aber egal, um welche Sucht es geht, beim Blauen Kreuz steht die Person im Mittelpunkt. „Wir verurteilen niemanden. Sie müssen das Gefühl haben, hier aufgefangen zu werden.“
Das Blaue Kreuz sieht sich als Knotenpunkt in einem Netzwerk. Merkt man während der Gespräche, dass ein Spezialgebiet wie die Spielsucht das Problem ist, wird der Betroffene an einen Partner weitervermittelt, wo er eine noch gezieltere Hilfe bekommt, wie Hübner ausführt. Das gilt auch, wenn therapeutisches Arbeiten gefordert ist. „Das machen wir nicht.“
Der Lions Club Ansbach wird das Präventionsprojekt in Schulen für das kommende Jahr mit 10.000 Euro unterstützen. Was das Blaue Kreuz leiste, „ist unheimlich wichtig“, sagt Präsident Dr. Christoph Wolff. „Das ist für das Gemeinwohl der Stadt unheimlich wertvoll.“ Nach den Worten von Schatzmeister Hermann Meckler ist der Club bestrebt, die durch verschiedene Aktionen erwirtschafteten Gelder in der Region einzusetzen.
Zudem sei die Suchtprävention eine gute Ergänzung zum eigenen Klasse-2000-Projekt, betonte Sebastian Gramsamer, Vorsitzender des Lions-Hilfswerkes Ansbach. Dieses ist in den Grundschulen verortet und soll die Gesundheit fördern sowie der Gewalt und Sucht vorbeugen. Hübner zeigte sich äußerst dankbar für die finanzielle Unterstützung und hob die Bedeutung hervor. Ohne die Spende könnte das Blaue Kreuz maximal die Hälfte der angedachten Präventionsmodule anbieten.