Es kommt sicherlich nicht oft vor, dass ein Geistlicher aus der Sakristei tritt und in eine Schockstarre verfällt, weil das Kirchenschiff bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Am Sonntag war solch ein Tag. Das Fränkische Kirchenkabarett hatte zum Faschingsgottesdienst in die Bad Windsheimer Seekapelle eingeladen.
Der Ratschlag aus der Sakristei folgte auf dem Fuß: „Schick’s doch alle widder ham!“ Oder: „Konfirmier se, dann kummas bestimmt nie mehr.“ Ganz so einfach, wie es sich die vier Pfarrer vorstellten, war das natürlich nicht zu bewerkstelligen. Denn all jene, die gekommen waren, erwarteten weit mehr, als einen gewöhnlichen Gottesdienst. Und den bekamen die Besucherinnen und Besucher, unter ihnen eine stattliche Delegation der Karnevalsgesellschaft „Windshemia“, von den vier Männern in Schwarz und Weiß in der folgenden Stunde geboten.
Um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden, stürzten sich Klaus Lindner (Dombühl), Alexander Seidel (Wilhelmsdorf), Helmut Spaeth (Bad Windsheim) und Richard Tröge (Kitzingen) in einen Wettstreit des Formats: „Deutschland sucht den Superpfarr.“ Mit von der Partie: ein Geistlicher, der zeigt, welches Fachwissen in ihm steckt, der jedoch grenzenlos überzieht und über die Köpfe seiner Gemeinde hinweg spricht.
Ihm folgt ein ohne Punkt und Komma leiernder Prediger und einer, der nur verwirrtes, konzeptloses Zeugs von sich gibt. Kurz und bündig macht es ein weiterer der Aspiranten: „Was Du nicht willst, dass man Dir tut, das füg' auch keinem anderen zu.“ Amen und fertig.
Nicht fehlen durfte zudem jener computergeprägte Redner, der sich mit Gott und seiner Schöpfung im Format 2.0 beschäftigt. Das Tüpfelchen auf das „i“ setzte allerdings jener weltfremde und Gott liebende Theologe, dem das Grün der Ampel entging. Für die hupenden und erzürnten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gab’s den „hawaiianischen Glücksgruß“ (Stinkefinger) gleich noch mit. Dass er es als Einziger schaffte, die Ampel bei Grün zu passieren, war sicherlich von Vorteil.
Situationen, die bei den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern, wie beabsichtigt, die Lachmuskeln strapazierten, die jedoch auch aufzeigten: „Ein Pfarrer menschelt. Ein Pfarrer weiß: Ich bin ein Mensch, wie jeder andere, und alles andere als perfekt.“ Menschen sind verschieden. Viele sehen das Negative bedauerlicherweise nur bei ihren Mitmenschen und zu selten bei sich selbst. Für den musikalischen Schwung sorgte Kantorin Anne Barkowski an der Orgel.
Als Pfarrer in Bad Windsheim sah sich Helmut Spaeth am Sonntag aber auch dazu veranlasst, auf den in Bad Windsheim nicht selten über die Stränge schlagenden Wahlkampf einzugehen. Seine Botschaft: „Nehmt die Schärfe aus der Diskussion.“ Sein Angebot: „Wir treffen uns nach der Wahl zu einem Gottesdienst des gegenseitigen Vergebens.” Schließlich sitzen viele der Protagonisten bald wieder gemeinsam an einem Tisch im Rathaus und müssen einander wieder ins Gesicht schauen.