Drinnen im Festsaal der Residenz sind die Restaurierungsarbeiten weitgehend geschafft, die Farben des prächtigen Deckenfreskos leuchten wieder. Auch an der Gabrieli-Fassade zur Promenade hin geht es voran: Das Gerüst in diesem Bereich ist mittlerweile komplett verschwunden, der freie Blick auf den barocken Bau ist wieder möglich.
Das Gerüst an der linken Seite der von Baumeister Gabriel de Gabrieli gestalteten Hauptfassade „stand dort mehrere Monate für den zweiten Teil der Fenstersanierung”, berichtet Florian Schröter von der Pressestelle der Bayerischen Schlösserverwaltung in München. „Es wurde im November nach erfolgreich abgeschlossener Sanierung abgebaut.”
Andere Seiten des Schlosses bleiben allerdings noch länger hinter Gerüsten verborgen, denn die Sanierung der Residenz der einstigen Markgrafen ist ein Mammutprojekt. Seit fast 25 Jahren sind die aufwendigen Restaurierungsarbeiten im Gange. Das Ziel ist es, die alte Bausubstanz und die kostbare Innenausstattung zu bewahren und so auch für künftige Generationen erlebbar zu machen. Immerhin gehört die Ansbacher Residenz zu den am besten erhaltenen barocken Residenzen in Deutschland überhaupt. Damit das so bleibt, muss viel getan werden.
„Die Bayerische Schlösserverwaltung widmet sich seit 2001 der sorgfältigen Sanierung der Residenz Ansbach, insbesondere der umfangreichen Fassadensanierung. Schäden am Naturstein machten die Sanierung erforderlich, um insbesondere die Substanz des Gebäudes zu sichern”, präzisiert Florian Schröter. „Die genehmigten Gesamtbaukosten der Sanierungsmaßnahmen an der Residenz Ansbach betragen rund 27 Millionen Euro.” Gearbeitet wird in mehreren Abschnitten, wobei stets „die Erhaltung des ursprünglichen Charakters aus dem 18. Jahrhundert im Mittelpunkt steht”.
Nachdem im Jahr 2020 die Fassadensanierung auf der Nordwestseite der Residenz abgeschlossen war, wurde der Südwesttrakt eingerüstet. Während sämtlicher Fassadenarbeiten ist „ein aufwendiger mehrstufiger Staubschutz” notwendig, damit die wertvoll ausgestatteten Innenräume keinen Schaden nehmen durch eindringende Schmutzpartikel. Dazu gehörte es, die Fensteröffnungen komplett mit Holzplatten abzudichten. Zudem wurden alle sensiblen Objekte und die textilen Wandbespannungen mit weißen Tüchern oder mit Folien verhüllt.
Derzeit wird die Südwestfassade im Bereich des Karl-Burkhardt-Platzes weiter abschnittsweise saniert, wie der Pressesprecher erläutert. „Naturstein-Dachgauben, Fenstergewände und Putzflächen” seien bereits erneuert und Fenster ausgetauscht worden. „Der finale Anstrich der Fassade erfolgt voraussichtlich im Frühjahr 2026, sobald es die Temperaturen erlauben.”
Zudem ist die Fassade zur Residenzstraße, die den nächsten großen Sanierungsabschnitt bildet, eingerüstet. „Aktuell laufen hier Arbeiten am Dachstuhl und an den Naturstein-Dachgauben im Bereich der Mansarde”, so Schröter. „Die Fassade zur Residenzstraße wird voraussichtlich bis in das Jahr 2027 eingerüstet bleiben.” Auch in dieser Zone sind „aufwendige Staubschutzmaßnahmen im Innenraum” erforderlich. An der Seite zur Residenzstraße befindet sich zum Beispiel der berühmte Kachelsaal mit rund 2800 Fliesen aus der ehemaligen Ansbacher Fayencemanufaktur.
Weitere Höhepunkte in der Residenz sind etwa jenes Deckengemälde von Carlo Carlone im Festsaal und das funkelnde Spiegelkabinett mit seinen erlesenen Porzellanfiguren. Die Innenausstattung im Stil des Rokoko ist so wertvoll und bedeutsam, weil sie nach der Abdankung des letzten Markgrafen Carl Alexander 1791 in beinahe 30 fürstlichen Gemächern und Repräsentationsräumen fast vollständig erhalten geblieben ist. Sogar die Seidentapeten und Polstermöbel sind in weiten Teilen original – eine Seltenheit nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.
Aus einer spätmittelalterlichen Anlage entstanden, erhielt das Schloss seine jetzige äußere Gestalt ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert durch die Baumeister Gabriel de Gabrieli, Karl Friedrich von Zocha und Leopold Retti. „Kaum eine Residenz in Deutschland hat ihren ursprünglichen Zustand des 18. Jahrhunderts so bewahrt wie die Ansbacher Residenz”, heißt es seitens der Schlösserverwaltung.