Sie sind für gemeinnützige Einrichtungen, Verbände und Vereine im sozialen, sportlichen, kulturellen und ökologischen Bereich ehrenamtlich im Einsatz. Sie engagieren sich dort ein Schuljahr lang außerhalb des Unterrichts. Dies alles geschieht im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Schuljahres (FSSJ). Unsere Redaktion stellt fünf junge Leute vor, die es absolvieren.
Entwickelt wurde das FSSJ im Freiwilligenzentrum „mach mit!“ des Caritasverbandes Scheinfeld und des Landkreises Neustadt/Aisch- Bad Windsheim und wird seit 2003 umgesetzt. Mitmachen können Schülerinnen und Schüler aller Schularten ab der achten Klasse.
Ihr FSSJ absolvieren Sina Gebhardt und Ida Limbacher beim Pferdehof Steinhauser in Dottenheim. Die beiden 14-Jährigen helfen seit Oktober jeden Dienstag beim Reitunterricht, packen aber auch bei der Stallarbeit mit an. Ida Limbacher besucht derzeit die achte Klasse des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums in Bad Windsheim. Ihre Einsatzstelle hat sie sich auf der Liste der Freiwilligenzentrums der Caritas ausgesucht.
Sina Gebhardt geht auf die Dietrich-Bonhoeffer Realschule in Neustadt und hat das FSSJ über eine Informationsveranstaltung kennengelernt. Beide reiten gerne. „Vorkenntnisse sind gut, aber müssen nicht zwangsläufig vorhanden sein“, so FSSJ-Betreuerin Sirina Steinhauser.
Beim Besuch unserer Zeitung helfen die beiden Schülerinnen der dreijährigen Emmi, die heute Reitunterricht hat. Ida und Sina bauen Hindernisse auf. Sirina Steinhauser hilft der kleinen Reiterin in den Sattel. Danach übernimmt Sina das Halfter und führt Emmi auf ihrem Pony Tipsi über den Platz.
Der Pferdehof bietet Reitunterricht und Reittherapie an und bildet auch Reittherapeuten aus. Zum Team gehört auch Matti Keller, die gerade eine Ausbildung zur Hufpflegerin und Reittherapeutin absolviert. Sie hatte einst selbst ihr FSSJ hier auf dem Pferdehof gemacht. Das habe ihr so gut gefallen, dass sie den Pferden und Familie Steinhauser treu geblieben ist, berichtet sie.
In einem ganz anderen Bereich ist Paula Kessler aktiv. Ihr Einsatzort ist der Waldkindergarten des evanglisch-lutherischen Kindergartens in Markt Erlbach. „Spielst du mit uns Fangen?“. Wenn Paula Kessler am Donnerstag nach der Schule in den Waldkindergarten kommt, wird sie gleich von den Jungen und Mädchen in Beschlag benommen. Seit Oktober ist sie jede Woche hier im Einsatz. „Manche Kinder bleiben extra länger, damit sie Paula nicht verpassen“, weiß Erzieherin Birgit Schiener.
Die Schülerin der Neustädter Dietrich-Bonhoeffer-Realschule hat sich einen ganz besonderen Einsatzort für ihr Freiwilliges Soziales Schuljahr ausgesucht, denn der Kindergarten im „Abenteuerwald“ ist außergewöhnlich. Hier gibt es wenig vorgefertigte Spielsachen, stattdessen kommt alles zum Einsatz, was man in der Natur findet.
Ein Stock wird zur Puppe, Steine werden lebendig und bemalt. Auch im Winter sind die derzeit 23 Kinder viel draußen. Mittagessen gibt es in den beiden Bauwagen. Paula Kessler macht die Zeit mit den Kleinen großen Spaß. Sie wohnt gleich um die Ecke und könnte sich vorstellen, später auch einmal einen sozialen Beruf zu ergreifen.
Eine Ausbildung im technischen Bereich zu wählen, können sich dagegen Lukas Becker und Florian Lassonczyk nach Abschluss der Schule gut vorstellen. Sie absolvieren ihr FSSJ beim Technischen Hilfswerk (THW) in Neustadt.
Die beiden 15-Jährigen, die die Neustädter Realschule besuchen, waren vorab bereits in der Jugendgruppe aktiv, ebenso wie 70 Prozent der anderen FSSJ'ler beim THW, sagt Ortsbeauftragter Thomas Scherzer. Wer einmal auf den Geschmack kommt, macht in der Regel als Erwachsener weiter. „Ich finde es cool, dass man etwas mit anderen zusammen machen kann. Hier sind lauter engagierte Leute“, erklärt Florian Lassonczyk. „Die Sachen, die man hier lernt, nutzen einem auch später. Man lernt was fürs Leben“, ergänzt Lukas Becker.
Vieles, was sie im FSSJ machen, kennen sie schon aus der Jugendgruppe. Sie lernen, Personen aus Gefahrensituationen zu retten, Eingeschlossene unter Trümmern zu bergen, Einsatzstellen auszuleuchten, Sandsäcke zur Hochwasserbekämpfung zu füllen und Unfallstellen abzusichern. Auch das Abpumpen von Wasser aus vollgelaufenen Objekten steht auf der Agenda – alles unter Aufsicht erfahrener THW'ler – ebenso ein Erste-Hilfe-Kurs.
Cool finden es die beiden 15-Jährigen, dass sie in der Gruppe jetzt schon fest integriert sind und ihren eigenen Anzug und Helm sowie Handschuhe bekommen. Sie sind mit ihrer Einsatzstelle total „happy“ und können sie anderen nur empfehlen – auch Mädchen. Denn: Das THW ist schon lange keine Männerdomäne mehr.