Exklusive Einblicke in die Kleiderkammer des Meistertrunks | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 31.05.2024 07:00

Exklusive Einblicke in die Kleiderkammer des Meistertrunks

Christine Kötzel und Andrea Halbritter (rechts) managen gemeinsam mit Kollegin Gabriele Schmidt, die beim Foto nicht anwesend sein konnte, rund ums Jahr die etwa 900 Kostüme des Festspiels. (Foto: Irmeli Pohl)
Christine Kötzel und Andrea Halbritter (rechts) managen gemeinsam mit Kollegin Gabriele Schmidt, die beim Foto nicht anwesend sein konnte, rund ums Jahr die etwa 900 Kostüme des Festspiels. (Foto: Irmeli Pohl)
Christine Kötzel und Andrea Halbritter (rechts) managen gemeinsam mit Kollegin Gabriele Schmidt, die beim Foto nicht anwesend sein konnte, rund ums Jahr die etwa 900 Kostüme des Festspiels. (Foto: Irmeli Pohl)

Es ist eine ganz ruhige, entspannte Atmosphäre in der Kleiderkammer im Rothenburger Rathaus. Fast scheint es, als wäre man in eine andere Zeit getaucht: In Schränken hängen mittelalterlich anmutende Kostüme auf Kleiderbügeln in Reih und Glied, Stoffballen sind nach Farben sortiert, nur das Gedudel eines Radios im Hintergrund verrät die Zeit, in der wir uns befinden.

Hier wird repariert und gebügelt

Die Kleiderkammer ist der Ort, in dem die über 900 Kostüme des Festspiels repariert oder neu genäht werden, wo Bänder ausgetauscht, Knöpfe wieder angenäht, Schürzen gebügelt werden.

Drei Schneiderinnen, Christine Kötzel, Andrea Halbritter und Gabriele Schmidt, arbeiten hier drei Tage die Woche, an den Hochzeiten zu Pfingsten oder den Reichsstadttagen auch die ganze Woche über. Sie sorgen dafür, „dass alles passt“, sagt Andrea Halbritter.


Die Kostüme sollen nach etwas aussehen.

Christine Kötzel

Es riecht nach Holz und alten Stoffen, die Dielen knarren, wenn die Schneiderinnen hin- und herlaufen. Heute sind sie zu zweit, Gabriele Schmidt arbeitet an einem anderen Tag. Ein Radio spielt Klassiker. Kötzel sitzt an ihrem Platz, die Nähmaschine vor sich aufgebaut, einen Nahttrenner in der Hand und entfernt bedächtig die Nähte einer Halskrause. Naht um Naht zieht sie vorsichtig aus dem weißen Stoff, schlägt dann die Stoffbahn zusammen.

Die Nähte sind entfernt, den Stoff rollt sie fein säuberlich auf zu einer großen, festen Rolle, bindet ein weißes Band darum. „Das kommt jetzt in die Reinigung“, sagt die 59-jährige gelernte Pelznäherin und Staffiererin. „Dort wird der Stoff gewaschen und gestärkt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Sechs Stunden pro Halskrause

„Das sind jedes Jahr sechs Stunden Arbeit pro Halskrause“, erklärt Kötzels gleichaltrige Kollegin Andrea Halbritter. Sie begutachtet gerade einen Rock, der nach den Pfingstfestspielen abgegeben wurde, hält ihn ins Licht, das durch eines der drei Fenster im Raum fällt, um jedes noch so kleine Loch zu finden. Auch das gehört zu den Aufgaben der Schneiderinnen – hinter den Kulissen putzen sie die Stiefel der Darstellenden, nähen Borten wieder an Jacken oder waschen Schürzen. „Die nehmen wir auch mal mit nach Hause“, so Halbritter.


Ich habe meinen Traumjob gefunden.

Andrea Halbritter

Mit der Hose eines Herolds ist Halbritter zufrieden: „Die Knöpfe sind dran, die Bändel passen auch“, freut sich die gelernte Schneiderin. Seit drei Jahren arbeitet sie in der Kleiderkammer, genau wie ihre Kollegin Kötzel. Für sie ist es der Traumjob. „Das wollte ich schon immer machen“, schwärmt sie.

Es werde ihnen nie langweilig, betonen die beiden Frauen. Kein Wunder, denn bei all den Kostümen gibt es immer etwas zu tun. „Das Schöne an den Handwerksberufen ist, dass man die eigene Fantasie mit einbringen kann“, so Christine Kötzel. „Und dass man am Abend sieht, was man tagsüber gemacht hat“, ergänzt Halbritter.

Der mittelalterliche Charme soll bleiben

Die drei Frauen lassen sich immer etwas einfallen – etwa wenn mal wieder ein Kostüm zu eng geworden ist. „Da muss man schon mal kreativ werden“, erklärt Halbritter lachend. Die Spitze an den Stiefeln haben sie mittlerweile mit Klettband versehen, „so macht man sich das Leben manchmal leichter“.

Immer gehe das aber nicht, denn der mittelalterliche Charme der Kostüme soll erhalten bleiben. „Am Ende müssen die Kostüme präsentabel sein, darauf kommt es an.“


Von Irmeli Pohl
north