Die Verhandlungen mit der Gemeinde zogen sich über viele Monate hinweg, jetzt ist klar: Das ehemalige Pfarrhaus in Rügland (Landkreis Ansbach) wird nicht von der Verwaltung übernommen. Stattdessen werden nach einer Kehrtwende künftig Geflüchtete dort eine neue Bleibe finden.
Nach dem Abschied des für Rügland zuständigen Pfarrers stand das Gebäude viele Monate lang leer. Als die Stelle in Teilen mit dem in Ansbach wohnhaften Pfarrer Max Schnurrenberger wieder neu besetzt wurde, war klar, dass die evangelische Kirche keinen Bedarf an dem Haus im Herzen Rüglands hat.
Zunächst bemühte sich Rüglands Bürgermeister Wolfgang Schicktanz um eine für beide Seiten praktikable Lösung, da die Gemeinde in ihrem bisher gemeinsam mit dem Kindergarten genutzten Domizil am Hirtenweg deutlich mehr Platz benötigt. Derzeit werden der eigentliche Sitzungssaal des Gemeinderates und zwei Archivräume für den Nachwuchs aus- und umgebaut. Langfristig will Bürgermeister Schicktanz mit der Verwaltung in das kürzlich erworbene Anwesen am Hirtenweg 10 umziehen.
Die ursprüngliche Idee, die Verwaltung im Pfarrhaus unterzubringen, hatte sich zerschlagen, weil dazu ein Umbau mit ebenerdigem Zugang nötig gewesen wäre. Einem Verkauf stimmte die evangelische Kirche aber nicht zu, ein Mietverhältnis kam bei den zu erwartenden Umbaukosten für die Gemeinde jedoch nicht infrage, wie Schicktanz gegenüber der FLZ bestätigt.
Nun hat die Kirchenvertretung Nägel mit Köpfen gemacht, nach einer Mitteilung von Pfarrer Schnurrenberger hat das Leitungsgremium der Kirchengemeinde entschieden, das Pfarrhaus an das Landratsamt zu vermieten. Eine Vermietung an privat wurde demnach „aus einem juristischen Grund“ verworfen: Die Kirchengemeinde kann als Körperschaft keinen Eigenbedarf anmelden, anders als Vermieter, die „natürliche Personen“, also Menschen, sind. Das Mietverhältnis mit dem Landratsamt kann dagegen wieder aufgelöst werden, wenn die Gemeinde das Pfarrhaus anderweitig benötigt.
„Mit der Nutzung als Unterkunft für Geflüchtete sieht sich die Kirche in der Tradition christlicher Nächstenliebe, nach der es geboten ist, Fremde aufzunehmen“, teilt Pfarrer Schnurrenberger mit. Zur Unterstützung hat sich ein Helferkreis gebildet. Auch Bürgermeister Schicktanz hat der Kirchengemeinde seine Hilfe zugesichert. „Das funktioniert nur mit vereinten Kräften“, sagte Schicktanz auf Nachfrage.
Mit der Aufnahme von sechs türkischen und sechs syrischen Flüchtlingen, die bereits heute in der ehemaligen Pfarrerswohnung untergebracht werden sollen, erfüllt die Gemeinde die gesetzlichen Vorgaben. Nach den Weisungen des Landratsamtes hat jede Gemeinde pro 100 Einwohner Wohnraum für wenigstens einen geflüchteten Menschen bereitzustellen. Für die Gemeinde Rügland mit ihren rund 1300 Einwohnern sind das 13 aufzunehmende Personen, so Schicktanz.