40 Jahre schon währt die Verbindung zwischen der Freiwilligen Feuerwehr vom „kleinen Frankfurt“ im Steigerwald und der Wehr von Nieder-Erlenbach, einem Stadtteil vom „großen“ Namensvetter Frankfurt am Main.
40 Jahre schon währt die Partnerschaft zwischen der Freiwilligen Feuerwehr vom „kleinen Frankfurt“ im Steigerwald und der Wehr von Nieder-Erlenbach, einem Stadtteil vom „großen“ Namensvetter Frankfurt am Main. Zum Jubiläum traf man sich in Hessen.
Rund Aktive mit ihren Familien aus den zwei Markt Taschendorfer Ortsteilen Frankfurt und Birkach füllten einen Bus. Man ist freudig gestimmt auf den Tag – es geht mal wieder zu den Liebsten. Im hinteren Busteil wird ein Dankeslied einstudiert. Die Melodie ist bekannt, der Text umgedichtet von Dominik Gareis. „Was wär’n wir ohne uns’re Freunde“, heißt es im Refrain. Nicht so gut aufgestellt, will man meinen. Doch am Ende des Tages ist klar, dass die beiden Wehren mehr verbindet als alles Materielle.
Beim Empfang der Gäste am Nieder-Erlenbacher Feuerwehrhaus liegt man sich in den Armen. In ihren Ansprachen geben der junge Wehrführer vom Main Bernhard Hahn, im Steigerwald von klein auf bekannt als Berny, der damalige Wehrführer Gerd Cerny und auch der Frankfurt-Birkacher Kommandant Hans-Jürgen Gareis einen Rückblick auf die Entstehung der Partnerschaft.
Auch ein aufbewahrter hessischer Zeitungsbericht gibt Auskunft. Tatsächlich waren mehrere erste Annäherungsversuche von Steigerwälder Persönlichkeiten, sich ob der Namensgleichheit zu verbrüdern, seit 1939 im Sand verlaufen. 1983 hatte es der damalige Kommandant Heinrich Helm erneut versucht, und stieß beim städtischen Branddirektor Professor Dr. Ernst Achilles – an den man sich noch heute gut im Steigerwald erinnert – auf offene Ohren.
Arg mitleidig muss Achilles gewesen sein. Denn als er hörte, dass „in Frankfurt die Einsätze mit einem Traktor gefahren werden“, bot er, laut Gareis, zusammen mit Peter Rhein – Vater des heutigen Ministerpräsidenten von Hessen – den Kameraden, die „fernab der modernen Feuerwehrtechnik ehrenamtlichen Dienst“ taten, umgehend eine Partnerschaft an. Erich Hahn, Bernys Vater, und Gerd Cerny, die damaligen Wehrführer der Nieder-Erlenbacher Wehr, eine von 28 Stadtteilwehren, sagten spontan zu.
Seither trifft man sich im jährlichen Wechsel, macht gemeinsame Ausflüge und lernt dabei Land und Leute kennen. „Wir feiern gerne“, könnte ein Slogan der Partnerwehren heißen. Die einen lassen sich beim Tanzen die bayerische Kultur näherbringen, die anderen bekommen bei der 75-Jahr-Feier der Nieder-Erlenbacher im Jahr 2012 gar zwei Bedienungen an einen Tisch, „weil 0,3 immer gleich leer war“.
Trotzdem wird auch ernsthaft Hand angelegt. Gemeinsam hält man Übungen ab oder hilft beim Pflastern, als die Hessen 2005 ein neues Feuerwehrhaus bekamen. Zur Einweihungsfeier brachten die Steigerwälder unter Kommandant Christian Göttfert einen Maronenbaum mit, der mittlerweile zu einem schattenspendenden Baum gewachsen ist.
Wenn der große Bruder kommt, bringt er nur brauchbare Geschenke mit. Hahn informierte, dass örtliche Feuerwehren ebenso ausgestattet werden wie die Frankfurter Berufsfeuerwehr. Daher ist es ein Leichtes „dort, wo anders gewirtschaftet wird, mit Ausstattung zu unterstützen“. Beispielsweise mit einer Alarmsirene oder zum 100-jährigen Bestehen der kleinen Frankfurter Wehr 1985 mit einem ausrangierten, aber viel zu großen LF 8, ein „Opel Blitz“. Weil das Auto nicht ins Gerätehaus passte, übernahmen es kurzerhand die Markt Taschendorfer.
Achilles nahm persönlich Maß am Gebäude und schickte ein Jahr später einen VW LT 31, der erst kürzlich aufgegeben werden musste. Für das selbsterworbene Nachfolgermodell, das die Groß-Frankfurter als „guten Schuss“ bezeichnen, muss aber im Steigerwald nun ein Anbau her. Bei der Überführung des Fahrzeuges legte man natürlich einen Zwischenstopp bei den Freunden ein.
Achilles war es auch, der den Anstoß zur Gründung einer Jugendfeuerwehr im fränkischen Frankfurt gab. Zu dieser stieß der Birkacher Hans-Jürgen Gareis 1985 hinzu, und berichtet mit dankbarem Stolz, dass es ihnen einst die Großstadt überhaupt ermöglicht hatte, sauber ausgestattet und eine Standarte schwenkend am Festumzug zum 100-jährigen Jubiläum mitzulaufen.
Dann wird beim Festakt zum 40. Gareis von Stadtbrandinspektor Dirk Rübesamen eine Ehrenauszeichnung in Gold überreicht. Als Würdigung für dessen langjährige Partnerschaftspflege. Das Abzeichen wird Gareis von Petra Roth angeheftet. Die ehemalige Oberbürgermeisterin ist Nieder-Erlenbacherin und Ehrenzugführerin der Stadtteilwehr.
Später im Lokal werden Erinnerungen ausgetauscht. „Es gibt nichts Vergleichbares“, meint die Hessin Marianne Lenz, und „wenn wir in den Steigerwald fahren, fühlt man sich immer gleich zu Hause“.
Der hessische Wehrführer Bernhard Hahn sagt hierzu: „Hinter der Partnerschaft stehen Menschen. Das macht es interessant.“ Die Steigerwälder „haben einen anderen Hintergrund als wir Städter“, sagt Hahn, „ein anderes Lebensumfeld; zu sehen, wie sich das Leben verändert, wie Lebenswege vorangehen“ – das mache die Freundschaft aus. Auch seien die kleinen Frankfurter ein Garant für Spaß – „mit ein bisschen Alkohol sind die richtig pflegeleicht“. Und natürlich verbindet das gemeinsame Ehrenamt, das Gesprächsstoff liefert. So rückt die Partnerwehr vorwiegend zur Ergänzung der städtischen Berufsfeuerwehr aus. Sie hilft bei Großeinsätzen, bei Evakuierungen im Falle von Bombenentschärfungen oder hält Brandwache.
Und da ist es dann, das Dankeslied, einstudiert im Bus. Die Idee zur Einlage hatte Vereinsvorsitzender Matthias Weiner. Die Nieder-Erlenbacher sind gerührt und finden auch das ausrangierte Ortsschild von Frankfurt als Geschenk originell. Dies hat Bauhofmitarbeiter Robert Fischer eingefädelt und auf der Rückseite gar vermerkt, damit alles seine Richtigkeit hat, dass es zum Aluschrottpreis aus der Inventarliste gestrichen wurde.
Die lange Fernbeziehung allein mag künftig schon verpflichtend sein – und doch wäre es für Gerd Cerny das I-Tüpfelchen, wenn sich einmal ein Brautpaar fände. Genügend Nachwuchs gäbe es bereits in den beiden Feuerwehrfamilien.