Um 1825 hat der damalige Dekan Leonhard Tretzel im Pfarrgarten an der Hindenburgstraße die ersten Feuchtwanger Birnen gepflanzt. Die Bäume fielen Wetterkapriolen und Umbaumaßnahmen zum Opfer. Jetzt wurde an gleicher Stelle wieder ein Ableger der Feuchtwanger Birne in den Boden gesetzt.
Der bereits zwei Meter hohe Setzling stamme von einer Hutung in Unterampfrach, sei gut herangewachsen und werde im kommenden Jahr blühen und die ersten Früchte tragen, erklärte zweiter Bürgermeister Walter Soldner. Im Beisein von Dekanin Uta Lehner und Pfarrer Wigbert Lehner wurde das Bäumchen in ein rund 30 Zentimeter großes Loch gesetzt, angegossen und mit einem Pfahl gesichert. Die Dekanin freute sich sehr, dass die alte Tradition von Feuchtwanger Birnen im Garten des Dekanatsgebäudes nun fortgeführt werde.
Soldner berichtete, dass in den zurückliegenden Jahren rund 20 Setzlinge der Feuchtwanger Birne im Stadtgebiet und in den Außenorten gepflanzt wurden. Zudem seien Ableger zu Hochzeiten, Geburtstagen zur Mostprämierung oder auch an Obst- und Gartenbauvereine verschenkt worden. Mittlerweile werde aus den Früchten Saft und Schnaps sowie Gummibärchen gemacht. Außerdem koche die Lebenshilfe in Feuchtwangen Birnengelee.
Die Feuchtwanger Birne ist eine alte, lokal verbreitete Sorte. Die Früchte können Ende September bis Anfang Oktober geerntet werden und reifen im November und Dezember nach. Ihr Geschmack und ihre geringen Ansprüche an Standort und Klima machten die Feuchtwanger Birne in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer viel geliebten Tafelbirne, die von Hobbygärtnern weit über die Grenzen von Feuchtwangen hinaus geschätzt wurde.
Die Kultivierung von alten Obstsorten oblag in früheren Zeiten oftmals der Geistlichkeit. So kann vermutet werden, dass der anerkannte Wein- und Obstbauentwickler August Prinzing – der Sohn des damaligen Feuchtwanger Dekans Christian Ernst Prinzing – um 1820 einige Birnbaumstöcke aus Südfrankreich mit in die Stadt an der Sulzach brachte.
Um 1825 züchtete dann Dekan Leonhard Tretzel, der als vorzüglicher Obstbaumkenner galt, im Pfarrgarten an der Hindenburgstraße eine Birnensorte heran, die bald als Feuchtwanger Birne Bekanntheit erlangte.
Einen Ableger des Mutterbaums pflanzte der Stifskirchen-Mesner Friedrich Fenn – er war von 1915 bis 1951 für die evangelische Kirchengemeinde tätig – am Schleifenberg. In der geschützten Lage und in dem guten Boden wuchs der Baum dort schnell heran. Er steht heute noch.
Der gut 100 Jahre alte Birnbaum am Schleifenberg ist vom mittelstarken Wuchs und verlangt wenig Schnittpflege. Weder Stürme noch Kälteeinbrüche konnten den Baum bislang etwas anhaben. Er blüht nahezu jedes Jahr.
In einem bereits hohlen Ast nistet eine Spechtfamilie und angesiedelte Bienenvölker tragen zur Befruchtung bei. In besonders guten Obstjahren ist der Ertrag immens. Oftmals können über sechs Zentner geerntet werden. Walter Soldner entnahm im vergangenen Jahr mehrere Triebe und kultivierte diese.
Dass die Feuchtwanger Birne Ende des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet, war wohl ihrem Aussehen geschuldet. Denn die Früchte sind nicht leuchtend grün, sondern leicht gelblich und auch etwas runzeliger als andere Tafelbirnen. Darüber hinaus ist ihr Geschmack leicht butterig, aber mit über 60 Öchsle Zuckeranteil äußerst süß. Von Obstkennern wird die Feuchtwanger Birne dennoch als hervorragende Koch- und Mostbirne geschätzt.
Wie der Landschaftspflegeverband Mittelfranken berichtet, seien heimische Obsthochstämme ein kostbares Erbe und ein Kulturgut, das bewahrt werden müsse. Und so erfuhr auch die Feuchtwanger Birne eine Renaissance. Denn auf den Streuobstwiesen entlang der Fränkischen Moststraße und in der Region um den Hesselberg wurden in den zurückliegenden zehn Jahren verstärkt Nachzüchtungen angepflanzt.