„Mir macht es riesigen Spaß, Landtagsabgeordnete zu sein“, sagt Gabi Schmidt. Die Chancen für die 55-Jährige aus Voggendorf (Gemeinde Uehlfeld), wiedergewählt zu werden, sind äußerst gut. Zum einen ist sie die einzige amtierende MdL unter den aus dem Landkreis antretenden Kandidierenden, zum anderen steht sie auf Platz 1 der Freien Wähler (FW)-Liste.
„Siegessicher darf man jedoch nicht sein“, betont Gabi Schmidt, seit 2013 Landtagsmitglied. Es gehe um Respekt gegenüber den Wählerinnen und Wähler, deren Vertrauen man erbitten müsse. Denn: „Letztlich entscheiden diese, auf welchem Listenplatz man steht.“ Was zeichnet sie aus? Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Wähler, die seit 2014 als Kreisrätin fungiert und seit 2018 Mitglied im Landesvorstand der FW ist, muss nicht lange überlegen: Erfahrung und Leidenschaft, erklärt sie. „Ich stehe für eine Politik der Chancengleichheit und sozialen Teilhabe.“
Für sie ist angesichts der vielen Menschen, die ein gewisses Maß an Politikverdrossenheit an den Tag legen oder zu rechten Parteien tendieren, wichtig, mit diesen Frauen und Männern ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren, nachzuhaken, was sie stört und dann auf das Thema einzugehen. Klarzumachen gelte es etwa, dass oft aufgrund der Rechtslage gar nicht anders entschieden werden konnte. Diese Sisyphusarbeit sei mühevoll, aber notwendig, betont Schmidt.
Wichtig sei es zudem Menschen klar zu machen, dass es keine einfachen Lösungen gibt, wie sie manche versprechen. Pauschalverurteilungen von Politikern, die bei Gesprächen mit Bürgern immer wieder geäußert werden, lässt die Voggendorferin nicht im Raum stehen.
Gabi Schmidt bedauert, dass die Wahlveranstaltungen, wie es sie früher gab, mangels Interesse an diesen nicht mehr angeboten werden. Dort konnte man mit den Teilnehmenden in einen Dialog treten, Fragen beantworten, Sachen klar stellen. Heute machten sich viele nur über soziale Medien kundig. Dort werde aber manches nur oberflächlich abgehandelt.
Angesprochen auf den Fall ihres Parteikollegen Hubert Aiwanger und die Flugblatt-Affäre, kann sie sich nicht vorstellen, dass rechte Wählerinnen und Wähler wie die der AfD in Massen zu den Freien Wählern wechseln. „Wer mich kennt, weiß, dass sie oder er nicht rechts wählt“, so Schmidt. Sie ging zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Redaktion nicht davon aus, dass viele FW-Wähler der Partei den Rücken kehren werden. Damit behält sie bislang recht. Das Gegenteil ist der Fall. Dreieinhalb Wochen vor der Landtagswahl erlebten die Freien Wähler einen Höhenflug.
Es sei schade, dass das Thema Aiwanger von vielen aktuellen Themen ablenke, auf die die Wählerinnen und Wähler eine Antwort bekommen möchten, merkt Schmidt an. Da geht es etwa um die Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land und die Förderung des ländlichen Raums. „Den Kampf dafür betreibe ich auf allen Ebenen“, betont die Mutter dreier erwachsener Töchter und Oma dreier Enkel.
„Wir müssen den ländlichen Raum als liebenswerten Raum erhalten.“ Wichtig sei es deshalb, dass die Regionen die zur Verfügung stehenden Fördermittel auch abgreifen. Hier sei es interessant festzustellen, wo dies nicht geschieht.
Die amtierende Landtagsabgeordnete würde es begrüßen, wenn Landkreise und Kommunen über ein an der Einwohnerzahl gemessenes Budget verfügen und dieses nutzen könnten. So könnte die Bürokratie verringert werden, ist sich die 55-Jährige sicher. Deren Abbau sei wichtig. „Das geht noch viel zu langsam.“ Da seien die Politiker manchmal schon schneller.
Als äußerst wichtig erachtet sie es ferner, maßgeschneiderte bezahlbare Konzepte für den Nahverkehr zu erstellen, der auch für junge Leute enorm wichtig sei. Auf ihrer Agenda steht außerdem, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Nachverdichtung in Dörfern und Städten zu forcieren. Am Herzen liegt Gabi Schmidt darüber hinaus die Stärkung der Mittelschulen und ebenso die Förderung der beruflichen Bildung.
Stolz ist die Politikerin darauf, dass die Projektwochen „Alltagskompetenz“ in allen Schularten eingeführt wurden. Allein dabei will es Voggendorferin jedoch nicht bewenden lassen. Eigentlich sei es wichtig, „Alltagskompetenzen“ als Schulfach zu etablieren. Das Ganze sei eine Lebensschule, wo auch Themen wie miteinander reden, Kaufverträge unter dergleichen behandelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will Schmidt „wie eine Löwin weiterkämpfen“.
Der Landtagsabgeordneten liegen darüber hinaus natürlich frauenspezifische Themen am Herzen, die Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. „Ich hoffe, auch für junge Frauen eine Vorbild zu sein.“ Sie habe es in der Politik geschafft, andere Frauen können dies ebenfalls, ist sie felsenfest überzeugt. Sie selbst hat sich das Zitat von Immanuel Kant „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ auf die Fahne geschrieben. Mit viel Motivation ließen sich viele Ziele erreichen – davon hat Gabi Schmidt offenbar jede Menge, die sie noch realisieren will.