Die Mitglieder des Ansbacher Heimatvereins freuen sich riesig. Denn die Rokoko-Festspiele gehören nun zum immateriellen kulturellen Erbe Bayerns. Im vergangenen Jahr stellte ein Trio aus dem Verein den Antrag, füllte dafür zahlreiche Formblätter detailgenau aus. Jetzt kam die positive Rückmeldung vom bayerischen Heimatministerium.
Zu dem Trio gehörte Michael Weigl, 2025 noch Kassier, jetzt Vorsitzender des Ansbacher Heimatvereins. Seine Mitstreiterinnen waren die Schriftführerin Monika Zehnder und Renate Weinmann, die in der städtischen Tourist-Info tätig ist und sich jahrzehntelang für die Rokoko-Spiele engagiert hat. „Wir hatten vor einiger Zeit schon mal die Idee, uns zu bewerben, hatten damals aber nicht die Manpower”, erzählt Weigl. „Jetzt kam die Stadt auf uns zu mit der Anregung, ob wir es versuchen wollen.”
Gesagt, getan. „Wir drei haben sehr viel zur Geschichte des Vereins recherchiert, haben uns mit dem ersten Theaterstück über den wilden Markgrafen beschäftigt, alles akribisch erarbeitet und zusammengefasst, um die Vorgaben zu erfüllen”, schildert Michael Weigl. „Angefangen haben wir im April letzten Jahres, am 31. Oktober wurden dann die Unterlagen eingereicht.” Per E-Mail kam nun die Information, dass es geklappt hat – dass den Rokoko-Festspielen der begehrte Titel zuerkannt wurde. Das farbenfrohe Historienspektakel zählt damit offiziell zu den bedeutendsten Traditionen im Freistaat.
19 Neuaufnahmen sind in der Landesliste des Immateriellen Kulturerbes zu verzeichnen, darunter auch die Erlanger Bergkirchweih, das Metallspitzenklöppeln in Abenberg und die Krippentradition Tirschenreuth. Aus dem westlichen Mittelfranken sind die Rokoko-Spiele die einzige Neuaufnahme. Insgesamt hat das Verzeichnis 103 Eintragungen.
„Den Reichtum unseres Landes an verschiedensten Traditionen und Bräuchen in der Gegenwart zu erhalten und in die Zukunft zu tragen, haben sich viele Menschen im Freistaat mit großem Engagement zur Aufgabe gemacht”, erklärte der bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker anlässlich der Neuaufnahmen in einer Pressemitteilung. „Das immaterielle kulturelle Erbe Bayerns symbolisiert Heimat und vermittelt ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft.”
Für den Ansbacher Heimatverein ist die Aufnahme in die Liste zum einen ein Grund für große Freude, zum anderen die Basis für Zukunftsperspektiven. „Für uns als Verein bedeutet der Titel auch ein Stück Sicherheit”, sagt Weigl. „Es wird die Festspiele weiterhin geben, wir können weiterhin den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt etwas aus Ansbachs Geschichte zeigen. Die Sache, für die wir stehen, wird auf Dauer am Leben erhalten.”
Der Verein hat derzeit rund 280 Mitglieder, davon etwa 100 aktive. Sie wirken bei den Festspielen als Tänzerinnen und Tänzer mit, schlüpfen in die Rollen der Soldaten, der Hofdamen und Kavaliere oder werden gar für ein paar Tage zum Markgrafen und zur Markgräfin. Auch Friedrich der Große, König von Preußen, taucht mitunter auf, ist er doch verwandtschaftlich eng verbunden mit Ansbach.
2025 wurde das Festspiel mit seinen historischen Tänzen und opulenten Kostümen, mit Theater und Musik 75 Jahre alt. Die Stadt feierte das Jubiläum mit einem vielfältigen, zehntägigen Programm. Heuer wird es lediglich bunte Rokoko-Markttage an drei Terminen im Mai, Juni und Juli geben, auf die sich der Verein bereits freut. „Wir haben schon viele Ideen, das wird eine schöne Sache”, verspricht der Vorsitzende, der im Alltag Hausmeister an der Fachoberschule in Ansbach ist.
Bereits in der bayerischen Liste sind aus der Region die historischen Festspiele „Der Meistertrunk” in Rothenburg und die „Kinderzeche” in Dinkelsbühl (beide im Jahr 2014 aufgenommen), der Windsbacher Knabenchor mit den Knabenchören in Regensburg, Augsburg und Bad Tölz (2024) sowie die Osing-Verlosung (2014) mit den vier Gemeinden Herbolzheim, Humprechtsau, Krautostheim und Rüdisbronn. Die Verlosung von Ackerflächen am Südrand des Steigerwaldes im Zehn-Jahres-Turnus gehört auch zum bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes mit 168 Eintragungen.