Fränkisches Museum zeigt Spuren jüdischen Lebens in Feuchtwangen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.05.2024 17:02

Fränkisches Museum zeigt Spuren jüdischen Lebens in Feuchtwangen

Museumsleiterin Dr. Uta Karrer bei ihrer Eröffnungsansprache zusammen mit den Gymnasiasten, die mitgewirkt hatten. (Foto: Martina Kramer)
Museumsleiterin Dr. Uta Karrer bei ihrer Eröffnungsansprache zusammen mit den Gymnasiasten, die mitgewirkt hatten. (Foto: Martina Kramer)
Museumsleiterin Dr. Uta Karrer bei ihrer Eröffnungsansprache zusammen mit den Gymnasiasten, die mitgewirkt hatten. (Foto: Martina Kramer)

Ehemaligen jüdischen Einwohnern von Feuchtwangen ein Gesicht geben, das will die Ausstellung im Fränkischen Museum, die jetzt eröffnet worden ist. „Spuren jüdischen Lebens in Feuchtwangen“ verfolgt diese multimediale Sonderschau anhand des Schicksals dreier Familien.

Die Idee dazu entstand vor knapp einem Jahr. Damals war die US-amerikanische Botschafterin Amy Gutmann aus Berlin angereist, als vor dem Haus ihrer Großeltern, die in Feuchtwangen einst ein Bekleidungsgeschäft betrieben haben und 1937 vertrieben wurden, Stolpersteine verlegt wurden. Nun rückt die aktuelle Sonderausstellung im Fränkischen Museum die Gutmanns sowie die Familien Abraham und Neumann/Lapian in den Fokus.

Schüler in das Projekt eingebunden

„Wir wollen zurückschauen, aber auch gleichzeitig den Blick in die Zukunft richten“, sagte Museumsleiterin Dr. Uta Karrer bei ihrer Eröffnungsansprache. Deshalb sei die Idee, Schülerinnen und Schüler in dieses Projekt einzubinden, zustande gekommen. Hanna Seng und Clara Schwab von der Klasse 11c des Feuchtwanger Gymnasiums illustrierten ihr Anliegen, auf die Ereignisse weit vor ihrer Geburt aus heutiger Sicht zu blicken.

In der Sonderschau zeigt das Museum sorgfältig aufgefächerte Lebensläufe der Familien Gutmann, Abraham und Neumann/Lapian. Es gibt einen interaktiven Stadtplan Feuchtwangens, anhand dessen Orte, wo weitere jüdische Familien gelebt haben, sichtbar gemacht werden. Überdies werden Aufzeichnungen von Interviews mit Nachfahren der hier präsentierten Familien gezeigt.

Kampf gegen den heutigen Antisemitismus

In Vertretung von Amy Gutmann war Cherrie S. Daniels, US-Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten, aus Berlin nach Feuchtwangen gekommen. Nicht nur das Gedenken an den Holocaust sei wichtig, sondern auch zu zeigen, wie Juden damals hier gelebt haben: Sie seien ein aktiver Teil der Gesellschaft gewesen. Gerade angesichts dessen, was sich zurzeit in der Welt ereigne, bedürfe es dieses Bewusstseins. „Wie Präsident Biden in seiner Ansprache zu den Gedenktagen für die Opfer des Holocaust sagte: ,Wir ehren die Opfer der Nazis und die Überlebenden des Holocaust, indem wir gegen den heutigen Antisemitismus und alle Formen der von Hass geschürten Gewalt kämpfen.‘“

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„Im Krieg gibt es nur Verlierer“

„Im Krieg gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer“, sagte Zvi Lapian, der aus Jerusalem angereist war. Es sei für ihn stets emotional sehr bewegend, nach Feuchtwangen zu kommen: Hier fühle er sich eng mit seiner Mutter verbunden, die vor der Vertreibung 1937 mit ihrer Familie im Obergeschoss der Synagoge gelebt habe.

Heute könne er sich hier wieder zu Hause fühlen, angesichts dessen, wie sich Deutschland mit seiner Geschichte auseinandergesetzt habe. „Wir leben in einer unruhigen Zeit. In Israel hat sich der schlimmste Angriff auf Juden seit dem Holocaust ereignet.“ Bei der Bewertung dessen solle man darauf achten, sich seine Meinung anhand der Fakten zu bilden.

„Wir müssen das Bewusstsein für die Bedeutung unserer demokratischen Werte schärfen“, betonte Bürgermeister Patrick Ruh, der auch den das Fränkische Museum tragenden Verein für Volkskunst und Volkskunde leitet. Diese Ausstellung leiste dafür einen wichtigen Beitrag, weil sie den Blick auf den Einzelnen richte. „Viele kleine Projekte tragen zum Großen und Ganzen bei“, erklärte stellvertretender Bezirkstagspräsident Herbert Lindörfer. Wichtig sei es, junge Menschen dabei einzubinden, wie diese Ausstellung es auf vorbildhafte Weise tue.

Die Ausstellung im Fränkischen Museum geht bis zum 18. August.


Von Martina Kramer
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