FLZ-Reise: Mit dem Stadtzeiger auf Hamburg-Tour | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.12.2024 15:34

FLZ-Reise: Mit dem Stadtzeiger auf Hamburg-Tour

Ein modernes Wahrzeichen der Freien und Hansestadt Hamburg: die Elbphilharmonie. (Foto: Thomas Wirth)
Ein modernes Wahrzeichen der Freien und Hansestadt Hamburg: die Elbphilharmonie. (Foto: Thomas Wirth)
Ein modernes Wahrzeichen der Freien und Hansestadt Hamburg: die Elbphilharmonie. (Foto: Thomas Wirth)

Warum fährt man nach Hamburg? Weil es eine der schönsten Städte ist? Vielleicht. Und wenn man schon öfter dort war, warum dann wieder? Seit 2017 gibt es einen guten Grund: die Elbphilharmonie. Von außen kennen das Gebäude fast alle. Aber ein Konzerthaus muss man nicht nur sehen, man muss es hören.

Genau das wollten die Reisenden, die mit der Fränkischen Landeszeitung nach Hamburg fuhren. Sie wollten die Elbphilharmonie erleben. Und das mit einem der besten Orchester der Welt, den Wiener Phiharmonikern, die Christian Thielemann an diesem Abend dirigierte. Ein Ereignis, keine Frage. Darauf lief die Reise zu. Das war ihr krönender Abschluss.

Sightseeing: Hanseatisches Understatement

Die zwei Hamburg-Tage zuvor? Nun ja, wie Sightseeing so ist, man macht eine solche Tour eben mit – wer so dachte, konnte nicht wissen, dass er mit Ronald Lührs einen Mann vorneweg und an der Seite hatte, wie sich Hammonia einen Stadtführer erträumt. In der Hammonia, einer allegorischen Frauenfigur, verkörpert sich die Freie und Hansestadt Hamburg selbst. Hammonia ist eine hanseatische Schwester der Bavaria. Bloß gibt es sie nicht als Kolossalstatue, die auf einer Wiese ihre eigene Wichtigkeit darstellt. In Hamburg pflegt man Understatement.

Das geht so weit, dass selbst Hamburger ihre Metropole bei aller Schönheit doch für ein bisschen provinziell halten. Aber das könnte hanseatische Ironie sein. Die Stadt hat immerhin 1,9 Millionen Einwohner, ein Fünftel davon sind Ausländer. Was Weltläufigkeit ist, muss man hier niemandem erklären. Man hat sie halt – und steht dabei mit beiden Beinen auf heimischem Boden.

Grand Elysée – Ein Hotel voller Kunst

Das Grand Elysée, das der FLZ-Reisegruppe als Domizil diente, ist ganz von dieser Art. Das 5-Sterne-Hotel, mit 511 Zimmern und Suiten so groß, dass es im westlichen Mittelfranken ein Dörfchen wäre, signalisiert Weltläufigkeit schon durch den Namen. Die Liste der Prominenten, die hier nächtigten und vom livrierten Personal umsorgt wurden, ist lang. Wer Muße hat, schlendert gern durch die Gänge, denn das Hotel ist nebenbei eine Galerie und ein Kunstmuseum.

Hamburg historisch und modern auf einen Blick: das Nikolaifleet mit der Elbphilharmonie im Hintergrund. (Foto: Thomas Wirth)
Hamburg historisch und modern auf einen Blick: das Nikolaifleet mit der Elbphilharmonie im Hintergrund. (Foto: Thomas Wirth)

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Mit der Sammlung Block beherbergt das Grand Elysée eine außerordentliche Privatsammlung gegenständlicher Kunst, die über 1250 Kunstwerke umfasst. Christa Block, die Ehefrau des Hotelgründers, hat sie zusammengetragen und dabei den Schwerpunkt auf regionale gegenständliche Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts gelegt. So treffen im Hotelflur die Schönen und Reichen auf die norddeutsche Provinz und deren ansehnliche Kunst.

Abendessen mit Jessica Kosmalla

Beim Abendessen lernt die Gruppe Jessica Kosmalla kennen. Die Schauspielerin, bekannt aus vielen Fernsehproduktionen, war die Reiseleiterin des Anreisetages. Sie hatte am Nachmittag im Hintergrund gewirbelt, um geradezubiegen, was bei der Deutschen Bahn krumm gelaufen war. Der Zug fuhr nicht zum Hauptbahnhof, sondern endete in Harburg. Eine Umleitung wegen Oberleitungsschäden.

Trotz Berufsverkehr und Baustellen erreichte der Reisebus, der die Gruppe ins Grand Elysée brachte, rechtzeitig Harburg. Was beim Hamburger Berufsverkehr nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Durch Hamburg selbst führte zwei Tage lang Ronald Lührs. Der schlaksige Mittfünfziger überragt mit seinen gut 1,90 die meisten Menschen. Das ist gut. Man sieht ihn, auch von Ferne, im städtischen Gedränge. Vor allem ist er ein Gästeführer, der mehr als Jahreszahlen und Ereignisse parat hat. Er ist ein Stadt-Entertainer.

Der Stadtzeiger in Hochform

Zur Hochform läuft er gleich am Morgen auf. Wegen eines Unfalls im Elbtunnel fließt der Verkehr noch zäher als sonst durch Hamburgs Innenstadt, was keine gute Voraussetzung für eine Stadtrundfahrt ist. Es sei denn, man hat jemanden wie Ronald Lührs. Der füllt die Ampelstopps und Stauzwangspausen mit leichter Hand.

Kabarettreif plaudert er sich durch den Tag, hat launige und kritische Anmerkungen zu Geschichte und Gegenwart parat, rezitiert Gedichte, rezensiert die Sportklamotten von vorbeilaufenden Joggern oder erzählt aus seinem Alltag und dem seiner Familie. Einmal lässt er den Bus sogar anhalten, um seiner Schwester zuzuwinken. Er hat sie und ihren Partner zufällig auf dem Gehsteig erspäht.

Treppenviertel in Blankenese

All das hat eine verblüffende Wirkung. Wer mit Ronald Lührs unterwegs ist, bekommt ein Gefühl für Hamburg und wie es ist, dort zu leben. Man meint zu Besuch bei alten Freunden zu sein, glaubt sich für ein paar Stunden daheim in einer fremden Stadt. Das ist die hohe Kunst eines Gästeführers. Selten beherrscht sie jemand.

Sehr leicht fällt Ronald Lührs das bei der Rundfahrt durch Blankenese. Er ist hier aufgewachsen. Ziel in dem schicken Elbvorort ist ein Viertel, das nun wirklich nichts Großstädtisches an sich hat, das Treppenviertel. Idyllisch breitet es sich am Hang aus, als sei es ein mediterranes Bergdorf, freilich eines, dem man den Wohlstand ansieht. Der Name Treppenviertel ist wortwörtlich gemeint. Es gibt kaum befahrbare Straßen. Dafür etliche Wege mit über 5000 Stufen. Das entschleunigt. Den Weg zur Elbe hinab säumen malerische Gärten.

Fischbrötchen mit Containerriesen

Unten am Fluss gibt es Fischbrötchen. Die müssen sein, so will es das Hamburg-Touristen-Klischee. Und sie schmecken ja. Auf dem Ponton op’n Bulln am Blankeneser Elbufer gibt es dazu noch einlaufende Containerriesen gratis. Großes Kino zum Imbiss. Einen Tag später bei der Hafenrundfahrt sind dann von der Gorch Fock bis zum kolossalen Kreuzfahrtdampfer noch Schiffe ganz anderer Art zu bewundern.

Dort wo Hamburg historisch ist, wirkt es besonders anheimelnd. Am Nikolaifleet reihen sich die alten Häuser still aneinander, in der Ferne überragt sie das säkulare Wahrzeichen der Stadt, der Wellen-Segel-Eisberg aus Glas, die Elbphilharmonie. Beim Rundgang durch die Speicherstadt strahlt sie silbrig und blau zwischen der ziegelroten Backstein-Nostalgie.

Weltläufigkeit in der Tasse

Mit Guano, Salpeter und Kaffee haben Hamburger Reeder, unterwegs in aller Herren Länder, ihr Geld verdient. Im Kaffeemuseum Burg hat man die Weltläufigkeit der Stadt auf der Zunge und lernt: Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Anderes Herkunftsland, anderer Geschmack. Bei der Verkostung mit dem fulminant theatralischen Kaffee-Experten Ingo Braun merken das selbst Teetrinker.

Der Höhepunkt der FLZ-Reise: die Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann in der Elbphilharmonie. Das Konzerthaus, mit 110 Metern eher ein Konzerthochhaus samt eingebautem Treppenviertel, ist optisch spektakulär und akustisch hyperanalytisch. Ein Spitzenorchester wie das aus Wien kommt damit zurecht. Thielemann fächert die Partitur von Mendelssohns „Schottischer“ auf wie das Blatt eines Kartenspiels. Nach Richard Strauss’ opulentem „Heldenleben“ feiert der Saal das Orchester und den Dirigenten. Die Reisegruppe aus Süddeutschland feiert sie mit.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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