Was früher noch als fester Bestandteil einer Schule galt, ist heutzutage kaum noch vorhanden: Die Schülerzeitung. Vielerorts gab es einst extra Arbeitsräume für die Redaktion und Anekdoten in gedruckter Form gehörten zum Schüleralltag – heute sind nach einer Umfrage der Redaktion landkreisweit nicht mehr viele Exemplare übrig.
Am Scheinfelder Gymnasium ist die Tradition noch lebendig, wenngleich in digitaler Form. Die beiden zuständigen Deutschlehrkräfte Regina Wiederer und Rebekka Hack sind optimistisch – mit Hilfe eines neuen Konzepts, nimmt das vermeintlich totgesagte Medium wieder Fahrt auf. Ihre Schülerzeitung „INSIDER“ ist thematisch breit gefächert und die Inhalte reichen von DIYs („do it yourself”, zu deutsch: Anleitungen zum Selbermachen), über Kindheitsbilder der Lehrkräfte bis hin zu Interviews und eigenen Erfahrungsberichten der schreibenden Schüler. Man müsse halt mit der Zeit gehen, um für die Leserschaft interessant zu bleiben, sagt Wiederer.
Im dazugehörigen Kurs lernen die Jugendlichen mediale und journalistische Grundlagen. Im Fokus steht laut Wiederer die Förderung der eigenen Kreativität innerhalb des journalistischen Rahmens. „Das ist auch unser Schwerpunkt, den wir noch ein bisschen ausbauen wollen, dieses ‚Reinschnuppern‘ in den Journalismus.”
Die „INSIDER” ist jedoch nicht die einzige Schülerzeitung im Landkreis. Auch die des Bad Windsheimer Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums bleibt unter ihrem, aus einem englischen Wortspiel zusammengesetzten, Namen: „BESTStEller” verfügbar. Im Gespräch mit der Redaktion heißt es von der zuständigen Lehrkraft Julia Gold allerdings, dass die Ausgaben immer seltener und unregelmäßiger werden. Wenn dann doch mal wieder eine erscheint, dann nur noch online auf der Schul-Homepage.
Schließlich und endlich sind auch noch „Die Sonnenseiten” zu nennen - die einmal pro Jahr (meist kurz vor den großen Ferien) sogar in gedruckter Form erscheinende Diespecker Schülerzeitung. Betreut wird sie in diesem Jahr von den beiden Lehrerinnen Katrin Roth und Kerstin Bock, die Auflage liegt bei rund 400 und finanziert wird das Werk über Sponsoren und möglichst viele Anzeigen. „Deshalb ist schon viel Werbung drin”, sagt Katrin Roth, „aber es soll ja auch für alle erschwinglich bleiben”. Drei bis vier Euro kostet ein Exemplar.
Verantwortlich für die Texte des Hefts, das an einen Jahresbericht erinnert, sind die Schülerinnen und Schüler. Zwar gibt es keine eigene Redaktion, aber die Kinder werden innerhalb der Klassen von ihren jeweiligen Lehrkräften zum Schreiben animiert. Themen sind meist schulinterne Veranstaltungen – Konzerte, Ausflüge oder Sport – aber auch Witze, Steckbriefe von Lehrerinnen und Lehrern oder anderem Personal sowie ein Grußwort gehören dazu. Das Layout, die Organisation und die Auswahl der Druckerei sowie das Suchen und (hoffentlich) Finden von Werbekunden erledigen Roth und Bock. Viel Arbeit, aber es lohnt sich, denn vielen ist die Schülerzeitung wichtig.
Wie Katrin Roth erzählt, wird in Diespeck versucht, das Thema kreatives Schreiben über die Schülerzeitung im Unterricht präsenter zu machen. Der Anreiz, den eigenen Text in gedruckter Form zu sehen, sei schließlich nicht zu unterschätzen. „Manchmal tun sich auch zwei oder drei Kinder zusammen und schreiben etwas” – Ehrensache, dass die beiden Betreuungslehrerinnen anschließend noch mal drübergucken und eventuelle Rechtschreibfehler ausmerzen. Blamieren soll sich schließlich niemand.
Am Friedrich-Alexander-Gymnasium (FAG) in Neustadt ist es hingegen nicht gelungen, die einst sehr beliebte Schülerzeitung zu erhalten. Von 2016 bis 2023 wurde sie noch in Form eines P-Seminars angeboten. Schulleiter Norbert Zips sagt, das Interesse der Leser – Schüler und Lehrkräfte – sei zunehmend gesunken, bis die Kosten und Mühen schließlich zu groß geworden waren, um das Konzept noch aufrechtzuerhalten. Schade, denn die Themen der Schülerzeitung am FAG waren vielseitig: Politik, Berichte aus dem Schulgeschehen, Anekdoten und Umwelt standen im Inhaltsverzeichnis. Obwohl für Zips, seine Schüler und das Lehrpersonal die Wiederaufnahme aktuell kein Thema ist, schließt der Schulleiter eine „Wiederbelebung” in der Zukunft nicht generell aus.
Regina Wiederer und Rebekka Hack vom Scheinfelder Gymnasium hatten das dortige Schülerzeitungsprojekt vor zwei Jahren unter ihre Fittiche genommen. Dieses wird jetzt als Wahlfach am Mittwochnachmittag angeboten. Sie vermuten mittlerweile, dass sich die Teilnahme der Schüler am Kurs auch durch den damit zusätzlichen Nachmittagsunterricht in Grenzen hält. Deswegen wird den Interessierten ab der Oberstufe auch eine „Homeoffice”-Möglichkeit angeboten. Für jene, die den Kurs nicht zu Punktezwecken im Abitur besuchen, sondern ohnehin aus reiner Neugier, gibt es keine Noten.
„Wir bemühen uns auch, keine 90 Minuten knallharten Frontal-Unterricht zu machen, sondern ein lockeres und angenehmes Miteinander. Das schätzen die Jugendlichen sehr”, sagt Wiederer: „Schüler, die gerne schreiben, sollen in erster Linie auch mal außerhalb des Unterrichts – ohne das ganze Notenzeugs – die Möglichkeit haben, kreativ an die Sache ranzugehen.”
Die Änderung von Print zu ausschließlich Online sei aus ihrer Sicht elementar für den Fortbestand der modernen Schülerzeitung, sagt Wiederer: „Es gibt QR-Codes, die in der Schule verteilt sind, wo die Schüler ganz einfach mit ihrem mobilen Endgerät den Code scannen können. Von dort aus gelangt man direkt zu unseren Ausgaben.” Mittlerweile werden die Codes auch im Schüler-Elternportal der Schule abgebildet, und seit rund einem Jahr machen die beiden auch auf dem SMV-Instagram-Konto Werbung für die Schülerzeitung: „Das würde ich sagen, war auch unser Durchbruch und der Schritt in die richtige Richtung – damit haben wir einen Grundbaustein.” Ein weiterer Punkt für „online-only” waren natürlich die Druckkosten: Die spart man sich nun.
Ergänzend zur angebotenen Homeoffice-Option und dem Weglassen der Benotung, bemühen sich die Deutschlehrerinnen auch um Kooperationen, was den Nachmittagskurs für Schüler interessanter machen soll. „Wir hatten auch schon mal an verschiedene Workshops gedacht, zum Beispiel mit einem Fotografen, und jetzt kam halt die Kampagne des Bayerischen Rundfunks mit einer Jugendzeitung”, sagt Wiederer. „Das ist dann natürlich auch toll, wenn die Schüler mal raus können und nach Nürnberg zur Schulung dürfen.”
„Auch wenn's thematisch mal gar nicht passt, kriegt man trotzdem alles unter. Bei uns wird nichts abgewiesen”, erklären Wiederer und Hack. Sie sagen, das Feedback von Kollegen und Schülern des Gymnasiums sei positiv. Jedes Schulhalbjahr ist mit einem Grundthema versehen, welches zuvor gemeinsam innerhalb der Schulredaktion bestimmt wurde. Dementsprechend gäbe es momentan zwei große Ausgaben pro Schuljahr.
Laut den Lehrkräften gibt es keine Aufnahmevoraussetzungen für Schüler: „Wenn man da jetzt anfängt, auf Noten zu schauen und einen elitären Zyklus übt, dann macht ja keiner mehr mit. Das ist für mich nicht der richtige Weg”, sagt Regina Wiederer.