Auf Initiative von Bürgermeister Karl Schmidt startete der Ippesheimer Gemeinderat am Mittwoch eine Diskussion über das künftige Aussehen von Bullenheim. Braucht man ein Dorfzentrum? Oder verbieten sich solche Überlegungen angesichts der Haushaltslage von vorneherein?
Es war der Auftakt für eine Diskussion, die den Gemeinderat für mehr als die nächsten zehn Jahre beschäftigen oder die schnell wieder im Sande verlaufen kann. Das kommt darauf an, was die Bullenheimerinnen und Bullenheimer sich wünschen und wofür sie sich engagieren, aber auch darauf, was der Haushalt zulässt.
Die Vorgeschichte: 1975 kaufte die Gemeinde eine Gerätehalle unweit des Rathauses als neues Feuerwehrhaus. Zuerst allerdings wurde die Halle für die Weinfeste genutzt, die Feuerwehr blieb im Rathaus. Um 1995 wurde bei der Sanierung des Rathauses dann das Tor für die Feuerwehr wieder geschlossen, die Feuerwehr zog in die Halle um. Das Weinfest fand inzwischen am Sportplatz statt. Die Halle wird von der Feuerwehr und gelegentlich für Feste wie den Adventsmarkt genutzt.
Der Weinbauverein bemängelte gegenüber Schmidt, dass es in Bullenheim zwar viele Weinstuben und Heckenwirtschaften gibt, aber keinen geeigneten großen Raum, der sich zum Beispiel für die Vorstellung der neuen Weinprinzessin eignet. Ein weiteres Thema: Während der Dorferneuerung wurde der Dorfplatz nicht gepflastert, sondern mit einer sogenannten wassergebundenen Decke versehen. Wenn es, wie vor einigen Jahren geschehen, stark regnet, wird der Platz schlammig. Deshalb gebe es, so Schmidt, Forderungen danach, den Platz zu pflastern. Jetzt ist zudem das Dach des Feuerwehrhauses undicht.
Der Bürgermeister nahm aus all diesen Gründen eine Impulsberatung für das Feuerwehrhaus in Anspruch. Seine Hoffnung: Mit relativ geringem Aufwand sollte ein Veranstaltungssaal geschaffen werden, am besten mit integriertem Feuerwehrhaus. Die Toiletten im Rathaus könnten genutzt werden, eine Küche sei nicht nötig, da das Essen meist geliefert wird. Schmidt dachte an eine Theke, einen Kühl- und einen Abstellraum sowie ein Behinderten-WC.
Das Ergebnis fiel anders aus: Eine gemeinsame Nutzung für die Feuerwehr und einen Veranstaltungssaal sei nicht möglich. Wenn die Feuerwehr ein Fahrzeug hat, braucht sie eine Dachhöhe von vier Metern. Das Planungsbüro sprach sich wegen der Nähe zum Rathaus, der zentralen Lage und den vorhandenen Parkplätzen für die Gemeinschaftsnutzung aus und dafür, die Feuerwehr woanders unterzubringen.
„Wollen wir über ein Dorfzentrum in Bullenheim nachdenken?”, lautete nun die Grundsatzfrage des Bürgermeisters an seinen Rat. Die Diskussion verlief gleich lebhaft: Als wünschenswert, aber von der finanziellen Lage der Gemeinde her unrealistisch betrachtete Gemeinderat Werner Franz das Gedankenspiel. Rüdiger Pfeiffer pflichtete ihm bei und verwies auch in der Folge immer wieder auf die Finanzierbarkeit.
Dritter Bürgermeister Bernhard Wolf brach dagegen eine Lanze für Bullenheim: „Für mich ist es echt schwer, dagegen etwas zu sagen. Uns in Herrnberchtheim hat der Bau des Dorfgemeinschaftshauses viel gebracht. Bullenheim hat es auch verdient, dass man zumindest darüber nachdenkt.”
Man wolle den vorhandenen Wirtschaften auf keinen Fall das Wasser abgraben, betonte Schmidt. Auch Gemeinderat Stefan Schadt betonte: Man brauche einen größeren Raum für 50 bis 60 Personen, aber kein Dorfgemeinschaftshaus. Zusammen mit einem Neubau für die Feuerwehr wären die Investitionen dennoch gewaltig.
Im Falle des Dorfgemeinschaftshauses in Herrnberchtheim habe man zwar weit über eine Million Euro ausgegeben, aber auch hohe Fördermittel bekommen. Letztlich seien knapp 500.000 Euro an der Gemeinde hängen geblieben, informierte Schmidt. Volker Friedlein bezweifelte allerdings, dass die Fördermittel in Zukunft weiterhin in gleicher Höhe fließen.
Viele weitere Ansätze wären möglich. Das Dach des Gerätehauses könnte höher gesetzt werden oder jemand anderes in Bullenheim könnte eine Halle zum Verkauf anbieten. Sehr wichtig ist auch die Meinung in Bullenheim. Schließlich wurde die Diskussion abgebrochen und vereinbart, dass jeder sich weiterhin Gedanken macht und in Bullenheim umhört. Bevor man dort zu einer Bürgerversammlung einlädt, soll darauf hingewiesen werden, dass die Finanzierung noch lange nicht gesichert ist, hieß es am Ratstisch.