Freie-Wähler-Spitzenkandidatin trifft Bauern in Markt Bibart | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.05.2024 13:00

Freie-Wähler-Spitzenkandidatin trifft Bauern in Markt Bibart

Landwirt Klaus Leistner (Zweiter von links, rechts daneben seine Frau Petra und Sohn Christoph) erläutert den FW-Politikerinnen Dr. Birgit Kreß (links), Christine Singer (Fünfte von links) und Gabi Schmidt (Zweite von rechts) sowie dem Markt Bibarter UWG-Rat Markus Stubenrauch (rechts) seinen Betrieb in Burgambach. (Foto: Andreas Reum)
Landwirt Klaus Leistner (Zweiter von links, rechts daneben seine Frau Petra und Sohn Christoph) erläutert den FW-Politikerinnen Dr. Birgit Kreß (links), Christine Singer (Fünfte von links) und Gabi Schmidt (Zweite von rechts) sowie dem Markt Bibarter UWG-Rat Markus Stubenrauch (rechts) seinen Betrieb in Burgambach. (Foto: Andreas Reum)
Landwirt Klaus Leistner (Zweiter von links, rechts daneben seine Frau Petra und Sohn Christoph) erläutert den FW-Politikerinnen Dr. Birgit Kreß (links), Christine Singer (Fünfte von links) und Gabi Schmidt (Zweite von rechts) sowie dem Markt Bibarter UWG-Rat Markus Stubenrauch (rechts) seinen Betrieb in Burgambach. (Foto: Andreas Reum)

Bürokratie und immer wieder Bürokratie. Regelungen, Anträge, Kontrollen – das treibt die Landwirte (und nicht nur sie) um. Christine Singer weiß das. Sie ist ja selbst Landfrau, sozusagen oberste Landfrau als Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Aktuell aber ist Singer auch Spitzenkandidatin der Freien Wähler (FW) für die Europawahl – mit guten Aussichten, demnächst Europaabgeordnete zu sein. Selbst wenn die Partei bundesweit in Umfragen nach wie vor unter fünf Prozent liegt – für die Europawahl spielt das keine Rolle. Da gibt es keine feste Prozenthürde, nur eine rechnerisch-theoretische von nicht einmal einem Prozent.

Dass die Hauswirtschaftsmeisterin aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen ihren Wahlkampf auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim führt, liegt an einer anderen Wahl-Baustelle, die die Freien Wähler gerade bearbeiten: Die FW haben bei der hiesigen Landratswahl mit Dr. Birgit Kreß ein Eisen im Feuer. Sie wird bei Singers Tour nicht müde, ihre eigenen bäuerlichen Wurzeln zu betonen und bezeichnet sich selbst als „Landwirtin a. D.“

Gesellschaft braucht Bewusstseinswandel

Der Freie-Wähler-Tross, dem als Dritte im Bunde noch die hiesige Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt angehört, hat sich als Ziele den Maschinenring Franken-Mitte, einen Rinder- und Schweinebetrieb in Markt Bibart und einen Schweinehalter in Burgambach auserkoren. Beim Maschinenring, in dessen Geschäftsstelle im Gewerbepark Steigerwald, sind vor allem Vorsitzender Herbert Weigand und Geschäftsführer Manuel Burger die Gesprächspartner.

Weigand wirft die Frage auf, wie man es schaffen kann, die Jugend auf den Dörfern zu halten. Singer antwortet, es brauche einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel – sie spricht von „Mindset“ – in Richtung zu mehr Unternehmergeist: „Ein Unternehmer hat eine ganz andere DNA als ein Arbeitnehmer“, sagt Singer, und: „Handwerk und Landwirtschaft sind etwas Elementares.“

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Freilich geht es oftmals um Bürokratie: Burger führt an, dass vor einigen Jahren ein Antrag an die für die Landwirte zuständige Sozialversicherung mit einer DIN-A4-Seite auskam, nun seien es sechs bis 14.

Schweinebauern ringen mit den Vorschriften

Auf dem Käppner-Hof in Markt Bibart klingt eines der Dauerreizthemen der Landwirtschaft an: Betriebsleiter Johannes Käppner hadert mit den Düngeregeln, die ihm das Leben schwer machen, beziehungsweise mit den nicht immer nachvollziehbaren Vorschriften.

Und ebenfalls mit Vorschriftsverschärfungen ringen die Schweinehalter, wie auf dem Hof von Klaus Leistner in Burgambach zu hören ist. Dort bestreitet der BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff, eigentlich ein CSU-Mann, aber im Brotberuf selbst Schweinehalter, einen Gutteil der Moderation. Er erläutert, dass eine neue EU-Richtlinie für Leistner eine immense Investition nach sich zöge, bei der man sich die Frage der Wirtschaftlichkeit stellen müsse.

Singer hört zu, auch wenn ihr die meisten Inhalte sicherlich längst geläufig sind. Sie nimmt Stellung, meist im Sinne der Landwirte, und lobt im Übrigen den Green Deal der EU für dessen Zielsetzung eines „grünen Wandels“ hin zur CO2-Neutralität: „Das Klimaziel zu erreichen ist in unser aller Sinn.“ Zugleich kritisiert die Spitzenkandidatin die Art und Weise: Man müsse den Green Deal praxistauglich machen, findet die FW-Politikerin.

Ermessensspielraum contra Bürokratie

Zu bürokratischen Angelegenheiten hat im Übrigen auch Kreß eine klare Haltung: Regeln müsse man einhalten, aber ein Landrat oder eine Landrätin müssen auch die Ermessensspielräume nutzen.

Insbesondere an den beiden Bauernhöfen findet sich im Besuchsverlauf auch etwas Publikum ein und debattierte mit: Lamentieren über so manches Verbraucherverhalten, Kontrastieren mit der „anderen Gründlichkeit“ (Singer) bei der EU-Regelumsetzung – etwa in Österreich – und ein bisschen Grünen- und Öko-Bashing, an dem sich Singer nur punktuell beteiligt.

Einem ebenfalls anwesenden Landwirt, der sich als Protest- und AfD-Wähler zu erkennen gibt, liest Schmidt die Leviten: Protestwählen sei, als würde man seinen Nachbarn ohrfeigen, weil man die Schwiegermutter nicht mag. Da hatte sie die Lacher auf ihrer Seite.

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