Dass die Stadt Ansbach ihren für Rosenmontag geplanten Kinderfaschings-Umzug nach dem Anschlag in München mit zwei Toten abgesagt hat, sorgte bei den Faschingsgesellschaften in der Region für Diskussionen. Das Ergebnis: Die Umzüge finden statt, werden aber stärker abgesichert.
„Hauptverantwortlich für die Sicherheit ist der jeweilige Veranstalter selbst“, teilte auf Anfrage unserer Redaktion ein Sprecher des Innenministeriums mit. Es seien vom Freistaat keine Auflagen für Faschingsumzüge vorgegeben. Konkrete Anordnungen mache demnach die Stadt- oder Gemeindeverwaltung vor Ort in Zusammenarbeit mit Fachstellen wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten.
Denn bevor Veranstaltungen wie ein Faschingsumzug stattfinden können, muss die Kommune beziehungsweise das zuständige Landratsamt sie genehmigen. Das Innenministerium verwies auf einen Leitfaden der Polizei, der Kommunen helfen könne. Darin findet sich zum Beispiel eine Checkliste, mit der unterschiedliche Risiken und Gefahren erkannt, eingeschätzt und kontrolliert werden könnten.
Auf Initiative der zuständigen Polizeiinspektionen wurden im Benehmen mit Veranstaltern und Kommunen die Sicherungsmaßnahmen überprüft, hieß es aus dem Landratsamt Ansbach. Dabei wurden für die Umzüge und das teils nachfolgende Festgeschehen zusätzliche Sicherungsmaßnahmen wie stationäre und mobile Durchfahrtssperren festgelegt.
„Ohne die Feuerwehren würde in diesem Jahr kein Faschingsumzug stattfinden können“, stellt beispielsweise Bürgermeister Marco Meier aus Ornbau klar. „Das Absperren des Faschingsumzuges durch die Feuerwehren stellt eine enorme Herausforderung dar.“ Ob man das dauerhaft auf diese Weise lösen könne, sei fraglich, so Meier.
Man könne die Argumente der Stadt Ansbach für eine Absage verstehen, betonten die angesprochenen Faschingsvereine in Westmittelfranken. Man könne aber auch die Auffassung vertreten, Angst und Verunsicherung nicht zu viel Raum geben zu wollen. Sowohl der einen als auch der anderen Argumentation könne man wohl kaum widersprechen. „Egal, was man beschließt, es findet nicht überall großen Anklang“, sagte einer der Veranstalter und fügte an, „im Nachhinein wissen es dann ohnehin alle besser.“
Die Organisatoren der Faschingsumzüge wägen ihre Worte in der aktuellen Situation sehr sorgsam ab. Man will bei dem heiklen Thema keine unbedachten Äußerungen treffen. Die Terror-Anschläge andernorts hätten zur Folge, dass Fasching in schwierigen Zeiten die Herausforderung sei, „sich trotzdem in Gelassenheit zu üben“, sagte ein Vorstand, der nicht namentlich zitiert werden wollte.
Die Diskussionen und der immer größere Aufwand würden die Vorfreude „dämpfen“. Bei den Veranstaltern steige die Verantwortung und damit der Druck. „Das nimmt die Leichtigkeit weg. Schade, dass es so seit gekommen ist.“
Ornbau, Mitteleschenbach, Herrieden, Heilsbronn, Emskirchen, Markt Erlbach und Markt Bibart wollen an ihren Faschingsumzügen festhalten. Man habe viel Arbeit in die Vorbereitung und Durchführung gesteckt und zahlreiche Vorkehrungen zur Absicherung getroffen.
Für den Verein „Phantasie“ Heilsbronn ist es sein dritter Faschingsumzug nach der Premiere 2023. Irene Gesell rechnet bei der Veranstaltung am Samstag ab 11.11 Uhr – je nach Wetter – mit 400 bis 800 Zuschauern. Man habe das Sicherheitskonzept von Stadt, Feuerwehr und Polizei „deutlich intensiviert“ mit Streckenposten und Verkehrsabriegelung durch große Einsatzfahrzeuge und Betonpoller.
Eine größere Dimension hat der Faschingsumzug in Markt Bibart am Faschingssonntag ab 14 Uhr mit etwa 60 Gruppen und 1200 Teilnehmenden. Richard Röttger, Vorstand der Faschingsgesellschaft geht von etwa 5000 Zuschauern aus. „Schon seit Jahren gibt es für den Umzug ein Sicherheitskonzept, das immer wieder angepasst wird“, sagt er und betont: „Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst werden vor Ort sein.“ Motorisierte Umzugswagen müssten eigene Ordner stellen, die neben dem Fahrzeug herlaufen und darauf achten, dass nichts passiert. Während des Umzugs werde der Verkehr über die B8 umgeleitet. An der Partymeile sei ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt.
Auch das Faschingskomitee um Simone Fahsl in Markt Erlbach hält am Umzug am Faschingsdienst ab 13.30 Uhr fest, sicherheitstechnisch abgestimmt mit Polizei und BRK. 31 teilnehmende Vereine und Gruppierungen aus Markt Erlbach und aus der näheren Umgebung reihen sich ein – umringt von schätzungsweise 2500 Zuschauern, nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre.
In Herrieden ist die Stadt Veranstalter des Narrenumzugs am Faschingsdienstag um 13.33 Uhr. Mit über 800 Teilnehmenden und 24 Gruppen rechnet man mit einem neuen Gaudiwurm-Rekord und „mehreren Tausend Zuschauern“. In Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden habe man zu den Vorhaben noch „Verbesserungen vorgenommen“.
In Ornbau stellt sich die Stadt während des Faschingsumzugs am Faschingssonntag ab 13.30 Uhr mit 1500 Teilnehmenden und 27 Gruppen auf über 10.000 Zuschauer ein. Alle Einfahrten in den Ort und auch die Zufahrten in die Siedlungen im Osten werden für den Verkehr gesperrt und abgesichert.