Seit der Große Saal des Borkholderhauses wegen Brandschutzmängeln geschlossen wurde, wird in Ansbach über die Zukunft des Theaters gestritten. Nach stundenlangen Diskussionen in den Ausschüssen lag dem Stadtrat eine klare Beschluss-Empfehlung vor – was die Stadträte nicht davon abhielt, erneut darüber zu debattieren.
Vordergründig geht es in der Diskussion um den millionenschweren Umbau des Borkholderhauses – was an sich schon weitreichende Fragen nach sich zieht, zum Beispiel, ob die Tourist-Info vom Stadthaus ins Theater-Foyer umziehen soll. Doch von Anfang an wurde mit dieser Debatte auch die Frage nach der zukünftigen Rolle des Theaters im Ansbacher Kulturleben verknüpft. Ganz konkret, ob die Theatergenossenschaft die Intendanz der Rokoko-Festspiele übernehmen soll und wie groß der Einfluss der Stadt als mit Abstand größter Förderer sein darf.
Zunächst hatte die Stadt das Beratungsunternehmen Actori engagiert, Szenarien für das Theater zu entwickeln, die als Grundlage für den Umbau dienen sollten. Nachdem ein Actori-Vertreter in der gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Schul- und Kulturausschuss berichtet hatte, gaben die Ausschüsse nach stundenlanger Diskussion folgende Beschluss-Empfehlung an den Stadtrat ab: Die Tourist-Info solle ins Theater-Foyer umziehen, die Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen verstärkt werden, und die Theatergenossenschaft solle die künstlerische Leitung der Rokoko-Festspiele übernehmen. Grünes Licht gaben die Ausschüsse für die technische Sanierung und den Umbau des Großen Saales und den Umzug der Tourist-Info. Kostenpunkt rund 3,4 Millionen Euro.
SPD-Stadträtin Nadine Maurer, die als Vorsitzende der Theatergenossenschaft von Beratung und Beschluss ausgeschlossen war, hatte zuvor in einer schriftlichen Mitteilung das Vorgehen der Stadt als unzulässigen Eingriff in die Kunstfreiheit verurteilt und deutlich gemacht, dass das Theater rein personell nicht in der Lage sei, die Rokoko-Festspiele zu übernehmen.
Man habe sich inzwischen mit dem Theater ausgetauscht, sagte Oberbürgermeister Thomas Deffner jetzt zu Beginn der Debatte im Stadtrat. Man sei übereingekommen, eine Kooperation des Theaters mit dem Heimatverein für die Durchführung der Rokoko-Festspiele anzustreben. Dem Heimatverein sei eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe wichtig, erklärte Kulturreferentin Nadja Wilhelm. Die Entwicklung des Theaters gehe in Richtung Kooperationstheater, was bedeute, dass in Zukunft die Zahl der Eigenproduktionen sinken und die Zahl der Kooperations-Projekte steigen werde.
Dazu passte der überraschende Vorschlag des OB, zusätzlich für 600.000 Euro auch den Kleinen Saal umzubauen. Die Idee sei im Gespräch mit dem Theater entstanden, sagte Deffner, und Nadja Wilhelm bekräftigte, man benötige einen modernisierten Kleinen Saal, um die Kooperations-Projekte umzusetzen. „Der Kleine Saal kam nicht von uns”, machte Genossenschafts-Vorsitzende Nadine Maurer später auf Nachfrage der FLZ deutlich. „Uns ist wichtig, bald wieder im Großen Saal spielen zu können.”
Auch im Rat gingen die Meinungen weit auseinander. Während CSU-Fraktionschef Jochen Sauerhöfer anregte, den Kleinen Saal gleich mitzusanieren, lehnte das Hannes Hüttinger (BAP) ab: „Wir brauchen das Geld für die Schulen.” Sein Fraktionskollege Dr. Markus Bucka bemängelte, dass man sich mit diesem Vorschlag über den Beschluss der Ausschüsse hinwegsetzt: „Dann hätten wir uns die Sitzung sparen können.” Mit dem Hinweis auf „viele Kulturinstitutionen, die wir fördern wollen” lehnte auch Boris-André Meyer (Offene Linke) den Vorschlag ab.
Es kamen sogar Befürchtungen auf, ein Umbau des Kleinen Saals könne ein Bespielen des „Theaters hinterm Eisernen” unmöglich machen. Ein Geschäftsordnungs-Antrag von Friedmann Seiler (ÖDP), die Sitzung zu unterbrechen und die anwesende Theater-Chefin Nadine Maurer zu befragen, wurde gegen 13 Stimmen abgelehnt. Abgelehnt wurde dann aber auch mit großer Mehrheit der Beschluss-Vorschlag der Ausschüsse.
In Einzelabstimmungen wurde schließlich beschlossen: mit 22 zu 15 Stimmen der Umzug der Tourist-Info und mit der gleichen Mehrheit eine Kooperation von Theater, Heimatverein und Stadt bei den Rokoko-Festspielen. Mit großer Mehrheit beschloss der Rat anschließend den Umbau des Theaters – ohne den Kleinen Saal.
Nadine Maurer erklärte auf Nachfrage der FLZ, es sei wichtig, mit dem auf drei Schauspieler geschrumpften Ensemble das „Theater hinterm Eisernen” weiter bespielen und den Kleinen Saal zum Beispiel fürs Puppenspiel weiter nutzen zu können.
Skeptisch zeigte sich Maurer, was die angestrebte Kooperation bei den Rokoko-Festspielen ab 2026 angeht. Eine Übernahme der Festspiele durch das Theater sei angesichts der Personallage ein „Selbstmord-Kommando”, das die Festspiele und die Theatergenossenschaft gefährde: „Die Leute vom Heimatverein sind ja die eigentlichen Profis, deshalb müssen wir uns mit ihnen zusammensetzen.” Sie selbst habe bereits einen Mitgliedsantrag beim Heimatverein ausgefüllt.
Noch drängender sei allerdings, bis zum Herbst 2026, wenn die Umbauarbeiten beginnen, eine Ersatzspielstätte mit 150 bis 160 Zuschauerplätzen zu finden.