Gesamtwirtschaftlich gab es zwar zuletzt einige Rückschläge in Rothenburg. Aber in ihrer traditionellen Paradedisziplin, im Tourismus, ist die Stadt gut aufgestellt. So stiegen die Übernachtungszahlen 2023 gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent auf 532.300 und damit fast schon wieder auf das Rekordniveau der letzten Vor-Corona-Jahre. Zu erfahren war das am Freitag bei einer Veranstaltung, die sich mit der Entwicklung der Gästezahlen in ganz Mittel-, Unter- und Oberfranken befasste. Der Tourismusverband Franken hatte zur alljährlichen Pressekonferenz eingeladen und für diese als Austragungsort Rothenburg ausgewählt, konkret das Hotel Eisenhut.
Früher seien diese Runden immer in Nürnberg am Geschäftssitz des Verbandes einberufen worden, erklärte Geschäftsführerin Angelika Schäffer. Neuerdings werde damit aber bewusst in die Regionen hinausgegangen. Nach dem oberfränkischen Kronach 2023 sei Rothenburg erst der zweite Gastgeber überhaupt für dieses Format außerhalb Nürnbergs, erklärte sie weiter.
Für die Entscheidung des Tourismusverbands Franken, den Termin hierher zu verlegen, hatte es einen aktuellen Aufhänger gegeben: die 750-Jahr-Feier der Verleihung des Reichsfreiheitsprivilegs. Dieser historische Sonderanlass, der 2024 in Rothenburg groß gefeiert wird, habe überregionale Strahlkraft und werde als Besonderheit deshalb in den Vermarktungsaktivitäten des Verbands eine wichtige Rolle spielen, hieß es.
Hauptredner bei der Veranstaltung war Thomas Bold, der Landrat des unterfränkischen Landkreises Bad Kissingen ist und seit 2021 als Vorsitzender den Tourismusverband Franken führt. Dieser fungiert als Dachorganisation für insgesamt 16 Regionalverbände, darunter der Stadt und Landkreis Ansbach abdeckende Tourismusverband Romantisches Franken mit Sitz in Colmberg.
Bold verkündete, dass die Reiseregion Franken 2023 einen neuen Gäste-Allzeitrekord eingefahren habe. So sei die Zahl der Übernachtungen gegenüber 2022 um zehn Prozent auf 23,3 Millionen gestiegen. Damit sei auch der bisherige Top-Wert des Jahres 2019 von 22,9 Millionen Übernachtungen klar überschritten worden. Es habe sich gezeigt, dass die Menschen trotz einer angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation beim Urlaub nicht sparten. Davon profitiere Franken, das bei Inlandstouristen hoch im Kurs stehe und dank einiger hochkarätiger Ziele, zu denen Rothenburg zähle, auch viele Gäste aus dem Ausland anlocke. Viel spreche dafür, dass sich der Positiv-Trend heuer fortsetze, denn die Buchungslage sei gut, so Bold.
Im „Romantischen Franken“ wurden 2023 knapp 1,8 Millionen Übernachtungen registriert – 11,5 Prozent mehr als 2022. Ein Grund für diese erfreuliche Entwicklung seien erhebliche Investitionen bei Unterkünften, erklärte der Verbandsvorsitzende, Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Festmachen lässt sich das vor allem an den für Dinkelsbühl ermittelten Zahlen. So war dort, wo in den vergangenen Jahren zwei neue große Hotels entstanden sind, 2023 erstmals die Marke von 300.000 Übernachtungen überschritten worden.
Der Vorsprung Rothenburgs ist zwar kleiner geworden, aber immer noch beträchtlich. Es sei „wichtig für die Region, so ein Pfund zu haben“, meinte dazu der Landrat. Dass die Region insgesamt an Attraktivität für Gäste gewonnen habe, liege aber auch an einer Profilschärfung in anderen Bereichen, so Ludwig: Beim Radweg-Ausbau oder für den Tagungstourismus sei „viel gemacht“ worden. Und „am Puls der Zeit“ seien auch einige Museen. Die Prognosen für die neue Saison sind sehr gut.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser nutzte das Interesse von Journalisten aus ganz Franken, um Werbung für die Stadt zu machen. „Geographisch sind wir zwar in einer Randlage, touristisch aber doch ein Zentrum“, meinte er. Die 2023 ermittelten Zahlen seien sehr erfreulich. Dass es nicht ganz für einen neuen Rekord gereicht habe, könne verschmerzt werden.
Es gebe dafür Gründe. Touristen aus Übersee, die für die Stadt eine deutlich wichtigere Rolle spielten als für Franken insgesamt, hielten sich noch immer zurück, weil Flüge aus den USA oder von Japan her nach Deutschland sehr teuer seien. Die internationale Bekanntheit der Stadt sei aber ungebrochen, so der Oberbürgermeister: „Da halten wir seit Jahrzehnten die fränkische Fahne hoch.“