Haftetiketten aller Art produziert die mehrfach prämierte Fachdruckerei InForm seit 35 Jahren am Ortsrand von Sachsen. Was passiert dort eigentlich täglich hinter den Kulissen?
Nein, Dr. Benjamin Rüdt von Collenberg betreibt keine Bar in seinem Büro. Und es geht auch gar nicht um die Obstbrände, die Liköre oder den Gin, die hübsch aufgereiht auf dem Regal stehen. Wichtig sind die Etiketten. Denn die hat allesamt das Sachsener Unternehmen InForm hergestellt.
Die Geschäfte führt ein Zweier-Gespann: Adrian Henneck ist für Einkauf, Digitalisierung, Finanzen und Controlling zuständig, Rüdt von Collenberg kümmert sich um Produktion, Vertrieb und Qualität. Aktuell investiert das Unternehmen in eine neue Produktionshalle mit rund 850 Quadratmetern Fläche. Dort sind vor allem Erweiterungen im Bereich flexibler Verpackungen und Monofoliendruck geplant.
Wie andere über ihre Hobbys, so spricht Rüdt von Collenberg über Veredelungen: Blattgoldoptik, Wellenstrukturen, die mittels Relieflack erzeugt wurden oder Nano-Embossing – eine Drucktechnik, mit der feinste Muster und Strukturen geprägt werden können. „Das sind natürlich Etiketten, die man gern zeigt”, sagt er stolz.
Die Labels auf den Wein- und Spirituosen-Flaschen sind nur ein winziger Ausschnitt aus dem Portfolio des regionalen Unternehmens. Die Spannweite reicht von Getränken und Lebensmitteln über Kosmetik bis hin zu Reinigungsprodukten. „Dementsprechend sind wir in vielen Supermärkten zu finden.” Unter anderem auf Bio-Kräckern, Wäschepflege-Produkten oder Wurstspezialitäten von Kupfer aus Heilsbronn.
„Wir sind sehr stark regional verankert”, erzählt Rüdt von Collenberg. Trotzdem erstreckt sich die Kundenstruktur über die ganze Bundesrepublik und auch ein bisschen Export-Geschäft ist dabei. Unter den Kunden sind viele Hidden Champions, also kleine oder mittelständische Unternehmen, die zwar in der Öffentlichkeit weniger bekannt sind, in ihrer Branche aber durchaus zu den Weltmarktführern zählen. Auch Startups arbeiten mit InForm zusammen.
Bevor die Produktion startet, prüfen die Mitarbeitenden der hauseigenen Druckvorstufe, ob Layout und Designwünsche der Kunden realisierbar sind. „Im Idealfall kann man früh genug eingreifen, damit am Ende das Ergebnis stimmt und es kein böses Erwachen gibt, weil man bestimmte Vorstellungen am Bildschirm simuliert, die technisch nicht umzusetzen sind”, erklärt der Geschäftsführer. Zum Beispiel, weil die falsche Materialkombination gewählt wurde.
In der Produktionshalle stehen nicht nur Maschinen für unterschiedliche Druckverfahren, sondern auch Veredelungsanlagen. Etikett ist nicht gleich Etikett: Durch die unterschiedlichen Veredelungstechniken entstehen aus manchen Designs richtige kleine Kunstwerke. Besonders nachgefragt werden Heiß- und Kaltfolienprägungen, die zum Beispiel bei Weinetiketten eingesetzt werden.
Bei der Heißfolienprägung erzeugen die Folien – abhängig von der Farbwahl – unterschiedliche Kontraste. Eine goldene Folie bricht sich im Licht anders als eine weiße. „Das kann dann schon einen sehr schönen Effekt hervorrufen”, gerät Rüdt von Collenberg ins Schwärmen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit einem Relieflack dreidimensionale Effekte zu erzielen, sodass man beim Darüberstreichen den Schriftzug ertasten kann. Durch Lacke und Laminierungen kann ein Etikett vor Abrieb geschützt werden.
Eins seiner Lieblingsetiketten ziert eine Gin-Flasche, wie Rüdt von Collenberg verrät. Es wurde mehrfach prämiert. Das Etikett hat ein ausgestanztes Fenster in Form eines märchenhaften Zauberspiegels. Durch dieses sieht man – quasi auf der Rückseite des um die Flasche geklebten Labels – ein Bild von Schneewittchen, das mit den sieben Zwergen Kräuter für den Gin sammelt. „Wenn das jetzt noch mit Flüssigkeit gefüllt ist, macht das schon was”, stellt der Geschäftsführer begeistert fest. „Es ist, wie durch den magischen Spiegel zu blicken.”
Aber auch sonst sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt, solange sie technisch umgesetzt werden können: Ein Wikingerschiff samt Wellenstruktur oder einen haptisch zu ertastenden goldenen Gartenzwerg haben die Macher schon realisiert. „Wir hatten einmal einen Kunden, der hat tatsächlich auf seinen Weinflaschen seinen Fingerabdruck verewigt.”