Werner Deeg lebt für den Springreitsport, besonders für den Parcoursbau. Auf Turnieren entwirft er die Hindernisse, legt die Reihenfolge fest und kümmert sich um die Details. Dabei war die Leidenschaft für das Springreiten keine Liebe auf den ersten Blick – er musste erst im Alter von zehn Jahren vom Vater auf ein Pferd gehoben werden.
„Ich hätte damals lieber Fußball gespielt”, sagt der heute 74-Jährige rückblickend. Mit zwölf Jahren bekam er sein erstes eigenes Pferd: eine 20-jährige Stute mit dem Namen Atlantis. Mit 15 Jahren fing der Feuchtwangener mit dem Springreiten an. Auf lokalen Turnieren hatte er erste Erfolge, sodass er dann richtige Turnierpferde bekam: Mit Eisfee und Donnar holte er nationale Titel und nahm an internationalen Turnieren teil. Er wurde auch Reitlehrer und so lernte er 1971 seine Frau Ingeborg kennen. Sie studierte in Triesdorf und nahm Stunden bei ihm. Erst vor kurzem feierten sie Goldene Hochzeit.
Beruflich betrieb Deeg eine eigene Fahrschule, war darum in seiner Zeiteinteilung flexibel. Doch als die Tochter in die Schule kam, wurde es mit dem Springreiten und der Zeit schwierig. Auch kamen Eisfee und Donnar ins Alter. Und so fasste Deeg in den 1980er Jahren den Entschluss, das aktive Springreiten aufzugeben. Dennoch wollte er dem Pferdesport verbunden bleiben. Eines Tages fragte ihn der damalige Vorsitzende der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen, Dr. Dieter Schüle, ob Deeg nicht anstelle über die Hindernisse zu springen, diese nicht in Zukunft entwerfen und aufstellen wolle. Deeg fackelte nicht lange und sagte zu.
Zunächst begann er den Parcoursbau traditionell, wie er sagt: „Ich hatte schon einen Plan und Ahnung und ich kannte die Schwierigkeiten. Aber irgendwann sagte ich mir: Ich will es anders machen.” Damit meint er, dass beim traditionellen Parcoursbau die natürlichen Bewegungsabläufe und der Instinkt eines Pferdes als Fluchttier nicht genug berücksichtigt werden. Deeg veränderte die Abstände zwischen den Hindernissen, passte die Abläufe und Winkel der Parcoursroute an. Die Folge ist, dass die Belastung für die Tiere geringer wird, diese sich dadurch weniger verletzen und länger eingesetzt werden können.
Er hat sogar ein Buch über den Parcours-Bau geschrieben. Mittlerweile folgen mehr und mehr in der Branche seiner Philosophie. Auch bei Veranstaltern kommt sein Ansatz gut an: Deeg hat schon in 77 Ländern Sprungparcours aufgebaut, darunter für die Asia Games 2002 in Südkorea und die Sea Games 2017 in Kula Lumpur. Aber warum wird gerade er für solche Großevents angefragt? Deeg gibt sich selbstbewusst: „Weil ich gut bin. Weil ich weiß, wie es funktioniert.” Deeg geht ins Detail: „Parcoursbau ist nicht nur Hürdenaufstellen – es ist eine Kunst. Ich bin der Dirigent, der ein Orchester steuert.”
Wegen seiner reichhaltigen Erfahrung hat Deeg ein Ausbildungsprogramm für die Fédération Équestre Internationale (FEI), der Dachorganisation im internationalen Pferdesport, entwickelt. Er gibt selbst Kurse und Seminare. Einer seiner Schüler, Gregory Bodo, baute bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 den Sprungparcours – auch für Deeg eine Auszeichnung: „Ich war stolz wie Bolle.” Die Olympischen Spiele sind für ihn auch bekanntes Terrain: Er war dreimal Chef-Steward, der Wächter über Regeln und Wohlergehen der Pferde, bei Olympia.
Ende Oktober wurde Deeg eine besondere Ehre zuteil: Er wurde als erster Parcoursbauer in die Hall of Fame eines international agierenden Veranstalters aus Calgary in Kanada, die Rocky Mountain Show Jumping, aufgenommen. Deeg arbeitet seit 15 Jahren mit diesem zusammen, half ihm ein Konzept aufzustellen, wie der Springreitsport auch in Zukunft attraktiv bleibt. Er passte Startgebühren an, erhöhte Preisgelder, fördert gezielt Nachwuchsreiter. Deeg sagt: „Die jungen Leute sind unsere Versicherung für die Zukunft.” Der Firmengründer würdigte damit Deegs Verdienste für den Sport. „In der Hall of Fame sind nur zwölf Leute. Ich finds einfach toll.”
Deeg ist 74 Jahre alt. Aktuell kuriert er eine Rippenverletzung aus. Selbst reitet er seit drei Jahren nicht mehr. Denkt er nicht langsam an den Ruhestand? Energisch antwortet er: „Weiter, immer weiter.” Im November war er in Palästina, gab dort Lehrgänge über den Parcoursbau und baute die Bahnen für drei internationale Turniere. Als während Corona keine Turniere stattfanden, hatte er nichts zu tun. „Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen”, sagt er, „ich war ungenießbar.” Und doch hat er sein Pensum heruntergefahren: „Früher baute ich 35 internationale Turniere im Jahr und gab fünf bis acht Lehrgänge. Aktuell sind es etwa 15 Turniere.”