Die Burghaslacher Ukrainehilfe lebt weiter. Bereits zum achten Mal fuhren Christian Hofmann und Tomasz Rosinski im Dezember gemeinsam nach Lwiw. Diesmal besuchte das Duo auch das Marsfeld, also den Soldatenfriedhof, und legte Blumen am Grab ihres Freundes Rostislav Livach nieder, der im Krieg fiel. Ein Besuch zwischen Bedrückung und Dankbarkeit.
Eigentlich sollte es bereits am Freitag vor Weihnachten in Burghaslach losgehen. Aber die Lieferung für einen Sonderauftrag ließ auf sich warten: Kichererbsen für die Krimtataren. Entsprechend verzögerte sich auch die Abfahrt um einen Tag. „Leider“, wie Hofmann und Rosinski im Nachgang sagen. Denn der Festverkehr am Samstag Richtung Osteuropa sei einfach nur der Wahnsinn. Stauerfahrungen gehören dazu. Und diesmal wurden die Ukrainehelfer auch noch zur ungewollten Trainingseinheit der Grenzhüter.
Denn die Burghaslacher hatten einen abenteuerlichen Plan: Zwei Wochen vor der Fahrt wurde im polnischen Malhowice ein neuer Grenzübergang in die Ukraine eingeweiht. Und genau den wollten Hofmann und Rosinski gerne ausprobieren. „Die Zöllner haben wirklich alles durchsucht.“ An Bord lagerten drei Diesel-Generatoren für die Front. Weil hierfür jedoch nur ein veraltetes Dokument vorlag, hieß es: „Deep control“. Übersetzt: einmal das ganze Auto ausladen.
So ging es für das Duo kurzerhand in eine riesige Halle. Innerhalb kürzester Zeit standen zehn Wächter am Auto und lauschten gespannt. Eine Hilfsfahrt für die Ukraine hatten die Zöllner vorher noch nie gehabt – und da mit der neuen Grenze offenbar auch neues Personal eingestellt wurde, waren die Burghaslacher das perfekte Anschauungsobjekt. „Irgendwann hieß es dann: Fahrt weiter“, erinnert sich Hofmann. Eine spannende Erfahrung mit glücklichem Ausgang.
In Lwiw trafen Tomasz Rosinski und Christian Hofmann ihre Kontaktpersonen, die in der Zwischenzeit sehr gute Freunde geworden sind. Das Auto war bis zur Decke voll mit Hilfsgütern – Medikamente, Tourniquets für die Wundversorgung, Halal-Lebensmittel für die Krimtataren (ja, auch die Kichererbsen) und Generatoren.
Erst am Dienstag erhielten die Helfer wieder ein Foto von der Front – einer der Generatoren ist gut angekommen und bereits im Einsatz. „Die Ukrainer sind immer unheimlich dankbar, weil immer weniger Hilfe kommt“, sagt Izabela Rosinski. Viele Ukrainehilfen, die zu Beginn des Krieges förmlich aus dem Boden geschossen sind, haben ihr Ehrenamt schon eingestellt. Das merken die Burghaslacher auch an der Grenze. Nichts mehr zu sehen von kilometerlangen Staus, bestehend aus Hilfskonvois. Eher gähnende Leere.
„Das war jetzt meine achte Fahrt und es wird immer emotionaler“, sagt Christian Hofmann. Mit Sergej unterhielt er sich mit Hilfe einer Handy-App über die Politik, die große Enttäuschung der Ukrainer über Deutschland und Kanzler Olaf Scholz und die ewigen Warnungen Polens vor dem russischen Machthaber Wladimir Putin, die der Westen jahrelang einfach ignoriert habe.
Trauriger Höhepunkt war schließlich ein Besuch auf dem Marsfeld in Lwiw. Dort liegen zahlreiche gefallene Ukrainer. Auf jedem Grab prangt ein Bild. Die ansonsten anonyme Masse der Toten bekommt plötzlich ein Gesicht. „Blutjunge Frauen und Männer“, sagt Tomasz Rosinski. „Das geht mir sehr nah“, ergänzt Hofmann. „Die sterben für die Freiheit des Landes.“ In einem völlig sinnlosen Krieg.
In Lwiw herrscht aber eher bedrückter Alltag, betonen die Burghaslacher. „Du merkst den Krieg fast nicht mehr“, sagt Hofmann. „Man sieht es nur an den vielen Verstümmelten.“ Kriegsveteranen. Die Stimmung ist gedämpft, die Kriegsheimkehrer sehen mitgenommen aus. Tiefschwarze Augenringe, fahle Haut. „Sie sind schwer gezeichnet.“
Wenn Luhansk, die Krim und Donezk fallen, sagen die Ukrainer, wissen sie nicht, ob Putin noch zu stoppen ist. „Was passiert dann mit Georgien und so weiter? Die ganze Situation ist nicht ungefährlich.“ Die Hinfahrt macht immer Spaß, sagt das Duo. Die Vorfreude, gute Freunde endlich wieder persönlich zu treffen. „Die Heimfahrt ist dann traurig“ – geprägt von den Eindrücken des Marsfeldes, von der sinkenden Hoffnung im Land. Aber aufgeben wollen die Ukrainer nicht. Denn viele denken: „Wenn jetzt Gebiete fallen, sind die Söhne umsonst gefallen.“ Für einen sinnlosen Krieg? Für Kohle und seltene Erden? „Die Zeiten werden schwieriger.“ Auch hierzulande.
Das merken mittlerweile auch die Burghaslacher Ukraine-Helfer. Alles wird teurer, die Spendenbereitschaft geht zurück. Das Benzin und die Zwischenübernachtung in Polen zahlen Hofmann und Rosinski aus eigener Tasche. Und viele von den Hilfsgütern ebenso. Aber die ukrainischen Freunde einfach so im Stich zu lassen? Das kommt für die Burghaslacher überhaupt nicht in Frage. 24. Dezember, 16 Uhr: Ankunft in Burghaslach, pünktlich zum Heiligen Abend. Nein, an Weihnachten stirbt die Hoffnung sicher nicht.
Wer helfen möchte, das Spendenkonto des Burghaslachers Christian Hofmann lautet: IBAN DE97 7606 9559 0107 3121 72 bei der VR-Bank Metropolregion Nürnberg. Sachspenden nehmen die Baufirma von Christian Hofmann (Gewerbegebiet Röthenweg) oder die Familie Rosinski (Rosenweg 1) entgegen.