Am Samstag funkelte es im Ansbacher Haus für Kunst, als ob zwei Nürnberger Rauschgoldengel in dessen Galerie gelandet wären. So war es dann doch nicht. Nicht ganz, auch wenn die Showkostüme glitzerten wie der Christkindlesmarkt. Statt Flügeln hatten die beiden Nürnbergerinnen zwei weiße Keyboards, um damit abzuheben.
Hildegard Pohl, auch als „Wilde Hilde” bekannt, und Victoria Pohl, ihre Tochter, ergeben zusammen als Pohl & Pohl ein Duo, wie man es nicht oft findet: ein Klavier-Jazzduo mit hohem Spaß-Faktor. Die beiden spielten mit zwei, drei und vier Händen fabelhaft. Und weil die einmal nicht ausreichten, durfte das Publikum als Bodypercussion-Gruppe bei „Billie Jean” mithelfen.
Bis zum Fade Out waren da Durchhaltevermögen und Aufmerksamkeit gefordert. „Richtig toll gemacht”, lobte dann auch Hilde Pohl nach dem Michael-Jackson-Hit. Das schaffe nicht jedes Publikum. Die Atmosphäre war familiär in der Galerie, wie bei einem Wohnzimmerkonzert. Dazu eingeladen hatten Hans und Annelies Schindler – zu zwei Terminen hintereinander, weil die Nachfrage groß genug war. Die Hausherrin hatte passenderweise ein Bild des Duos beim Spielen gemalt. Es hing hinter ihm.
Die Doppel-Pohls spielten in ihrem Programm souverän mit lauter Evergreens. Es reichte von Astor Piazzollas Libertango (samt kleinen Klassikzitaten) über die „One Note Samba” von Antônio Carlos Jobim und Paul Desmonds „Take Five” bis hin zu Billy Joels „Root Beer Rag”.
Weihnachten kam auch zu seinem Recht, erst mit einem Augenzwinkern: bei „Jingle Bells” mit einem Kuhglöckchen als Gruß an die Schweizer Gastgeber und mit farbenfrohen Handglocken, die Victoria Pohl während des Stücks auspackte. Bei „Drei Nüssen für Aschenbrödel” schwelgten die Jazz-Ladies in Märchenromantik. Da glitzerten nicht nur die Goldkleider.