Freizeit für Menschen mit psychischer Erkrankung in und um Ansbach | FLZ.de

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Freizeit für Menschen mit psychischer Erkrankung in und um Ansbach

Sozialpädagogin Waltraud Meyer vom Ambulant Betreuten Wohnen des Diakonischen Werks Ansbach organisiert und begleitet das Freizeitangebot für mehr soziale Teilhabe. (Foto: Silvia Schäfer)
Sozialpädagogin Waltraud Meyer vom Ambulant Betreuten Wohnen des Diakonischen Werks Ansbach organisiert und begleitet das Freizeitangebot für mehr soziale Teilhabe. (Foto: Silvia Schäfer)
Sozialpädagogin Waltraud Meyer vom Ambulant Betreuten Wohnen des Diakonischen Werks Ansbach organisiert und begleitet das Freizeitangebot für mehr soziale Teilhabe. (Foto: Silvia Schäfer)

Das Freizeit-Programm ist auf Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen ausgerichtet. Die Auszeit in einem geschützten Rahmen soll sie zu Aktivitäten ermutigen, ohne sich zu überfordern.

Wer krank ist, braucht Verständnis und Unterstützung. Sozialpädagogin Waltraud Meyer ist eine erfahrene Fachkraft des Ambulant Betreuten Wohnens des Diakonischen Werks Ansbach, wo sie seit über 20 Jahren tätig ist. Zuvor machte die gebürtige Eyberin Jugendarbeit bei der Evangelischen Landjugend und war Bezirksreferentin.

Menschen mit seelischem Leid

Sie verbringt viel Zeit im direkten Kontakt mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die aufgrund ihrer Erkrankung mit Problemen und Unsicherheiten kämpfen. Waltraud Meyer bekommt in ihrem praxisorientierten Berufsfeld mit, welche Vorurteile und Diskriminierung psychisch Erkrankte im Alltag erleben.

Wie Betroffene ihren sozialen Status einbüßen und nicht mehr für voll genommen werden. Sie würden mit abwertenden Begriffen belegt und als inkompetent abgestempelt. Menschen mit Suchterkrankungen gelten als verantwortlich für ihre Probleme.

Betroffene hätten nicht nur mit den Symptomen ihrer Erkrankung zu kämpfen, sondern auch damit, dass das Umfeld auf Abstand gehe. Dabei wäre soziale Unterstützung nötig, anstatt sie aus Angst oder Verlegenheit zu meiden.

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Den Platz in der Gesellschaft finden

Freizeitangebote sind ein wichtiger Bestandteil sozialer Integration, sagt die Sozialpädagogin. Es gibt sie für unterschiedliche Interessen. Die Bedeutung solcher Aktivitäten liege in der Förderung von Selbstbewusstsein. Die so entstehenden Begegnungen außerhalb des Alltags böten die Gelegenheit, neue Fähigkeiten zu entwickeln, soziale Kontakte zu knüpfen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Dies stärke nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern trage auch zur persönlichen Entwicklung und Lebensqualität der Betroffenen bei. Schöne Erlebnisse seien die Grundlage für ungezwungenes und empathisches Kennenlernen, um Vielfalt zu schätzen und ein Miteinander zu leben. Dies fördere Empathie, Toleranz und ein Verständnis füreinander, erzählt Waltraud Meyer von ihren Erfahrungen und von ihrer Verantwortung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung.

Seit mehr als 20 Jahren organisiert und begleitet sie in Zusammenarbeit mit ihrem Dienststellenleiter Gerald Seis für das Klientel des Ambulant Betreuten Wohnens Freizeitfahrten. Zunächst war sie allein mit der Aufgabe betraut, eine kleine Gruppe zu führen. Mit weiteren Mitarbeitenden konnte die Teilnehmerzahl des im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Angebots gesteigert werden.

Gemeinsames Ausflugserlebnis

Am Sonntag fahren insgesamt 18 Personen für ein gemeinschaftliches Erlebnis nach Maierhofen. Der sechstägige Aufenthalt in einer familiengeführten Pension schafft ein Umfeld, in dem sich alle akzeptiert und wertgeschätzt fühlen sollen. 13 Personen haben eine psychische Erkrankung. Mit dabei sind zwei weitere Teilnehmer, deren Entwicklung sich bereits so weit gefestigt hat, dass sie nicht mehr auf Unterstützung im Rahmen der Eingliederungshilfe angewiesen sind.

Schon im Vorfeld der Reise wurde auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse jedes Einzelnen eingegangen, denn es ist besonders wichtig, dass sie alle sich in dem sozialen Gefüge gut zurechtfinden und in der unterstützenden Umgebung wohlfühlen, erläutert die Sozialpädagogin. Durch gezielte Planung und die Rolle der Mitarbeitenden lege man die Grundlage für gelebte Inklusion mit dem bewussten Wahrnehmen der eigenen Möglichkeiten und Grenzen als Motivation, sich zu entfalten.

Der „Social Club – Freundeskreis der Sozialpsychiatrie” bezuschusst die inklusive Freizeit mit 1620 Euro. Pia Dobberstein, die Vorsitzende des Vereins, dessen Einzugsgebiet in den gesamten westmittelfränkischen Raum reicht und der sich die Förderung seelischer Gesundheit auf die Fahnen geschrieben hat, hatte sich erneut für eine finanzielle Unterstützung stark gemacht.

Die pensionierte Sozialpädagogin und langjährige Mitarbeiterin der Diakonie ist inzwischen gestorben. „Wir haben uns gut verstanden“, sagt Waltraud Meyer. Der plötzliche Tod der 68-jährigen Dobberstein traf sie unerwartet und hinterlasse eine Lücke in der Gemeinschaft.


Von Silvia Schäfer
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