Frust statt Märchen: Lys in Melbourne gleich raus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.01.2026 09:31, aktualisiert am 20.01.2026 13:28

Frust statt Märchen: Lys in Melbourne gleich raus

Eva Lys erlebte bei den Australian Open eine bittere Enttäuschung. (Foto: Dar Yasin/AP/dpa)
Eva Lys erlebte bei den Australian Open eine bittere Enttäuschung. (Foto: Dar Yasin/AP/dpa)
Eva Lys erlebte bei den Australian Open eine bittere Enttäuschung. (Foto: Dar Yasin/AP/dpa)

Ein Jahr nach ihrem wundersamen Achtelfinaleinzug bei den Australian Open hat Eva Lys in Melbourne die harte Tennis-Realität zu spüren bekommen. Deutschlands derzeit beste Spielerin verlor in Melbourne in der ersten Runde gegen die Rumänin Sorana Cirstea mit 6:3, 4:6, 3:6 und erlebte damit eine herbe Enttäuschung.

Großer Jubel herrschte dagegen bei Laura Siegemund. Die 37-Jährige rang in Melbourne in ihrem Auftaktmatch die an Nummer 18 gesetzte Ljudmila Samsonowa aus Russland nach einer Aufholjagd noch mit 0:6, 7:5, 6:4 nieder.

Siegemund wehrte im zweiten Satz beim Stand von 4:5 zwei Matchbälle der Russin ab, ehe sie nach 2:31 Stunden als einzige Deutsche in die zweite Runde einzog. Vor Lys waren bereits Tatjana Maria und Ella Seidel gleich zum Auftakt ausgeschieden.

Lys und die Probleme mit dem Knie

Vor allem das Aus von Lys war bitter. Die 24-Jährige zeigte eineinhalb Sätze lang eine gute Leistung und führte mit 6:3, 3:1. Doch dann verlor die 24-Jährige ihren Rhythmus, auch weil sie Schmerzen am Knie hatte. „Ich habe seit dem United Cup ein paar Probleme mit meinem Knie. Es ist nichts Ernsthaftes, aber ich war wahrscheinlich so bei 70 Prozent, was man vor allem an meiner Vorhand sehen konnte“, sagte Lys.

Die Hamburgerin hatte sich die Verletzung Anfang des Jahres im ersten Spiel des United Cups in Sydney gegen die Niederländerin Suzan Lamens zugezogen, als sie sich das Knie stark überdehnt hatte. Dennoch hatte sie danach gegen die Weltranglisten-Zweite Iga Swiatek aus Polen trotz der Drei-Satz-Niederlage eine ganze starke Leistung gezeigt und war voller Zuversicht nach Melbourne gereist.

Gute Erinnerungen, böses Erwachen

Dort hatte sie vor einem Jahr die bislang beste Zeit ihrer Karriere erlebt. Eigentlich bereits in der Qualifikation ausgeschieden, rutschte sie als sogenannte Lucky Loserin doch noch ins Hauptfeld und schaffte es danach sensationell bis ins Achtelfinale. Es war der Auftakt in eine starke Saison für Lys, die sie als deutsche Nummer eins beendete.

Dieses Mal hatte Lys also viele Weltranglisten-Punkte zu verteidigen. Und den Druck merkte man ihr deutlich an. Doch eineinhalb Sätze ging die deutsche Nummer eins damit gut um. Nach 42 Minuten holte sich Lys unter dem Jubel vieler deutscher Fans auf Court 13 den ersten Satz. Lys und Melbourne - das schien auch in diesem Jahr perfekt zu passen.

Denn auch im zweiten Durchgang gelang der Nummer 39 der Welt ein schnelles Break, der Weg in Runde zwei schien jetzt frei. Dann verlor Lys aber völlig ihren Rhythmus. Der Hamburgerin unterliefen viele einfache Fehler, die Cirstea zum Satzausgleich nutzte. „Der erste Satz war großartig, damit war ich sehr zufrieden. Aber im zweiten und dritten Satz hatte ich definitiv Probleme“, bilanzierte Lys.

Nach dem verlorenen zweiten Satz verließ Lys kurz den Platz, um sich zu sammeln. Doch Ruhe kehrte nicht ein in ihr Spiel. Nach einem weiteren vermeidbaren Fehler pfefferte sie ihren Schläger auf den Boden, zum 1:3 gab sie mit einem Doppelfehler ihren Aufschlag ab. Lys wurde jetzt immer hektischer, reihte Fehler an Fehler. Am Ende waren es 50 vermeidbare Fehler - zu viele für ein Weiterkommen bei einem Grand-Slam-Turnier.

Siegemund besiegt eigene Zweifel

Bei Siegemund war nach der beeindruckenden Aufholjagd dagegen der Jubel groß. Ausgelassen hüpfte die Schwäbin über den Platz, ehe sie sich von den Zuschauern feiern ließ. Dabei hatte es lange Zeit danach ausgesehen, dass Siegemund als letzte deutsche Spielerin ebenfalls ausscheiden würde.

0:6, 2:5 lag die Schwäbin bereits zurück, beim Stand von 4:5 im zweiten Satz hatte sie zwei Matchbälle gegen sich. „Das war eigentlich gefühlt unlösbar und ich habe mich da selbst auch schon unter der Dusche gesehen“, gab Siegemund zu. „Ich habe da selbst nicht dran geglaubt. Denn dafür habe ich eigentlich zu schlecht und sie zu gut gespielt.“

Doch wie so oft in ihrer Karriere fand Siegemund einen Weg zurück in die Partie. Sie ist damit die letzte deutsche Spielerin in Melbourne. „Klar macht es mich schon stolz, dass ich trotzdem noch die deutsche Fahne in so einem Turnier hochhalten kann“, sagte Siegemund, die immer wieder von Verletzungen gestoppt wurde. „Mit 37 ist es nicht mehr so einfach wie mit 27.“

Zverev und Hanfmann im Einsatz

Bei den Männern sind in Alexander Zverev und Yannick Hanfmann noch zwei deutsche Profis dabei. Zverev bekommt es in seinem Zweitrundenspiel an diesem Mittwoch (8.30 Uhr MEZ/Eurosport) mit dem Franzosen Alexandre Müller zu tun. Zuvor trifft Hanfmann auf den Weltranglisten-Ersten Carlos Alcaraz aus Spanien.

Jan-Lennard Struff verpasste dagegen den Einzug in Runde zwei. Gegen den Tschechen Vit Kopriva verlor der Warsteiner in fünf Sätzen mit 6:4, 2:6, 6:2, 3:6, 1:6 und schied damit zum zehnten Mal in Melbourne gleich zum Auftakt aus. „Ich weiß auch nicht, warum es für mich in Australien nicht klappen will. Da war heute auf jeden Fall mehr drin. Ich bin angefressen“, sagte der Davis-Cup-Profi.

© dpa-infocom, dpa:260120-930-569477/2


Von dpa
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