Ein jahrelanger Traum von Diakoneo-Werkstattleiter Willi Ulm und dem Inklusionsbeirat soll bald Realität werden: Ein Ort der Begegnung in der Stadt, an dem Menschen mit Handicap arbeiten und in den Austausch mit Besuchenden gehen. Die größte Herausforderung für die Umsetzung des Inklusionscafés ist es derzeit, eine Lokalität zu finden.
„Wir wollen Rothenburg noch inklusiver machen”, sagt Willi Ulm, Leiter der Werkstatt für Menschen mit Behinderung und der Förderstätte Rothenburg/Obernzenn zu den Plänen. „Da gibt es aktuell noch eine Lücke, sowas gibt es hier bisher nicht”, findet er. Seit Anfang seiner Zeit bei Diakoneo in Rothenburg, wo er seit vier Jahren arbeitet, sei ein Inklusionscafé im Gespräch.
Ralph Dürr, Vorsitzender vom Inklusionsbeirat, erinnert sich: „2005 habe ich das erste Mal gesagt, Mensch, wir könnten ein Inklusionscafé in Rothenburg machen. Das ist jetzt schon eine ganze Weile her.” Viel sei seitdem nicht passiert, aber das soll sich jetzt ändern: Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung und das Diakonische Werk in der Stadt starteten eine Kooperation, um das Projekt nun ins Rollen zu bringen.
Was genau ist ein Inklusionscafé? Es ist ein Ort der Begegnung zwischen Menschen mit Handicap und von Menschen ohne. An diesem Ort soll ein Austausch stattfinden, Barrieren und vielleicht auch Ängste abgebaut werden, sagt Ulm. In dem Café werden Menschen arbeiten, die auf dem ersten Arbeitsmarkt bisher nicht Fuß fassen konnten, „die durch die ein oder andere Ritze fallen”, umschreibt es Ulm.
Sie sollen dort eine Chance erhalten, sich einzubringen und beim Bedienen mit anderen Menschen außerhalb ihrer Blase in den Kontakt zu kommen. Ulm: „Es soll ein Café mit Service sein. Und mir ist auch wichtig, dass das Essen teils selbstgemacht ist, dass es zum Beispiel selbstgemachten Apfelkuchen gibt.”
Auch ein Mittagstisch ist geplant. Und: „Wir wollen kein Touristencafé, das nur in der Saison geöffnet hat”, sagt Ulm. Natürlich seien Touristinnen und Touristen immer willkommen, aber das Café sei „für die Rothenburger, wir wollen etwas für die Region schaffen.” Zudem können sich die Organisierenden vorstellen, das Café als Veranstaltungsort für Lesungen und Kleinkunst zu nutzen, um die „Stadt lebendiger zu machen”, so der Werkstattleiter.
Bis es zur Umsetzung kommt, haben Ulm und Jutta Holzheuer vom diakonischen Werk samt dem Team schon „viel herumgesponnen und geträumt”, sagen die beiden. „Aktuell sind wir auf der Schwelle von der Theorie hin zur Praxis”, so Holzheuer. Die größte Herausforderung: Die Suche nach einer geeigneten Lokalität. Das Café soll ein soziales Projekt werden, eines, dass auch Menschen mit einem sozialen Gedanken unterstützen. Das wünschen sich Ulm und Holzheuer zumindest.
Wichtig wäre, dass die Räume barrierefrei sind, eine Küche sollte vorhanden sein. Optimal sei ein Ort, an dem bereits ein Café betrieben wurde. Damit das Inklusionscafé gut erreichbar ist, sei es wichtig, dass Parkplätze vorhanden sind – eine Lage außerhalb der Stadtmauern, aber trotzdem zentral würden Holzheuer und Ulm bevorzugen.
Vor einiger Zeit habe er mit Oberbürgermeister Dr. Markus Naser das Bahnhofsgebäude besichtigt, so Ulm. Dieses würde sich seiner Meinung nach gut eignen. Aber: Es stellte sich heraus, dass das Gebäude der Deutschen Bahn gehört, die es der Stadt nicht verkauft. Die Suche ging also weiter. Ralph Dürr: „Jetzt brauchen wir einen Ort, damit es mit dem Inklusionscafé weitergehen kann.”
Dann könne Schritt für Schritt Weiteres geplant werden. „Wir haben uns schon viele Gedanken gemacht”, sagt Holzheuer. Wenn ein Ort für das Café gefunden wäre, würde die Umsetzung ein Jahr dauern, schätzt Ulm. „Der Businessplan ist schnell gemacht.”
Bei der Planung eines Inklusionscafés hat der Werkstattleiter bereits Erfahrung. „Das Café Karl in Ansbach ist auf meinem Mist gewachsen”, sagt er lachend. Dabei habe er viel gelernt, auch Entscheidungen getroffen, die er bei einem zweiten Anlauf anders angehen würde. Davon profitiere das aktuelle Projekt. „Sowas braucht Zeit, damit es gut wird. Und natürlich Planung”, ergänzt er.
Wichtig sei auch, starke Partnerinnen und Partner mit an Bord zu haben. In Gesprächen mit einem ansässigen Kaffeehaus seien sie bereits, sagt Ulm. Finanziell soll das Projekt auf vielen Schultern verteilt werden, wünschen sich die Organisierenden. So sei im Gespräch, aus dem Café eine Genossenschaft zu machen, bei der viele unterschiedliche Menschen teilhaben und einen Betrag in ihrem Ermessensrahmen beitragen können. Ulm, Holzheuer und Dürr erhoffen sich für Rothenburg als Stadt der Vielfalt einen weiteren Ort, an dem Inklusion gelebt und der soziale Gedanke weitergetragen wird.