Gegen nachlassende Unterstützung: Hilfe für die Ukraine | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.07.2024 20:00

Gegen nachlassende Unterstützung: Hilfe für die Ukraine

Die beiden Burghaslacher Tomasz Rosinski (links) und Christian Hofmann lieferten viel medizinischen Bedarf in die Ukraine – an Kontaktperson Natalia in Lwiw. (Foto: privat)
Die beiden Burghaslacher Tomasz Rosinski (links) und Christian Hofmann lieferten viel medizinischen Bedarf in die Ukraine – an Kontaktperson Natalia in Lwiw. (Foto: privat)
Die beiden Burghaslacher Tomasz Rosinski (links) und Christian Hofmann lieferten viel medizinischen Bedarf in die Ukraine – an Kontaktperson Natalia in Lwiw. (Foto: privat)

Die Burghaslacher Ukrainehilfe lebt weiter, hat sich aber spezialisiert: „Die Bevölkerung ist versorgt, sie wollen nur noch das Militär“, sagt Christian Hofmann. Entsprechend sammeln die Steigerwälder jetzt vor allem für die Soldaten, haben eine gute Quelle für medizinischen Bedarf. Allerdings gibt es auch schlechte Nachrichten: Ein guter Freund der Burghaslacher ist an der Front getötet worden.

Die Armee in der Ukraine ist keine homogene Einheit, betonen Tomasz Rosinski und Christian Hofmann. Es gibt viele kleine Einheiten, in denen beispielsweise Tierärzte oder Handwerker kämpfen – keine ausgebildeten Soldaten eben. Die Burghaslacher haben eine Foundation gefunden, die alle im Blick hat und weiß, woran es wo gerade mangelt. Kontaktperson Natalia arbeitet eng mit beiden zusammen, koordiniert die Hilfen und informiert die Franken.

Kochsalzlösung, Medizin und Masken

Kochsalzlösung, Tourniquets als Abbindesystem gegen Kriegsverletzungen, Breitband-Antibiotika, Anti-Mücken-Spray, aber auch schon mal Gasmasken gehören zu den Gütern, welche die Burghaslacher nach Lwiw bringen. Die Fahrten aber werden gefährlicher, sagen Tomasz und Izabela Rosinski. Immer wieder heulen die Sirenen, Luftalarm. Generell, so beschreiben die beiden, wirkt das Leben in Lwiw, zu Deutsch Lemberg, ein wenig absurd. Obwohl sich alle bemühen, ihren Alltag möglichst normal zu begehen, die Restaurants gut gefüllt sind, lassen sich die Zeichen des Krieges nicht ignorieren. Immer wieder humpeln junge Männer auf Krücken vorbei, mit nur noch einem Bein. Der Soldatenfriedhof in Lwiw sei anfangs noch übersichtlich gewesen, mittlerweile ist die Zahl der Gräber auf dem Marsfeld enorm.

Rostislav: ein schmerzhafter Verlust

Auch in den „eigenen“ Ukraine-Reihen mussten die Burghaslacher einen sehr schmerzlichen Verlust hinnehmen: Rostislav Livach ist gestorben, ein Kandidat für den Meistertitel im Säbelfechten, bis der Krieg kam. Er sandte immer wieder Videobotschaften von der Front an das Burghaslacher Trio, dankte für die Unterstützung, gab sich hoffnungsvoll. Izabela Rosinski zeigt die jüngste Botschaft von ihm, in Soldatenuniform mit Sonnenbrille. „We keep fighting till the end“, sagt er kämpferisch. „Wir werden bis zum Ende kämpfen.“

Das letzte Video

Was da noch niemand wusste: Es sollte das letzte Video vor seinem Tod sein. Izabela Rosinski kämpft mit den Tränen. Der sinnlose Krieg macht die Helfer einfach nur fassungslos. Aber derartige Erfahrungen beflügeln auch, weiterzumachen. „Die Ukrainer tragen manchmal spezielle Wünsche an uns heran, die schwer erfüllbar sind“, sagt Hofmann. Er versucht es dennoch, was jedoch nicht immer gelingt. Der Burghaslacher stellt klar: „Waffen liefern wir nicht, aber technisches Zeugs.“ „Nervennahrung“ ist ebenso immer mit an Bord – Müsli-Riegel, Nüsse. Auch die jüngsten Militär-Wünsche werden die Burghaslacher kaum erfüllen können: Drohnen und Autos.

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Für die Freiheit Europas

„Wir haben die letzten Fahrten und die Maut privat bezahlt“, betont Christian Hofmann. Ende September, Anfang Oktober steht die nächste Tour an, der Termin hängt vor allem davon ab, wann wieder genügend Geld auf dem Spendenkonto ist, um möglichst viele Bedürfnisse zu stillen. „Sie kämpfen auch für uns“, betonen die Burghaslacher. Für die Freiheit Europas. „Sie hoffen noch, die Ukrainer.“ Mit Blick auf die Lage in den USA sagt Hofmann aber auch klar: „Das wird hart.“

Viele Geflüchtete würden gerne heim

Und: „Sollte die Ukraine fallen, haben wir 30 Millionen Ukrainer hier sitzen.“ Die meisten der bisher Geflüchteten – vor allem Frauen – weinen, wenn man mit ihnen über den Krieg spricht, ist Izabela Rosinskis Erfahrung. Die Polin kann gut mit ihnen kommunizieren. „Die Frauen würden so gerne nach Hause.“ Seit zwei Jahren sind viele bereits hier, arbeiten, aber sehen sich trotzdem mit einer unsicheren Zukunft konfrontiert. „Das ist schon traurig.“

Weniger Kleininitiativen

„Wir helfen weiter“, betont das Trio. Allerdings nicht mehr in den Massen wie zu Beginn, die Spendenbereitschaft habe spürbar nachgelassen. Aber allein die unendliche Dankbarkeit für die Gaben gibt den Helfern Kraft. „Die Ukrainer sind sehr dankbar, dass wir noch diesen weiten Weg auf uns nehmen.“ Die Zahl der Kleininitiativen sei geschrumpft, früher habe man an der Grenze noch viele getroffen, mittlerweile kaum noch – „die Ukraine darf nicht vergessen werden“.

Wer helfen möchte, das Spendenkonto des Burghaslachers Christian Hofmann lautet: IBAN DE97 7606 9559 0107 3121 72 bei der VR-Bank Metropolregion Nürnberg. Sachspenden nehmen die Baufirma von Christian Hofmann (Gewerbegebiet Röthenweg) oder die Familie Rosinski (Rosenweg 1) entgegen.

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