Mit Beginn des Jahres 2025 soll die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Ansbach wieder belegt werden. Derzeit ist das Gefängnis noch eine Baustelle, die Insassen sind in andere Haftanstalten verlegt worden.
Seit Mai vergangenen Jahres wird im Gefängnis an der Brauhausstraße gearbeitet. Von außen gibt es allerdings wenig zu sehen. Nur die aufgestockte Torwache fällt beim Blick von Osten auf den historischen Bau auf. In dem zusätzlich geschaffenen Raum haben nun Server und Schaltschränke ihren Platz.
„Der Technikraum war bislang im Untergeschoss und platzte aus allen Nähten“, erläuterte Andreas Knörr, der Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege erhielt der neue Raum ein begrüntes Dach. Doch das ist von außen nicht erkennbar.
Im Inneren des Hauptgebäudes wurde seit Mai letzten Jahres vor allem technisch aufgerüstet. Sprechanlagen wurden erneuert, Schließanlagen auf den aktuellen Stand der Technik gebracht, neue Videosysteme wurden installiert. Derzeit sind die Experten damit beschäftigt, alles anzuschließen und ordnungsgemäß einzurichten.
Parallel dazu gilt es noch, die Baustellenspuren zu beseitigen. Die Schlitze für die Leitungen müssen verputzt, Löcher in den Decken wieder geschlossen werden.
Der Küchenbereich ist hingegen schon fertig. Hier wurde der Bodenbelag neu gemacht, um den aktuellen Hygienevorschriften zu genügen. In der Ansbacher JVA kümmern sich die Gefangenen selbst ums Kochen. Essen für rund 80 Personen werden hier jeden Tag frisch zubereitet. Das ist gleichzeitig eine Art Arbeitstherapie.
Es sieht aus wie in einer modernen Großküche mit Kühlraum, Dampfgarer und einer großen Spülmaschine. Alles in Edelstahl, um gut saubergehalten werden zu können. Nur die vergitterten Fenster erinnern daran, dass man sich in einem Gefängnis befindet.
Abgesehen davon sind Fenster ausgetauscht worden, um eine bessere Isolierung zu erreichen. Und die Trink- und Löschwasserversorgung sind voneinander getrennt worden. Im Falle eines Brandes kann so besser sichergestellt werden, dass genug Wasserdruck für die Löscharbeiten vorhanden ist.
In diesem Zusammenhang sind auch die drei Übungen zu erwähnen, die die Ansbacher Feuerwehr im Frühjahr in der JVA abgehalten hat. Im laufenden Betrieb ist das kaum denkbar. Auf diese Weise haben die aktiven Wehrleute nun zumindest einen groben Überblick, was sie im Fall eines Falles erwartet. Angesichts der vielen verschlossenen Türen wäre ein echter Brand in der JVA aber dennoch ein Albtraum für die Einsatzkräfte.
Für die Feuerwehren, die Polizei und andere Gruppen, die mit dem Justizvollzug zu tun haben, soll es zum Abschluss der Umbauarbeiten in der Vorweihnachtszeit auch Führungen geben, kündigen Knörr und sein Vorgesetzter, Anstaltsleiter Thomas Vogt, an. Auf einen Tag der offenen Tür für alle Interessierten verzichten sie jedoch. Der Aufwand wäre zu groß.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Trennung von Lösch- und Trinkwasser: Es wurde ein größeres Leck im Löschwassersystem entdeckt, berichtet Knörr. Wie lange täglich Wasser verloren ging, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.
2,7 Millionen Euro sind für die gesamte Maßnahme veranschlagt. Angesichts der gestiegenen Preise in der Baubranche ist das bemerkenswert. Vor drei Jahren hatten die Planer mit 2,5 Millionen Euro kalkuliert. Dabei kam mit der Sanierung der Sandsteinmauer rund um das Grundstück sogar noch ein Posten hinzu. Es hatte sich gezeigt, dass manche der Abschlusssteine oben auf der Mauer im Lauf der Jahrzehnte in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Die Firma kommt gut voran“, stellte Andreas Knörr zufrieden fest.
Die Ansbacher JVA zählt zu den kleinen Gefängnissen in Bayern. Sie ist angegliedert an die Haftanstalt in Nürnberg. In Ansbach ist Platz für 75 Häftlinge. Es gibt 42 Einzelhafträume, wie die Zellen offiziell genannt werden. Untergebracht sind hier in der Regel Straftäter mit einer Haftstrafe von bis zu sechs Monaten. Wer länger einsitzen muss, kommt in eine andere Einrichtung. Hinzu kommen Untersuchungshäftlinge und Angeklagte, deren Gerichtsprozess in Ansbach läuft. Auf diese Weise müssen sie nicht täglich von einer anderen Justizvollzugsanstalt nach Ansbach gebracht werden.
Der Hauptbau des Gebäudes mit der markanten Natursteinfassade und den Rundbogenfenstern stammt aus dem Jahr 1855. Er ist wie ein T angelegt. Von 1999 bis 2002 ist die JVA zuletzt saniert worden. Damals entstand hinter dem historischen Gebäude ein Anbau, in dem unter anderem die Arbeitstherapie sowie ein Mehrzweckraum untergebracht sind.