Zur Ruhe gekommen sind die Alten Ulanen nie in den zurückliegenden Jahren. Streitereien über die Ausrichtung des Traditionsvereins und persönliche Befindlichkeiten, die über das Wohl der Gemeinschaft gestellt wurden, prägten das Bild. Nun setzen die neuen Besitzer der Anlage in Ansbach auf einen Neustart und betonen dabei das Miteinander.
Sonntagmorgen, kurz vor zehn Uhr, Ortstermin in der Straße Am Reiterzentrum. Während es in der Umgebung noch so still ist, wie es nun mal meist am Tag des Herrn ist, herrscht vor den Stallungen schon reges Treiben. Eine Einstellerin kümmert sich gerade um ihren Liebling, ein paar Meter weiter ist der Hufschmied schon bei der Arbeit. Josefine Nietsche hält gerade ein Pony, dessen Hufe vom Fachmann erst ausgekratzt und dann neu beschlagen werden.
Seit Anfang September führt die Familie Klafterböck/Nietsche hier Regie. Sie hat die Reitanlage mitsamt der Stallungen und Außenanlagen für einen sechsstelligen Betrag gekauft. Über viele Monate hinweg hatten die Vorbesitzer Monika Barth und Felix Schmidt versucht, das seit 2018 in ihrem Besitz befindliche Areal loszuwerden.
Wirklich frei von Schwierigkeiten war das Verhältnis der Vorbesitzer zu den Vereinsmitgliedern nie in dieser Zeit. Man stritt sich öffentlich bei Jahresversammlungen, raufte sich irgendwie zusammen und fand dann doch wieder eine Nichtigkeit, an dem sich der nächste Konflikt entzündete. Mal wurde das Fehlen der beim Kauf vom Bezirk vorgeschriebenen Schulpferde moniert, mal die zu eigentümerlastige Besetzung des Vorstandes. Im Nachhinein stellte es sich als das größte Problem heraus, dass die Vorbesitzer nicht auf der Anlage wohnten.
Alexander Klafterböck und seine Frau Josefine haben von dem zerrütteten Verhältnis zwischen den Alten Ulanen und den bisherigen Betreibern natürlich gehört. „Ein Politikum. Da hat sich über die Jahre hinweg viel aufgeschaukelt“, meint Klafterböck vielsagend und schnauft kurz durch – mit Details mag sich der 53-Jährige gar nicht beschäftigen oder gar die Probleme der Vergangenheit, die nicht seine waren, aufarbeiten. Ihm geht es auch nicht um großartige Versprechungen.
Wir leben nicht im Konjunktiv.
„Reden kann man viel. Hätte, sollte, könnte. Wir leben aber nicht im Konjunktiv“, sagt Klafterböck bestimmt und beschreibt damit eine der daraus resultierenden Maxime der Familie, wie sie die Anlage führen will. „Es müssen immer Taten folgen und Dinge umgesetzt werden.“ Anpacken und machen – unter diesem Aspekt sind die neuen Besitzer der Reitanlage der Alten Ulanen seit einigen Wochen stark gefordert.
Vieles war zuletzt offensichtlich liegen geblieben. Als eine der ersten Aktionen wurde der Springplatz wieder auf Vordermann gebracht. Dahinter steht das Gras aber noch gut einen Meter hoch – „das eigentliche Paradies“, wie Klafterböck die von viel Grün umgebene Anlage beschreibt, hatte in der jüngeren Vergangenheit gelitten. Es drängt sich der Eindruck auf, dass jeder Einsteller machen konnte, was er wollte, lässt Klafterböck zwischen den Zeilen durchblicken.
Für einen, der auf einem Bauernhof mitsamt Pferdezucht in Beilngries aufwuchs und sich später sein Studium mit schweißtreibender Arbeit auf dem Bau selbst zu finanzieren hatte, müssen derartige Nachlässigkeiten ein Graus sein. Werte sind dem ehemaligen S-Springreiter, der 2019 seinen letzten internationalen Auftritt hatte, wichtig im Leben – ganz persönlich, aber auch aus der Sicht einer Gemeinschaft.
„Es geht nur miteinander, es funktioniert nur, wenn der Verein mitzieht“, nimmt er den Gemeinschaftsgedanken auf und die Ulanen in die Pflicht. Mit einem Blick auf die stolze Historie und die aktuelle Situation sagt er: „Der Verein war einmal das Aushängeschild in Franken. Tradition und Moderne sollen wieder zusammenwachsen.“
Zuletzt schrieb der aus einem ehemaligen Reiterregiment entstandene Verein aber vornehmlich negative Schlagzeilen. Durch die lange ungewisse Zukunft haben einige Pferdefreunde dem Stall den Rücken gekehrt. Ulanen-Vorsitzender Matthias Schmidtner sprach wenige Monate vor dem 100. Geburtstag im kommenden Jahr gar offen von einer möglichen Auflösung des Vereins. „Ich bin ein optimistischer Mensch“, hält Alexander Klafterböck derartigen Unkenrufen entgegen.
Er glaubt daran, dass die Ulanen auch über ihr Jubiläum hinaus eine Zukunft haben und ihr angekratztes Image aufpolieren. Die Grundstimmung sei auf der Anlage wieder positiv, neue Einsteller sind mit ihren Pferden bereits eingezogen, berichten die Besitzer. Dennoch befinde man sich in einem Prozess. Der Grundsatz der Klafterböcks in der Arbeit mit den Tieren gilt in dem Fall auch für die, die im Sattel sitzen: „Im Reitsport braucht man Geduld.“
Mithelfen in der Dynamik eines Neustarts könnten alle Beteiligten, meint der 53-jährige Diplom-Ingenieur, der in den zurückliegenden Wochen seinen Jahresurlaub bei einem Stuttgarter Automobilhersteller aufgebraucht hat, um den Umzug aus Esslingen nach Ansbach zu stemmen. Inzwischen steht zwischen Stall und Reitplatz das Tiny Haus für die Familie, zu der die Kinder Anton und Karlotta sowie zwei Hunde gehören.
Zu tun ist aber nach wie vor noch einiges, sagt Alexander Klafterböck und blickt auf ein großes Stalltor, das seine Farbe längst verloren hat und windschief in den Angeln hängt. Bei derartigen Arbeiten könne sich jedes Vereinsmitglied einbringen und mit anpacken – gemeinsam ein Projekt zu stemmen, „das schweißt zusammen“, meint Klafterböck: „Sonnenschein kann jeder.“
Die ersten Schritte auf einem langen Weg haben die neuen Besitzer inzwischen hinter sich gebracht. „Die Menschen kommen wieder gerne hierher und gehen mit einem Lächeln über die Anlage“, hat Josefine Nietsche festgestellt. Und ihr Mann setzt hinterher: „Das gibt einem ein sehr gutes Gefühl.“