Seit März 2022 ist das Diakonische Werk Ansbach Träger der Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe für den Landkreis Ansbach. Zuletzt betreute die Beratungsstelle 52 wohnungslose Menschen. Um rechtliche Fragen und Hilfsmöglichkeiten ging es gestern beim Fachtag „Obdachlosigkeit als Herausforderung in ländlichen Kommunen“.
Schwerpunktaufgaben der Fachstelle sind es, drohende Wohnungslosigkeit nach Möglichkeit zu verhindern und wohnungslose Menschen im Landkreis Ansbach zu beraten und zu unterstützen – mit dem Ziel, die Situation zu verbessern und die Wohnungslosigkeit zu beenden. Davor gab es ein zweijähriges Modellprojekt, das vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert wurde.
Mit den Gemeinden im Landkreis Ansbach und insbesondere den kommunalen Ordnungsbehörden arbeitet die Fachstelle eng zusammen: Die Kommunen sorgen für die ordnungsrechtliche Unterbringung, die Fachstelle übernimmt die sozialen Hilfen.
Um den Austausch unter den Verantwortlichen der Kommunen zu befördern und die Zusammenarbeit mit der Fachstelle zu verstetigen, lädt die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe zweimal jährlich zu Netzwerktreffen ein.
Mit rund 70 Teilnehmern war das Interesse auch diesmal groß. Die Regierung von Mittelfranken stellte für die Veranstaltung die Alte Bücherei zur Verfügung. Das ist ein Tagungsraum, der die Anforderungen an technischen Möglichkeiten und Größe erfüllte.
Wohnungslos zu werden, geht häufig ziemlich schnell. Es kann jeden treffen. Es sind oft Schicksalsschläge, die dazu führen, die eigene Wohnung nicht mehr halten zu können: eine dramatische Scheidung, Arbeitslosigkeit, Schulden, Armut, Alkohol- und Drogensucht, psychische Probleme, Konflikte. Auch Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, aber nicht genug verdient haben und wegen ihrer geringen Rente über den Rand der Gesellschaft gekippt sind, können ihre Bleibe verlieren.
Wohnraum ist knapp. Die Mieten, Wohnnebenkosten und Lebenshaltungskosten steigen: dadurch verstärken sich die Probleme für Menschen. Ewa wegen einer drohenden Zwangsräumung, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können. Einzelpersonen, Alleinerziehende oder Familien verlieren ihr Dach über dem Kopf. Manche leben auch auf der Straße, weil sie ihre Unabhängigkeit behalten wollen.
Von Obdachlosigkeit betroffene Menschen übernachten im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünften. Die Kommunen sind verpflichtet, Notunterkünfte für Wohnungslose anzubieten. Manchmal wird aus der vorübergehenden Lösung ein längerfristiger Zustand in Unterkünften, weil es kaum Sozialwohnungen gibt.
Die Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks, ein sozialer Dienst der evangelischen Kirche, fokussiert sich nicht nur auf die Beratung von Wohnungs- beziehungsweise Obdachlosen, sondern auch auf die Prävention bei Menschen, die ihre Wohnung aus unterschiedlichen Gründen verlieren könnten.
Martin Reutter, geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks Ansbach und Vorgesetzter von mehr als vierhundert Mitarbeitern, konnte am Fachtag die Regierungsvizepräsidentin von Mittelfranken, Birgit Riesner, als Grußrednerin begrüßen. Der frühere Regierungspräsident von Unterfranken, Dr. Eugen Ehmann, ein Jurist, erläuterte den rechtlichen Rahmen der Obdachlosigkeit. In Gruppen wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet: mit Blick auf Gebühren und Kosten, Anforderungen an Unterkünfte, Zusammenarbeit zwischen benachbarten Kommunen, Konflikte mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Im Verlauf des Nachmittags wurden in einer Gesprächsrunde die Fachstellen Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Ansbach sowie der Stadt Ansbach – es handelt sich in beiden Fällen jeweils um eine Vollzeitstelle mit 40 Stunden pro Woche vorgestellt – als Praxisbeispiele für soziale Hilfen bei Wohnungs- und Obdachlosigkeit und die Schnittstelle zu den kommunalen Ordnungsbehörden beleuchtet. Obdachlosigkeit tritt nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in der Forschung in Erscheinung, machte Dr. Nora Sellner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg, deutlich. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Lebenspraxis von Wohnungslosen.
Eine Anlaufstelle, die konkrete Hilfe bietet, habe sich bewährt, war sich die Runde einig. Bei Problemlagen helfe auch gute Netzwerkarbeit und politischer Rückhalt. Dass sich sowohl in der Stadt Ansbach als auch in Rothenburg Freiwillige ehrenamtlich für wohnungslose Menschen engagieren, sei besonders erfreulich.