In Westmittelfranken war der Februar, ebenso wie bayern- und bundesweit, äußerst warm. Doch dadurch wird keineswegs die gesamte Natur beflügelt. So lassen sich nur manche Pflanzen zu einem Frühstart verführen.
„In Triesdorf betrug die Durchschnittstemperatur 6,3 Grad.“ Dr. Michael Tröster von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten verwies im Gespräch mit der FLZ auf den Messwert der Station des Deutschen Wetterdienstes für diesen Monat, der auch regional vielerorts der wärmste Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war.
Zum Vergleich: Von 1961 bis 1990 sei der Triesdorfer Februardurchschnitt minus 0,5 Grad gewesen, so der Leiter für Pflanzenbau und Versuchswesen in dem Nordbayerischen Bildungszentrum des Bezirks Mittelfranken.
Dass die Winter im langjährigen Mittel kürzer und milder werden, merken zum Beispiel Allergiker. Wer auf Frühblüher reagiert, hatte die ersten Symptome vor Jahrzehnten im März, dann viele Jahre Ende Februar, heuer jedoch nicht selten schon Mitte Februar – und teils noch zeitiger.
Birke, Erle und Hasel zählen zu den Bäumen, die alljährlich ihre Pollen zuerst losschicken. Was jedoch bei Allergikern für schniefende Nasen und juckende, tränende Augen sorgt, lässt das Herz von Imkern höherschlagen. „Die Hasel blüht. Das ist ein sehr guter Pollenlieferant für die Bienen.“ Mit diesem Beispiel unterstrich auf FLZ-Anfrage Dr. Nicole Höcherl, die Triesdorfer Fachkraft für Bienengesundheit, dass die Honigproduzenten der Lehranstalten heuer schon aktiv waren. Doch beim Fototermin war es den Insekten zu kalt. Das Thermometer bewegte sich nach einer kalten Nacht am Vormittag noch deutlich unter zwölf Grad. Ab dieser Temperatur in etwa fliegen die Bienen, wenn sie nicht strahlender Sonnenschein schon zum Beispiel bei acht Grad ins Freie lockt.
Sorgen die 150 Triesdorfer Völker für ein gutes Honigjahr? „Wir warten auf die Weidenblüte“, meinte die Diplom-Biologin nach dem guten Start. „Wir sind auf den Raps angewiesen und auf die Obstblüte“, erwähnte sie weitere Beispiele.
Doch die Obstbäume gingen bisher nicht durch die Decke. „Obwohl es sehr warm war, ist die Entwicklung der Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume nicht ungewöhnlich weit fortgeschritten“, erläuterte Martin Walther, der Produktionsleiter Obst der Lehranstalten. Der Grund ist aus seiner Sicht, dass die Nächte meist ziemlich kalt waren. Die monatliche Durchschnittstemperatur sei zwar sehr hoch gewesen, doch es hätten zwei bis drei durchgängig frühlingshafte warme Sonnentage gefehlt, so Dr. Michael Tröster.
Soweit indes auf den Feldern schon etwas sprießt, gibt es fast nichts zu meckern. „Die meisten Bestände sind sehr gut entwickelt, vor allem beim Raps“, betonte Dr. Michael Tröster.
Sehr zufrieden zeigte er sich auch mit den reichlichen Niederschlägen im Winter. Die Wintergerste habe jedoch teils sogar zu viel Feuchtigkeit abbekommen, so dass manche der Pflanzen durch Staunässe gelb seien. Eindeutig sind dagegen die Folgen der Wärme für die Vogelwelt. „Die Vögel passen sich der Witterung an. Teilweise ziehen sie nicht fort oder kommen früher zurück“, so Herbert Klein, der Ehrenvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Eines seiner Beispiele: „Am 1. Januar habe ich schon Rotmilane beobachtet.“ Dies sei im Bereich von Simmershofen, Gollachostheim und Pfahlenheim der Fall gewesen. Und bei Ulsenheim habe er ein Schwarzkehlchenpaar gesehen, das ungewöhnlich früh zurückgekehrt sei. Auch Kiebitze, Vogel des Jahres 2024, habe man heuer schon ungewöhnlich früh beobachtet.
Margareta Loscher, die Neustädter Kreisvorsitzende des LBV, verwies darauf, dass die Störche entweder im Winter hier bleiben oder eher als noch vor einigen Jahren zurückfliegen. So seien im Aischtal 80 Weißstörche gesichtet worden.