„Mögen ihre Seelen im Bund des Lebens eingebunden sein“ – so lautet die Übersetzung des hebräischen Segensspruchs, der in goldener Schrift in die neue Gedenktafel am Fränkischen Museum eingraviert ist. Bei deren Enthüllung wurde an die aus Feuchtwangen stammenden Jüdinnen und Juden erinnert, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden sind.
Zugleich richteten Dekanin Uta Lehner, Bürgermeister und Volkskunstvereinsvorsitzender Patrick Ruh sowie Initiatorin Helga Deininger bei der Zeremonie den Blick auf die Gegenwart sowie in die Zukunft: Die Tafel solle auch mahnen, „dass das Verantwortungsbewusstsein dafür erhalten bleibt und wächst, dass menschenverachtende Tendenzen in unserem Land keinen Platz haben dürfen“, sagte Helga Deininger, die das Erinnerungsprojekt auf den Weg gebracht hat.
Etliche Feuchtwangerinnen und Feuchtwanger sowie Mitglieder ihrer Familie bewege seit Jahren, „dass wir – wie für die Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs – auch eine Gedenktafel für unsere jüdischen Bürger und Bürgerinnen, die im Holocaust umgekommen sind, benötigen“. Und nachdem hier Stolpersteine für einige Opfer der NS-Gewaltherrschaft verlegt worden sind, verlange es die Gerechtigkeit, auch an die anderen zu erinnern.
Weil es sich bei der Tafel um „eine Stiftung Feuchtwanger Bürgerinnen und Bürger“ handle, ermunterte die Initiatorin alle, denen es ein Anliegen ist, sich mit einem kleinen Betrag einzubringen. Die Stadt stelle dafür Spendenquittungen aus.
Zudem erinnerte Deininger daran, dass Heimathistoriker Dietrich Weiß, der jetzt in Fürth lebt, die Geschichte von Feuchtwangens jüdischer Gemeinde erforscht und 1991 veröffentlicht hat. Seine Unterlagen habe Museumsleiterin Dr. Uta Karrer nun auf den neuesten Stand gebracht. Zudem dankte die Initiatorin Steinmetzmeisterin Birgit Hähnlein-Häberlein für die Gestaltung der Tafel.
„In ehrendem Gedenken an die Feuchtwanger jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordet wurden“, steht darauf unter dem hebräischen Segensspruch. Darum herum sind die Namen der 25 zweifelsfrei bekannten Jüdinnen und Juden eingraviert, die „entweder in Feuchtwangen geboren und früh weggezogen sind oder längere Zeit in der Stadt gelebt haben, unter der Zwangsherrschaft ihre Häuser verkauften und hofften, in den größeren Städten Nürnberg, München Berlin, Frankfurt und anderswo die Hitlerherrschaft überstehen zu können, aber von dort aus in Konzentrationslager verschleppt und getötet wurden“, wie Helga Deininger erklärte. Danach verlas Museumsleiterin Karrer die Namen der 25 Personen sowie kurze Informationen zu deren Leben und Tod.
Das Gedenken an diese Holocaust-Opfer hatte Dekanin Lehner bereits vor der Enthüllung der Tafel im Gottesdienst in der Stiftskirche thematisiert. Danach eröffnete sie die Zeremonie am Museum mit einer Andacht. Nur weil sie jüdischen Glaubens waren, hätten diese Menschen, die als Mitbürgerinnen und Mitbürger in Feuchtwangen gelebt haben, nicht frei und gleich sowie ohne Furcht existieren können: „Manche hat ihr Weg aus Deutschland geführt in die Freiheit vom Nationalsozialismus. Andere hat der Weg in die Gaskammern geführt“, so Lehner.
Später habe man versucht, zu verdrängen: „Die Spuren der Mitbürgerinnen und Mitbürger, die allerspätestens knapp zwei Jahre vor der Reichspogromnacht Feuchtwangen verlassen hatten, die wollte man nicht mehr verfolgen.“ Mit der ersten, 1984 am Museum angebrachten Tafel habe man nur an die ehemalige Synagoge und damit an ein Haus erinnert, das schon vor der Pogromnacht nicht mehr mit Leben gefüllt war: „Auch damals kamen die Menschen nicht in den Blick.“ Deshalb sei es jetzt Zeit, auf sie zu schauen. Und dass nun jedermann die 25 Namen lesen kann, sei wichtig. Denn: „So können wir nicht mehr verdrängen, was hier geschehen ist.“
Bei der Gedenktafel gehe es nicht um „einen deutschen Schuldkult“, betonte Bürgermeister Ruh: „Es geht hier um Feuchtwanger, die man aus der Gesellschaft ausgegrenzt hat.“ Das Geschehene lasse sich nicht ungeschehen machen. Aber die Tafel rücke die 25 Menschen ins öffentliche Bewusstsein. Sie erhielten so wieder einen Platz in Feuchtwangen.
Zugleich begrüßte er den Plan, die Tafel noch mit einem QR-Code zu versehen, damit sich Interessierte umfassend informieren können.
Für die Beteiligung an dem Erinnerungsprojekt hat die Stadt Feuchtwangen ein Spendenkonto eingerichtet: DE49 7655 0000 0000 0008 69 Verwendungszweck „Gedenktafel“.