„Fassungslos”: Neue Wendung im Fall um bedrohten Bürgermeister aus Oberdachstetten | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 05.03.2026 09:00

„Fassungslos”: Neue Wendung im Fall um bedrohten Bürgermeister aus Oberdachstetten

Kann den Befund der Staatsanwaltschaft „überhaupt nicht verstehen”: Oberdachstettens Bürgermeister Martin Assum. (Foto: Constantin Prosch)
Kann den Befund der Staatsanwaltschaft „überhaupt nicht verstehen”: Oberdachstettens Bürgermeister Martin Assum. (Foto: Constantin Prosch)
Kann den Befund der Staatsanwaltschaft „überhaupt nicht verstehen”: Oberdachstettens Bürgermeister Martin Assum. (Foto: Constantin Prosch)

Der Fall um die anonymen Drohungen via Instagram gegen Oberdachstettens Bürgermeister Martin Assum (CSU) hat eine neue Wendung genommen. Nach erfolgreicher Ermittlungsarbeit durch die Kriminalpolizei hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren nun eingestellt.

Der ehrenamtliche Bürgermeister war zum Jahreswechsel dem sozialen Netzwerk Instagram beigetreten. Wenige Tage später erschien unter seinen Followern ein Fake-Profil, von dem er und seine Familie sich bedroht fühlten. Daraufhin zog sich Assum wieder von Instagram zurück und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Assum ist der Verdächtige bekannt

„Unbekannt” stimmt inzwischen nicht mehr. Es gibt Ermittlungserkenntnisse der Kriminalpolizei Ansbach. Auf Anfrage der FLZ wollte das Polizeipräsidium allerdings keine Auskünfte geben und verwies an die Staatsanwaltschaft, da diese für die Ermittlungen zuständig ist.

Assum selbst erklärte im Gespräch mit der FLZ, dass die Kriminalpolizei ihm den Namen des Verdächtigen mitgeteilt habe. „Ich muss ehrlich zugeben, dass es mich schon getroffen hat“, so Assum. Er kenne die Person seit vielen Jahren, Differenzen habe es nach seiner Wahrnehmung nie gegeben.

Persönlicher Kontakt mit dem Beschuldigten

Nachdem der Beschuldigte von der Polizei vernommen worden war, habe er den Kontakt gesucht. „Es gab einen Gesprächstermin, bei dem auch meine Frau anwesend war“, berichtet der Bürgermeister. Dabei habe der Mann eingeräumt, dass der Instagram-Account von seinem Handy aus erstellt worden sei, und sich dafür entschuldigt. „Ansonsten hat er sich leider ziemlich bedeckt gehalten.”

Das könnte Sie auch interessieren
Sitzungsgeld im Vergleich: Das „verdienen” Stadt- und Gemeinderäte im Kreis NeustadtKurioser Diebstahl in Wassertrüdingen: Wer hat den roten Minibagger gesehen?Ratsneuling Michael Seybold wird in Gebsattel gleich dritter BürgermeisterIn Bruckberg herrscht ein Altkleider-Problem: Zusammenarbeit mit Turns überlegtRadschutzstreifen in Neuendettelsau: Ab Montag startet der VerkehrsversuchWassertrüdinger CSU reflektiert Wahl: Weniger Sitze, aber weiter stärkste FraktionNach Sorge um Schließung: In dieser Form bleibt die Edeka-Filiale in WindsbachMehr Sicherheit in Betzendorf: Stadtrat stimmt Verkehrsinseln zuInsinger Gemeinderat startet: Ein Neuer wird gleich zweiter BürgermeisterSanierung oder Neubau: Viele Fragezeichen bei der Grundschule in HeilsbronnPersonelle Neuausrichtung beim Bürgerbündnis Stadt und Land WassertrüdingenAbschied und Willkommen im Gemeinderat Ohrenbach: Fünf Neugewählte vereidigtGlasfaser für 45 weitere Adressen in Neuendettelsau: Was das die Kommune kostetFür das ehemalige Bäckerei-Anwesen in Mitteleschenbach gibt es eine neue IdeeMit Flohmarkt und Blaulicht-Einblicken: Freibad-Eröffnung in Lichtenau

Besonders brisant: Laut Assum wohnt die ermittelte Person in Oberdachstetten und kandidiert bei der anstehenden Kommunalwahl für eine andere Gruppierung für den Gemeinderat. Nähere Details wollten weder der CSU-Politiker noch die Staatsanwaltschaft preisgeben.

Staatsanwaltschaft räumt „Geschmacklosigkeit” ein

Wie Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf Anfrage der FLZ mitteilt, habe die Behörde den Fall auf die Straftaten der Beleidigung und der Bedrohung geprüft. Das Ergebnis: Der erstellte Instagram-Account und dessen veröffentlichter Beitrag seien nicht strafbar – „mag es sich auch um eine Geschmacklosigkeit handeln”, räumt Heinzlmeier ein. „Für eine Beleidigung wäre erforderlich, dass die betroffene Person eindeutig erkennbar ist”, erklärt der Oberstaatsanwalt. Das sei nach Ansicht der Behörde nicht der Fall gewesen.

Der Fake-Account nutzte das gleiche Profilbild wie Assum, nur verunglimpfte der Ersteller das Foto des Bürgermeisters, indem er einen Fischkopf ins Foto montierte. Dazu führt Heinzlmeier aus: „Wesentliches Identifikationsmerkmal einer Person ist der Kopf, der vollständig durch den Fisch ersetzt ist. Die verbleibenden sichtbaren Körperteile lassen keine ausreichende Identifikation des Anzeigeerstatters zu.”

Das Ergebnis macht Assum „fassungslos”

Eine strafbare Bedrohung liege ebenfalls nicht vor. Der veröffentlichte Beitrag im Comic-Stil enthalte laut Staatsanwaltschaft keinen klaren Bezug zu Assum und keine eindeutige Ankündigung einer gegen ihn gerichteten Straftat. Zwar sei nachvollziehbar, dass der Bürgermeister die Darstellung auf sich bezogen habe. Allerdings sei es „nicht unüblich, als lustig empfundene Karikaturen mit seinen 'Followern' zu teilen, ohne dass damit eine unmittelbare Bedrohung gegenüber einer bestimmten Person intendiert ist“, so Heinzlmeier.

Dieses Ergebnis kann Assum „überhaupt nicht verstehen und es macht mich auch etwas fassungslos”. Der Politiker erklärt, dass es ihm weniger um das potenzielle Strafmaß gehe als um die Bewertung des Falls: „Wie die Staatsanwaltschaft den Account und die Instagram-Story als witzige oder als lustig empfundene Karikatur ansehen kann, können meine Familie und ich in keinster Weise nachvollziehen.”

Assum bleibt Instagram weiterhin fern

Die Arbeit der Kriminalpolizei lobte Assum derweil explizit und dankte den Beamtinnen und Beamten für die erfolgreiche Ermittlungsarbeit. Den Urheber des Fake-Profils ermittelt zu haben, sei für ihn und seine Familie ein wichtiger und beruhigender Ausgang.

Unabhängig von der juristischen Bewertung bleibt für den Bürgermeister die persönliche Konsequenz bestehen: Er wird sozialen Netzwerken nach den gemachten Erfahrungen weiterhin fernbleiben.


Constantin Prosch
Constantin Prosch
Volontär
north