Die Corona-Pandemie war gerade voll ausgebrochen und Stadtrat Joseph Hillermeier hatte viel Zeit zum Zeitunglesen. Ein Artikel in der Fränkischen Landeszeitung weckte sein Interesse an einem Stein, der an die Errichtung der Urlasstraße hinauf in den heutigen Stadtteil Kammerforst erinnert.
„Der hier aufgefundene Stein zeugt von dem Gemeinsinn und der ausdauernden Arbeit der am Straßenbau beteiligten Gemeinden. 1880 – 1891“: So lautet die Inschrift, die nur noch ganz schwer lesbar war. Hillermeier, der als Bauingenieur im Straßenbau zuletzt bei der Regierung von Mittelfranken tätig war, war als „alter Straßenbauer“ an dem Stein interessiert und setzte sich für die Sanierung ein.
Aus städtischen Mitteln war nichts zu bekommen und so legte er selbst Hand an. Hillermeier reinigte den Stein und fand dann Steinmetzmeister Werner Giebler, der die Schrift fachmännisch wieder lesbar machte und mit schwarzer Farbe nachzog. Für die Kosten in Höhe von fast 700 Euro fand der CSU-Stadtrat einen Spender. Friedrich Hilterhaus und seine Stiftung gaben das Geld und der Mäzen freut sich, dass mit dem vergleichsweise kleinen Betrag ein Denkmal erhalten werden und wieder lesbar gemacht werden konnte.
Die Urlasstraße, die aus dem Rezattal hinauf nach Kammerforst führt, war Ende des 19. Jahrhunderts nur eine wassergebundene Fahrbahn, die bei trockener Witterung immens staubte, aber den üblichen Belastungen durch den geringen Verkehr – hauptsächlich Pferdefuhrwerke – gewachsen war.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Straße auch sehr von den Ulanen, die häufig von der späteren Hindenburgkaserne über die Brauhausstraße, die Schloß- straße und die Urlasstraße durch Kammerforst zum Exerzierplatz „Urlas“ ritten, genutzt. Der Urlas war seit den 1830er-Jahren militärisches Übungsgelände. An den Bau der Straße, der insgesamt elf Jahre dauerte, erinnert der nun frisch sanierte Gedenkstein.
Die Straße musste immer wieder erneuert werden. Der ehemalige Kreisbaumeister Kaspar-Friedrich Seckel erinnerte sich noch an die Straßenbauarbeiten an der Urlasstraße in der Nachkriegszeit. Er war dafür zuständig, weil die Stadt Ansbach in der Mitte des Schlossberges endete und dann schon die Gemeinde Hennenbach, die zum Landkreis Ansbach gehörte, begann.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Urlas von der US-Armee genutzt, und häufig fuhren Panzer aus der Hindenburgkaserne über die Urlasstraße. Für diese Belastungen war die Straße nicht gebaut, es bildeten sich sehr schnell große Schlaglöcher. Trotz des alljährlichen Einwalzens von Schotter und Sand war 1957 ein neuer Belag fällig, der auch dem Panzerverkehr Stand halten sollte. Geplant war eine Asphaltierung, die aber den Widerstand der Landwirte aus Kammerforst, Grüb und Wengenstadt bis nach Weihenzell auslöste.
Die Landwirte befürchteten, dass ihre Pferdegespanne auf dem steilen Straßenabschnitt bei einer Asphaltierung ins Rutschen kämen. Es wurde dann der Kompromiss gefunden, die Gefällstrecke mit Kleinpflaster zu versehen, welches so viele Fugen hatte, dass auch die Pferde mit ihren Stollen an den Hufeisen noch Halt fanden – auch wenn der Boden gefroren war.
Zuletzt wurde die Straße zwischen der Einmündung der Straße Am Drechselsgarten und den Einmündungen Berg- und Schloßstraße 2020 bis 2022 saniert. Im Juni 2022 wurde der sanierte Streckenabschnitt für den Verkehr freigegeben. Anders als noch in der Nachkriegszeit verzichtete man nun mit Blick auf den Lärm auf das „sehr glatte und sehr knallende Kopfsteinpflaster“, sagte Baureferent Jochen Büschl.